- 11.06.2015, 11:46:40
- /
- OTS0138 OTW0138
Buchvorstellung „Theorie Sozialer Arbeit verstehen. Ein Vademecum“
Spittal (OTS) - Bringfriede Scheu, Studiengang Soziale Arbeit, und
Otger Autrata, Leiter des Forschungsinstituts RISS und Privatdozent
an der Universität Osnabrück entfalten in ihrer Publikation "Theorie
Sozialer Arbeit verstehen" eine grundsätzliche Bestimmung von Theorie
Sozialer Arbeit wie auch von Verstehen. Immer wieder wird
unterstellt, es sei klar und eindeutig, was Theorie Sozialer Arbeit
ist. Tatsächlich ist das aber keineswegs klar. Was sollen
beispielsweise Studierende verstehen, wenn sie Theorie Sozialer
Arbeit verstehen sollen? Im Buch wird Theorie Sozialer Arbeit wie
auch Verstehen definiert und näher erläutert.
Für den professionellen Alltag in der Sozialen Arbeit ist es von
zentraler Bedeutung, dass MitarbeiterInnen auf theoretisches Wissen
zurückgreifen können. Damit das möglich ist, muss Theorie Sozialer
Arbeit verstanden werden. Verstehen ist die Übernahme von
gesellschaftlichem Wissen vom Subjektstandpunkt aus. Wichtig dabei
ist, dass das Verstehen von Theorie Sozialer Arbeit nicht nur die
Übernahme von Wissen ist, sondern auch subjektive
Entwicklungsherausforderung. Dieses Vademecum soll als verlässlicher
Begleiter zur Orientierung dienen. Die Veröffentlichung von Otger
Autrata und Bringfriede Scheu leistet damit einen Beitrag zur
Höherqualifizierung der professionellen Praxis Sozialer Arbeit. Das
Buch bietet für Dozierende, Studierende und PraktikerInnen der
Sozialen Arbeit eine fundierte Orientierungshilfe zum Verstehen
Sozialer Arbeit.
Kurzer Rückblick
Theorie in der Geschichte der Sozialen Arbeit - genauer gesagt: oft
nur vermeintliche Theorie - hat eine Entwicklung genommen, die einige
Verwirrung gestiftet hat. Gleichzeitig sind zwei Effekte
festzustellen: Mehr oder weniger allen schriftlichen Äußerungen zu
Sozialer Arbeit wurde erstens zugebilligt, es handle sich dabei um
Theorie. Was also Theorie Sozialer Arbeit ist und was nicht, wurde im
historischen Diskurs bis zur Gegenwart nicht unterschieden. Zweitens
ist festzustellen, dass die verschiedenen Veröffentlichungen zu
Sozialer Arbeit, seien sie nun Theorie oder nicht, keinen gemeinsamen
und geklärten Gegenstand haben: Nicht nur die Form der
wissenschaftlichen Debatte zu Sozialer Arbeit - Theorie oder
Denkansatz und Essay - blieb und bleibt ungeklärt, auch ihr Inhalt,
nämlich der zu erklärende Gegenstand. Für Interessierte, die Theorie
Sozialer Arbeit verstehen wollen, ist der Sachverhalt in der Folge so
zu sehen, dass sie sich einem unübersichtlichen Geflecht von
Äußerungen gegenüber sehen.
Theorie vs. Denkansatz
Deutlich zu machen ist das Gemeinsame und der Unterschied zwischen
Theorie Sozialer Arbeit und einem Denkansatz. Gemeinsam ist dem
Denkansatz und der Theorie, dass sie gesellschaftliches Wissen in
sich tragen. Für einen Denkansatz ist allerdings die Reichweite des
Wissens, seine Belastbarkeit und Güte ungeklärt. Auf den Punkt
gebracht: Für einen Denkansatz gibt es wenig Regeln, die bei seiner
Entfaltung beachtet werden müssen. Was daran gesichertes und
verlässliches Wissen ist, kann man nicht abgrenzen von Annahmen,
Meinungen und Vermutungen. Die ‚Beweislast‘ dreht sich dabei um:
Nicht die AutorInnen solcher Denkansätze müssen ein geordnetes,
gesichertes und belastbares Wissen liefern, vielmehr müssen die
RezipientInnen der Denkansätze versuchen, daraus ‚das Beste zu
machen‘.
Definition von Theorie Sozialer Arbeit
Theorie Sozialer Arbeit ist als der besondere Fall von Theorie im
Allgemeinen zu sehen: Theorie ist die komprimierte Darstellung des
gesellschaftlichen Wissens zu einem Gegenstand. Theorie kann erst
dann als Theorie bezeichnet werden, wenn mit ihr ein logisch
nachvollziehbares und stringentes Verständnis des erklärten
Gegenstands und seiner historischen Gewordenheit möglich ist. Theorie
muss den wissenschaftlichen Ansprüchen nach Exaktheit im Aufbau und
nach Überprüfbarkeit ihrer Aussagen genügen. Theorie ist die Form des
gesellschaftlichen Wissens, das wissenschaftlich qualifiziert - also:
überprüft und nachvollziehbar - einen Gegenstand aufschlüsselt und
erklärt.
Theorie ist, zum Zeitpunkt der Theoriebildung, an der Grenze zwischen
dem gesellschaftlich Bekannten und dem Unbekannten angesiedelt.
Theorie ist keine Wiederholung von Geläufigem, sondern der Vorstoß
ins Neuland: Es hätte keinen erkennbaren Sinn, wenn eine (neue)
Theorie nur Altes rekapitulieren würde. Theorie sucht im Sinne der
Dialektik den Bestand menschlichen Wissens voranzutreiben, versucht
die Erhellung des Unbekannten. Gleichzeitig versammelt Theorie das
bekannte Wissen zu einem Gegenstand und nimmt das als gesicherten
Ausgangspunkt für die Ergründung des Unbekannten. Theorie ist keine
Spekulation, sondern die Entfaltung von Wissen.
