Buchvorstellung „Theorie Sozialer Arbeit verstehen. Ein Vademecum“

Spittal (OTS) - Bringfriede Scheu, Studiengang Soziale Arbeit, und Otger Autrata, Leiter des Forschungsinstituts RISS und Privatdozent an der Universität Osnabrück entfalten in ihrer Publikation "Theorie Sozialer Arbeit verstehen" eine grundsätzliche Bestimmung von Theorie Sozialer Arbeit wie auch von Verstehen. Immer wieder wird unterstellt, es sei klar und eindeutig, was Theorie Sozialer Arbeit ist. Tatsächlich ist das aber keineswegs klar. Was sollen beispielsweise Studierende verstehen, wenn sie Theorie Sozialer Arbeit verstehen sollen? Im Buch wird Theorie Sozialer Arbeit wie auch Verstehen definiert und näher erläutert.

Für den professionellen Alltag in der Sozialen Arbeit ist es von zentraler Bedeutung, dass MitarbeiterInnen auf theoretisches Wissen zurückgreifen können. Damit das möglich ist, muss Theorie Sozialer Arbeit verstanden werden. Verstehen ist die Übernahme von gesellschaftlichem Wissen vom Subjektstandpunkt aus. Wichtig dabei ist, dass das Verstehen von Theorie Sozialer Arbeit nicht nur die Übernahme von Wissen ist, sondern auch subjektive Entwicklungsherausforderung. Dieses Vademecum soll als verlässlicher Begleiter zur Orientierung dienen. Die Veröffentlichung von Otger Autrata und Bringfriede Scheu leistet damit einen Beitrag zur Höherqualifizierung der professionellen Praxis Sozialer Arbeit. Das Buch bietet für Dozierende, Studierende und PraktikerInnen der Sozialen Arbeit eine fundierte Orientierungshilfe zum Verstehen Sozialer Arbeit.

Kurzer Rückblick

Theorie in der Geschichte der Sozialen Arbeit - genauer gesagt: oft nur vermeintliche Theorie - hat eine Entwicklung genommen, die einige Verwirrung gestiftet hat. Gleichzeitig sind zwei Effekte festzustellen: Mehr oder weniger allen schriftlichen Äußerungen zu Sozialer Arbeit wurde erstens zugebilligt, es handle sich dabei um Theorie. Was also Theorie Sozialer Arbeit ist und was nicht, wurde im historischen Diskurs bis zur Gegenwart nicht unterschieden. Zweitens ist festzustellen, dass die verschiedenen Veröffentlichungen zu Sozialer Arbeit, seien sie nun Theorie oder nicht, keinen gemeinsamen und geklärten Gegenstand haben: Nicht nur die Form der wissenschaftlichen Debatte zu Sozialer Arbeit - Theorie oder Denkansatz und Essay - blieb und bleibt ungeklärt, auch ihr Inhalt, nämlich der zu erklärende Gegenstand. Für Interessierte, die Theorie Sozialer Arbeit verstehen wollen, ist der Sachverhalt in der Folge so zu sehen, dass sie sich einem unübersichtlichen Geflecht von Äußerungen gegenüber sehen.

Theorie vs. Denkansatz

Deutlich zu machen ist das Gemeinsame und der Unterschied zwischen Theorie Sozialer Arbeit und einem Denkansatz. Gemeinsam ist dem Denkansatz und der Theorie, dass sie gesellschaftliches Wissen in sich tragen. Für einen Denkansatz ist allerdings die Reichweite des Wissens, seine Belastbarkeit und Güte ungeklärt. Auf den Punkt gebracht: Für einen Denkansatz gibt es wenig Regeln, die bei seiner Entfaltung beachtet werden müssen. Was daran gesichertes und verlässliches Wissen ist, kann man nicht abgrenzen von Annahmen, Meinungen und Vermutungen. Die ‚Beweislast‘ dreht sich dabei um:
Nicht die AutorInnen solcher Denkansätze müssen ein geordnetes, gesichertes und belastbares Wissen liefern, vielmehr müssen die RezipientInnen der Denkansätze versuchen, daraus ‚das Beste zu machen‘.

Definition von Theorie Sozialer Arbeit

Theorie Sozialer Arbeit ist als der besondere Fall von Theorie im Allgemeinen zu sehen: Theorie ist die komprimierte Darstellung des gesellschaftlichen Wissens zu einem Gegenstand. Theorie kann erst dann als Theorie bezeichnet werden, wenn mit ihr ein logisch nachvollziehbares und stringentes Verständnis des erklärten Gegenstands und seiner historischen Gewordenheit möglich ist. Theorie muss den wissenschaftlichen Ansprüchen nach Exaktheit im Aufbau und nach Überprüfbarkeit ihrer Aussagen genügen. Theorie ist die Form des gesellschaftlichen Wissens, das wissenschaftlich qualifiziert - also:
überprüft und nachvollziehbar - einen Gegenstand aufschlüsselt und erklärt.

Theorie ist, zum Zeitpunkt der Theoriebildung, an der Grenze zwischen dem gesellschaftlich Bekannten und dem Unbekannten angesiedelt. Theorie ist keine Wiederholung von Geläufigem, sondern der Vorstoß ins Neuland: Es hätte keinen erkennbaren Sinn, wenn eine (neue) Theorie nur Altes rekapitulieren würde. Theorie sucht im Sinne der Dialektik den Bestand menschlichen Wissens voranzutreiben, versucht die Erhellung des Unbekannten. Gleichzeitig versammelt Theorie das bekannte Wissen zu einem Gegenstand und nimmt das als gesicherten Ausgangspunkt für die Ergründung des Unbekannten. Theorie ist keine Spekulation, sondern die Entfaltung von Wissen.

