• 26.06.2015, 09:15:01
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Wie sich Erwachsenenbildung modernisiert

Im Zentrum einer erneuerten Erwachsenenbildung stehen ein gemeinsames Nachdenken und eine gesellschaftliche Relevanz, die über den wirtschaftlichen Nutzen von Weiterbildung hinausgehen.

Utl.: Im Zentrum einer erneuerten Erwachsenenbildung stehen ein
gemeinsames Nachdenken und eine gesellschaftliche Relevanz,
die über den wirtschaftlichen Nutzen von Weiterbildung
hinausgehen. =

Wien (OTS) - Für manche riecht Erwachsenenbildung noch immer nach
altmodischem Gruppenunterricht für Erwachsene zu Sprachen,
Kunsthandwerk und Gymnastik. Oder nach Computerkurs und
Kommunikationsseminar für die Firma. Tatsächlich ist der
Bildungsbereich mit den höchsten Teilnahmezahlen - verglichen mit
Schule und Hochschulen - ein Feld permanenter Erneuerung, wenn es um
Inhalte, Angebotsformen und ein rasches Eingehen auf brennende
gesellschaftspolitische Fragen geht. Wer sich weiterbildet, sollte
mehr begleitet und weniger belehrt werden, sagen ExpertInnen. Wissen
wird gemeinsam generiert, in den Seminaren genauso wie in der
Forschung. Die aktuelle Ausgabe des Magazin erwachsenenbildung.at
beschreibt, wie die Entwicklungen von heute zur Modernisierung der
Erwachsenenbildung beitragen, und stellt sie auf den Prüfstand. Dem
Open Access-Gedanken folgend, steht das Magazin ab sofort kostenlos
unter www.erwachsenenbildung.at/magazin zum Download bereit.

Wer hat heutzutage schon die richtigen Antworten? Selbstgesteuertes
und kooperatives Lernen gewinnen immer stärker an Bedeutung, nicht
nur durch die Digitalisierung. Wissen wird nicht mehr nur von den
"ExpertInnen" vorgetragen, sondern gemeinsam produziert und
verbreitet. Das Stichwort "Commons" beschreibt Bildung als öffentlich
zugängliche Gemeinschaftsressource. Unterstützt wird diese Idee durch
die Möglichkeiten von digitalen Medien, die den Zugang zu kostenlosen
Online-Kursen und offenen Bildungsressourcen unterstützen.

Raus aus der gehetzten Isolation

Dem idealistischen Ansatz "Wir lernen für uns selbst" steht heute
mehr denn je ein "Lerne, damit du beruflich weiterkommst, und das
möglichst rasch" gegenüber. Bildungsanbieter kommen den
arbeitsmarktpolitischen und bildungspolitischen Anforderungen im
Rahmen der öffentlichen Förderung nach. Dabei spielt das Drängen der
EU auf Bildung als Entwicklung von Humankapital eine wesentliche
Rolle. Doch selbst Regina Barth, Abteilungsleiterin für
Erwachsenenbildung im Bundesministerium für Bildung und Frauen,
äußert sich kritisch zu einer überwiegenden Arbeitsmarktorientierung
der Weiterbildung . "Erwachsenenbildung hat eine wichtige
allgemeinbildende Rolle und diese müssen wir wieder mehr in die
Diskussion einbringen".

Folgt man den Beiträgen im Magazin, gehören dazu ebenso sehr
Kompetenzen für die Alltagsbewältigung wie das Erleben von
Gemeinschaft und individueller Sinngebung während und durch das
Lernen. Die Erwachsenenbildung von morgen soll Gegenprogramme zur
Verfügung stellen, damit wir dem gehetzten Druck in der Arbeitswelt
entkommen, statt Vereinzelung auch Gemeinschaft erleben und Sinn auch
abseits der Produktivität finden und erkennen können.

Neue Themen: Umgang mit Geld und digitales Selbermachen

Zu Veränderungen kommt es auch in der Basisbildung, die mehr ist als
Lesen und Schreiben zu lernen. Dazu gehört auch "Financial Literacy",
ein in Österreich bislang noch wenig diskutiertes Thema. Damit ist
Grundbildung gemeint, die Menschen befähigt kompetent und
selbstbestimmt mit Geld und Finanzen umzugehen. Am Beispiel der
finanziellen Grundbildung diskutieren die Forscherinnen Ewelina Mania
und Monika Tröster in ihrem Beitrag, wie sich die Themen der
Basisbildung mit der gesellschaftlichen Entwicklung verändern und
finanzielle Grundbildung angeboten werden kann.

Wesentliche Impulse für ein erneuertes Bildungsangebot kommen - wenig
überraschend - aus den neuen Technologien. Wer gestern noch
Fotobearbeitung und Textformatierung gelernt hat, studiert morgen
vielleicht schon "Making". Die Forscherin Sandra Schön zeigt mit den
sogenannten "Makerdays", wie Kinder das digitale Gestalten und
Produzieren erlernen und ihre Werke auf 3D-Druckern plastische
Gestalt annehmen lassen. Fragt sich nur, wie lange es noch dauert,
bis auch Erwachsene sich nachschulen lassen und Gebrauchsgegenstände
oder kreative Dinge nach eigenen Entwürfen digital selber machen
statt sie im Laden zu kaufen.

Die Vision bleibt: Bildung für alle

Wo wird sich die Erwachsenenbildung in Zukunft hin entwickeln? Eine
Antwort mit klaren Zielvorgaben gibt es nicht, diese Einschätzung
zieht sich durch alle Beiträge des Magazins. Der Wandel scheint
ungewiss und widersprüchlich. Nur in der permanenten kritischen
Reflexion der Veränderungen lässt sich vorübergehender Halt und Sinn
finden. Das ist längst nicht mehr nur eine Aufgabe von ExpertInnen,
sondern gerade in der Bildung ein gemeinsamer Vorgang.
Erwachsenenbildung ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern eine
Hüterin von freien Denkräumen, in denen Lernende sich selbst mit der
Welt in Beziehung setzen. Die Schattenseiten der Modernisierung sind
unübersehbar, und Erwachsenenbildung muss ihnen auch Gegenprogramme
entgegen setzen. Umso wichtiger bleibt der Zugang zu ihren Angeboten.
Regina Barth dazu: "Es soll in der Gesellschaft keine Rolle spielen,
woher jemand kommt - sozial und regional. Jeder und jede soll Zugang
zu Bildung haben"

Fachmedium und aktuelle Online-Information

Magazin erwachsenenbildung.at (Meb) ist das Fachmedium für Forschung,
Praxis und Diskurs der österreichischen Erwachsenenbildung. Es wird
vom Bundesministerium für Bildung und Frauen (BMBF) gemeinsam mit dem
Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) und dem Verein CONEDU
dreimal jährlich herausgegeben. Alle eingereichten Artikel
durchlaufen ein Review von ExpertInnen. Das Magazin erscheint
parallel zur kostenlosen Online-Ausgabe auf
www.erwachsenenbildung.at/magazin auch im BoD-Verlag und ist als
Druckausgabe zum Selbstkostenpreis von EUR 10,30 oder als E-Book für
weniger als 1 Euro erhältlich.

Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Frauen.

Ausblick auf die nächste Ausgabe:

In der Oktoberausgabe geht es um jene, die Erwachsenenbildung
maßgeblich gestalten: die ErwachsenenbildnerInnen und deren Situation
zwischen Professionalität und herausfordernden Arbeitsbedingungen.

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