Theorie Sozialer Arbeit realisiert einen Erkenntnisweg vom Abstrakten
zum Konkreten, der von der wissenschaftstheoretischen Rahmung bis
hin zur professionellen Praxis Sozialer Arbeit führen muss. Theorie
Sozialer Arbeit muss damit bestimmte Bestandteile und Merkmale
aufweisen, um der Aufgabe gerecht zu werden, gesichertes und
überprüftes Wissen für die Soziale Arbeit zur Verfügung stellen zu
können.
Verstehen
Verstehen ist - kurz gesagt - der Aufschluss der verallgemeinerten
Gegenstandsbedeutung eines Gegenstands. Vor dem Verstehen ist diese
Gegenstandsbedeutung noch nicht zugänglich, durch das Verstehen ist
sie nutzbar. Verstehen ist damit der logische und gezielte
Nachvollzug der Gegenstandsbedeutung, ist abzuheben von Annäherungen
an einen Gegenstand durch Versuch und das Erkennen von Irrtümern.
Verstehen ist gebunden an Subjekte: Gegenstandsbedeutungen werden
gesellschaftlich weitergegeben,
verstanden werden sie von Subjekten. Verstehen ist immer ein Vorgang
gnostischen Erkennens der Welt, der nur von Subjekten durchgeführt
werden kann.
Restriktives vs. Verallgemeinertes Verstehen
Verstehen weist weiterhin Richtungsbestimmungen auf, die idealtypisch
so gegenüber gestellt werden können: Verstehen kann restriktiv oder
verallgemeinert ausfallen. Restriktives Verstehen vollzieht sich in
vorgegebenen Grenzen, die dabei hingenommen werden. Man richtet sich
schon während des Verstehens in diesen Grenzen ein, setzt solche
Begrenzungen konkurrenzförmig gegen andere Menschen ein. Erläuternd
gesagt: Wenn man nur einen Teil einer Gegenstandsbedeutung versteht
oder verdeckt, dass man mehr verstanden hat, als man nach außen
zeigt, kann man sich damit unter Umständen Konflikte ersparen; das
bliebe allerdings im Segment des restriktiven Verstehens. Möglich ist
aber auch verallgemeinertes Verstehen, das Grenzen des Verstehens
sowohl für sich selbst als auch gemeinsam mit anderen Menschen
überwinden will. Wenn man beim Verstehen Neuland betritt und das zu
erkennen gibt, kann das Konflikte auslösen; man hat aber, kategorial
gesehen, etwas verallgemeinert verstanden.
Theorie Sozialer Arbeit verstehen
Verstehen ist die Übernahme und Bewertung von gesellschaftlichem
Wissen vom Subjektstandpunkt aus. Die allgemeine und hergeleitete
Bestimmung von Verstehen gilt für jede Art von Verstehen, unabhängig
auch vom Gegenstand des Verstehens. Ein Hammer ist als Träger einer
Gegenstandsbedeutung und darin eingehenden gesellschaftlichen Wissens
zu verstehen, ebenso gilt das für Theorie Sozialer Arbeit: Theorie
Sozialer Arbeit ist gesellschaftliches Wissen über den Gegenstand
Sozialer Arbeit, das im Prozess des Verstehens vom Subjektstandpunkt
aus übernommen und bewertet wird; weiter leitet Theorie Sozialer
Arbeit auch die professionelle Praxis Sozialer Arbeit. Verstehen von
Theorie Sozialer Arbeit kann genau so wenig wie jedes andere
Verstehen normiert oder immer gleich sein, Verstehen von Theorie
Sozialer Arbeit muss in jedem Fall, der Vielfältigkeit von
Subjektivität entsprechend, etwas anders ausfallen. Nicht übersehen
werden sollte dabei die Richtungsbestimmtheit von Verstehen: Auch das
Verstehen von Theorie Sozialer Arbeit kann restriktiv oder
verallgemeinert ausfallen. Das Verstehen von Theorie Sozialer Arbeit
kann sich im Vorgegebenen einrichten oder Grenzen des eigenen
Möglichkeitsraums über Verstehen erweitern.
Das Buch mit dem Titel "Theorie Sozialer Arbeit verstehen. Ein
Vademecum", Bringfriede Scheu und Otger Autrata, erscheint in der
Reihe "Forschung, Innovation und Soziale Arbeit" beim Springer
VS-Verlag. Das Buch ist auch als eBook erhältlich.
Buchpräsentation "Theorie Sozialer Arbeit verstehen. Ein Vademecum"
Am 19.06.2015 wird um 16:00 Uhr das neue Buch von Bringfriede Scheu,
Studiengang Soziale Arbeit, und Otger Autrata, Leiter des
Forschungsinstituts RISS und Privatdozent an der Universität
Osnabrück, am FH Kärnten-Standort Feldkirchen öffentlich
vorgestellt.
Die Laudatio zum Buch "Theorie Sozialer Arbeit verstehen. Ein
Vademecum" wird Herr Mag. Heinz Pichler, Arbeiterkammer Kärnten,
halten.
Datum: 19.6.2015, 16:00 - 18:00 Uhr
Ort: FH Kärnten Standort Feldkirchen
Hauptplatz 12, 9560 Feldkirchen
Url: http://www.fh-kaernten.at/aktuelles/newsdetails/article/einladung-zur-buchpraesentation-theorie-sozialer-arbeit-verstehen.htmlOTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | FTK






