- 29.06.2015, 22:00:01
- /
- OTS0243 OTW0243
TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Niemand zieht die Crash-Bremse", von Alois Vahrner
Griechenland ist nur noch wenige Zentimeter vom Finanz-Crash entfernt. Die Notbremse könnten nur die Hellenen selbst ziehen. Die Regierung Tsipras bleibt aber bei ihrem Harakiri-Kurs.
Utl.: Griechenland ist nur noch wenige Zentimeter vom Finanz-Crash
entfernt. Die Notbremse könnten nur die Hellenen selbst
ziehen. Die Regierung Tsipras bleibt aber bei ihrem
Harakiri-Kurs. =
Innsbruck (OTS) - Griechenland hat am Montag eine Gebühr von 50.000
Euro beim Euro-Rettungsfonds EFSF eingezahlt und mit dieser
Mini-Zahlung vermieden, dass der Rettungsfonds einen Zahlungsausfall
feststellt. Heute bis 24 Uhr allerdings hätten die Griechen dem
Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Rate über 1,6 Mrd. Euro
bezahlen müssen - und können das nicht, zumal die schwer verärgerte
Eurogruppe das auslaufende Hilfsprogramm nicht verlängert hat. Damit
geht die Krisen-Kettenreaktion weiter. Griechenland droht der
Bankrott, möglicherweise das Ausscheiden aus dem Euro und sogar aus
der EU. Vor allem aber droht Chaos im Land selbst, mit Auswirkungen,
gegen welche sich die bisherigen Sparpakete, die sehr viele durch
soziale Kürzungen hart getroffen haben, im Angesicht des noch
Kommenden harmlos ausnehmen.
Einen ersten Vorgeschmack auf die Folgen jener Sackgasse, in die sie
die Regierung des linkslinken Alexis Tsipras schon geführt hat,
bekamen die Griechen gestern mit Kapitalverkehrs-Beschränkungen und
geschlossenen Banken. Wäre gestern aufgesperrt worden, wäre das
Banksystem möglicherweise schon gestern kollabiert. Vielen Griechen
dämmert jetzt, aber das wohl zu spät, dass die Zeit für politische
Spielereien vorbei ist.
In der für Sonntag angesetzten Volksabstimmung sollen die Griechen
über das von den Geldgebern verlangte Reformpaket abstimmen, obwohl
dieses ja seit Samstag gar nicht mehr gilt. Tsipras und seine
Regierung empfehlen ein Nein, sprich die endgültige Staatspleite.
Eine Regierung, die zunächst diese Zuspitzung zu verantworten hat und
dafür der Bevölkerung auch noch die Verantwortung, sprich den
Schwarzen Peter umhängen will, das ist unglaublich. Trotzdem ist
unsicher, dass die Griechen aus Angst vor dem Bankrott, dem Chaos und
drohenden massiven Wert- und Lohnkürzungen (der Staat könnte ja
umgehend nicht einmal mehr Beamte und Pensionisten zahlen) für das
Reformpaket stimmen. In diesem Fall wäre die Regierung Tsipras auch
formell das, was sie politisch inhaltlich und mit ihrem Auftreten
ohnehin seit ihrem Antritt ist: unhaltbar. Neuwahlen wären wohl
unausweichlich, freilich auch da mit sehr unsicherem Ausgang, zumal
Konservative und Sozialisten als mögliche Alternativen die Probleme
des Landes mit jahrzehntelanger Unfähigkeit großteils verursacht
haben.
Auch wenn darauf garantiert niemand in Europa gespannt ist: Die
griechische Tragödie wird leider noch etliche Kapitel zu bieten
haben.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT






