- 29.06.2015, 10:36:05
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Undokumentierter Arbeiter bekommt Recht vor dem Arbeits- und Sozialgericht
UNDOK-Anlaufstelle feiert einjähriges Bestehen mit einer Erfolgsmeldung
Utl.: UNDOK-Anlaufstelle feiert einjähriges Bestehen mit einer
Erfolgsmeldung =
Wien (OTS) - Nach massiver Ausbeutung durch seinen Arbeitgeber und
einem schweren Arbeitsunfall, bei dem er zwei Zehen verlor, zog Herr
R. vor das Arbeits- und Sozialgericht in Wien. Unterstützt wurde er
dabei durch die Anlaufstelle zur gewerkschaftlichen Unterstützung
undokumentiert Arbeitender (UNDOK) und die Arbeiterkammer
Niederösterreich (AKNÖ). Jetzt wurde ihm Recht gegeben!
Herr R. ist serbischer Staatsangehöriger und einer von 144
undokumentierten ArbeitnehmerInnen, die sich seit ihrer Eröffnung im
Juni 2014 an die UNDOK-Anlaufstelle wandten. Die aktuelle Bilanz der
UNDOK-Anlaufstelle zeigt den großen Bedarf an Beratung und
Unterstützung von ArbeitnehmerInnen ohne freien Arbeitsmarktzugang:
http://undok.at/wp-content/uploads/2014/06/Bilanz-1-Jahr-UNDOK-Anlaufstelle.pdf
Schwerer Arbeitsunfall - Arbeitgeber rief nicht die Rettung
Herr R. arbeitete einige Wochen für eine niederösterreichische
Autohandelsfirma. Nach einem schweren Arbeitsunfall rief sein
Arbeitgeber nicht die Rettung. Stattdessen beauftragte er einen
anderen Arbeiter damit, Herrn R. umzuziehen und mit seinem Privatauto
ins Krankenhaus zu bringen. Es sollte nicht wie ein Arbeitsunfall
aussehen. "Ich stand unter Schock und blutete stark", erzählt Herr R.
"Erst später merkte ich, dass ich meine private Kleidung anhatte."
Aufgrund des Arbeitsunfalls mussten Herrn R. zwei Zehen amputiert
werden. Erst im Krankenhaus erfuhr er, dass er nicht
krankenversichert war und erhielt eine Spitalsrechnung von 43.000
Euro. Herr R. arbeitete ohne es zu wissen ohne gültige
Arbeitspapiere. Sein Arbeitgeber hatte weder eine
Beschäftigungsbewilligung beantragt noch Herrn R. bei der
Sozialversicherung angemeldet. Auch einen Großteil seines Lohns blieb
er ihm schuldig. Herr R. wandte sich daraufhin an die
UNDOK-Anlaufstelle - mit Erfolg!
Rückwirkend musste der Arbeitgeber Herrn R. krankenversichern und die
Spitalsrechnung wurde von der Gebietskrankenkasse übernommen.
Außerdem konnte Herr R. arbeits- und sozialrechtliche Ansprüche von
rund 14.500 Euro durchsetzen.
Undokumentierte Arbeit ist unsicher, schlecht bezahlt und gefährlich
"Die meisten undokumentiert arbeitenden Menschen werden um ihren Lohn
betrogen", berichtet Karin Jović, Beraterin der UNDOK-Anlaufstelle.
"ArbeitgeberInnen halten sich nicht an kollektivvertragliche
Mindestlöhne. Bei Arbeitsunfällen sind undokumentiert Arbeitende
nicht versichert - wie im Fall von Herrn R."
Horst Pammer, Vorsitzender der Gewerkschaft vida Niederösterreich,
sieht in undokumentierter Arbeit auch ein gesamtgesellschaftliches
Problem: "Undokumentierte Arbeit, Scheinselbstständigkeit, Lohn-
und Sozialdumping schaden nicht nur den direkt Betroffenen sondern
führen letztlich zu einer Schwächung der Position aller
ArbeitnehmerInnen."
Gleiche Rechte für alle ArbeitnehmerInnen
Mario Bartl, UNDOK-Vorstandsmitglied und Bau-Holz-Gewerkschafter
setzt auf gewerkschaftliches Handeln: "Ob mit oder ohne Papiere:
Sozialversicherungsgesetze, Arbeitsrecht und kollektivvertragliche
Mindeststandards gelten für alle ArbeitnehmerInnen. Als
Gewerkschaften unterstützen wir alle dabei, nicht nur Recht zu haben,
sondern auch zu ihrem Recht zu kommen."
Der UNDOK-Verband ist eine Kooperation von Gewerkschaften (GBH,
GPA-djp, PRO-GE, vida), des ÖGB, der Arbeiterkammer Wien, der ÖH
Bundesvertretung, NGOs sowie selbstorganisierten
MigrantInnenorganisationen und basisgewerkschaftlichen AktivistInnen
und wird vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und
KonsumentInnenschutz (BMASK) gefördert.
Adresse:
ÖGB (Catamaran): Lift D, 1. Stock, Raum 1913
Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien
Tel.: 0043-1-53444-39040
[email protected] - www.undok.at
Öffnungszeiten:
Montags 9:00-12:00
Mittwoch 15:00-18:00
Weitere Termine nach Vereinbarung.
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