Theorie Sozialer Arbeit realisiert einen Erkenntnisweg vom Abstrakten zum Konkreten, der von der wissenschaftstheoretischen Rahmung bis hin zur professionellen Praxis Sozialer Arbeit führen muss. Theorie Sozialer Arbeit muss damit bestimmte Bestandteile und Merkmale aufweisen, um der Aufgabe gerecht zu werden, gesichertes und überprüftes Wissen für die Soziale Arbeit zur Verfügung stellen zu können.

Verstehen

Verstehen ist - kurz gesagt - der Aufschluss der verallgemeinerten Gegenstandsbedeutung eines Gegenstands. Vor dem Verstehen ist diese Gegenstandsbedeutung noch nicht zugänglich, durch das Verstehen ist sie nutzbar. Verstehen ist damit der logische und gezielte Nachvollzug der Gegenstandsbedeutung, ist abzuheben von Annäherungen an einen Gegenstand durch Versuch und das Erkennen von Irrtümern. Verstehen ist gebunden an Subjekte: Gegenstandsbedeutungen werden gesellschaftlich weitergegeben,
verstanden werden sie von Subjekten. Verstehen ist immer ein Vorgang gnostischen Erkennens der Welt, der nur von Subjekten durchgeführt werden kann.

Restriktives vs. Verallgemeinertes Verstehen
Verstehen weist weiterhin Richtungsbestimmungen auf, die idealtypisch so gegenüber gestellt werden können: Verstehen kann restriktiv oder verallgemeinert ausfallen. Restriktives Verstehen vollzieht sich in vorgegebenen Grenzen, die dabei hingenommen werden. Man richtet sich schon während des Verstehens in diesen Grenzen ein, setzt solche Begrenzungen konkurrenzförmig gegen andere Menschen ein. Erläuternd gesagt: Wenn man nur einen Teil einer Gegenstandsbedeutung versteht oder verdeckt, dass man mehr verstanden hat, als man nach außen zeigt, kann man sich damit unter Umständen Konflikte ersparen; das bliebe allerdings im Segment des restriktiven Verstehens. Möglich ist aber auch verallgemeinertes Verstehen, das Grenzen des Verstehens sowohl für sich selbst als auch gemeinsam mit anderen Menschen überwinden will. Wenn man beim Verstehen Neuland betritt und das zu erkennen gibt, kann das Konflikte auslösen; man hat aber, kategorial gesehen, etwas verallgemeinert verstanden.

Theorie Sozialer Arbeit verstehen

Verstehen ist die Übernahme und Bewertung von gesellschaftlichem Wissen vom Subjektstandpunkt aus. Die allgemeine und hergeleitete Bestimmung von Verstehen gilt für jede Art von Verstehen, unabhängig auch vom Gegenstand des Verstehens. Ein Hammer ist als Träger einer Gegenstandsbedeutung und darin eingehenden gesellschaftlichen Wissens zu verstehen, ebenso gilt das für Theorie Sozialer Arbeit: Theorie Sozialer Arbeit ist gesellschaftliches Wissen über den Gegenstand Sozialer Arbeit, das im Prozess des Verstehens vom Subjektstandpunkt aus übernommen und bewertet wird; weiter leitet Theorie Sozialer Arbeit auch die professionelle Praxis Sozialer Arbeit. Verstehen von Theorie Sozialer Arbeit kann genau so wenig wie jedes andere Verstehen normiert oder immer gleich sein, Verstehen von Theorie Sozialer Arbeit muss in jedem Fall, der Vielfältigkeit von Subjektivität entsprechend, etwas anders ausfallen. Nicht übersehen werden sollte dabei die Richtungsbestimmtheit von Verstehen: Auch das Verstehen von Theorie Sozialer Arbeit kann restriktiv oder verallgemeinert ausfallen. Das Verstehen von Theorie Sozialer Arbeit kann sich im Vorgegebenen einrichten oder Grenzen des eigenen Möglichkeitsraums über Verstehen erweitern.

Das Buch mit dem Titel "Theorie Sozialer Arbeit verstehen. Ein Vademecum", Bringfriede Scheu und Otger Autrata, erscheint in der Reihe "Forschung, Innovation und Soziale Arbeit" beim Springer VS-Verlag. Das Buch ist auch als eBook erhältlich.

Buchpräsentation "Theorie Sozialer Arbeit verstehen. Ein Vademecum"

Am 19.06.2015 wird um 16:00 Uhr das neue Buch von Bringfriede Scheu,
Studiengang Soziale Arbeit, und Otger Autrata, Leiter des
Forschungsinstituts RISS und Privatdozent an der Universität
Osnabrück, am FH Kärnten-Standort Feldkirchen öffentlich
vorgestellt.

Die Laudatio zum Buch "Theorie Sozialer Arbeit verstehen. Ein
Vademecum" wird Herr Mag. Heinz Pichler, Arbeiterkammer Kärnten,
halten.

Datum: 19.6.2015, 16:00 - 18:00 Uhr

Ort:
FH Kärnten Standort Feldkirchen
Hauptplatz 12, 9560 Feldkirchen

Url: http://www.fh-kaernten.at/aktuelles/newsdetails/article/einladung-zur-buchpraesentation-theorie-sozialer-arbeit-verstehen.html

Rückfragen & Kontakt:

Kontakt:
FH-Professorin Dr.in Bringfriede Scheu
Studiengang Soziale Arbeit
T: +43 (0)5 90500-4232
E: b.scheu@fh-kaernten.at

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