• 08.06.2015, 13:35:10
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ÖÄK-Wechselberger: Patientenanwalt Bachinger fehlt Sachkenntnis

Ärztliche Hausapotheken notwendig für flächendeckende Medikamentenversorgung

Utl.: Ärztliche Hausapotheken notwendig für flächendeckende
Medikamentenversorgung =

Wien (OTS) - Die jüngsten medialen Aussagen von Patientenanwalt
Gerald Bachinger seien ein "entbehrliches und peinliches Zeichen von
Unkenntnis über die Zusammenhänge und Bedürfnisse in der
österreichischen Gesundheitsversorgung". Das sagte der Präsident der
Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger, Montag in
einer ersten Reaktion auf Bachinger, der unter anderem den Ersatz der
ärztlichen Hausapotheken durch Zustelldienste als probate
Problemlösung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum
vorgeschlagen hatte. Der Patientenanwalt habe offenkundig keine
Vorstellung davon, welche Bedürfnisse die 3,6 Millionen
Österreicherinnen und Österreicher in kleinen Gemeinden hätten und
wie man diese wirksam befriedigen könne.

Bachingers Vorschlag, die über 800 ärztlichen Hausapotheken durch
einen Zustelldienst der öffentlichen Apotheken zu ersetzen, ignoriere
Bevölkerungswünsche und Realität, so Wechselberger. Gerade die
oftmals ältere und immobile Bevölkerung auf dem Land brauche neben
der persönlichen Betreuung und Beratung durch den Arzt kurze Wege, um
rasch und unmittelbar zu den benötigten Medikamenten zu kommen, so
der Ärztepräsident. Ebenso unrichtig sei Bachingers Verweis auf
Deutschland, wo dieses Modell angeblich funktioniere. Wechselberger:
"In Deutschland gibt es keinen Gebietsschutz und daher fast doppelt
so viele öffentliche Apotheken pro Einwohner wie in Österreich. In
der Schweiz gibt es zudem ärztliche Hausapotheken wie in Österreich."
Wenn Bachinger öffentlich internationale Standards für Österreichs
Gesundheitsversorgung einfordere, dann sollte er sich vorher
erkundigen, wie diese Standards aussehen, sagte Wechselberger.

Das gelte auch für die geplanten Primärversorgungsmodelle. Wie
Bachinger fordere die Ärztekammer internationale Standards der
medizinischen Grundversorgung, jedoch müssten die Ausgangssituationen
hinsichtlich Demografie, Topografie, Organisationsvorgaben und auch
Mentalität der Bevölkerung mit Österreich vergleichbar sein. "Und das
sind für uns Deutschland und die Schweiz und nicht Skandinavien, wo
die Politik immer wieder hinschiele."

Zuletzt wies der höchste Ärzterepräsentant den Patientenanwalt darauf
hin, dass es in Österreich sehr wohl Ärztemangel im
versorgungsrelevanten kassenärztlichen Bereich gebe: "Wir haben zwar
eine relativ hohe Ärztedichte, doch zu wenige Kassenärzte, was an den
unattraktiven, zunehmend bürokratischen Arbeitsbedingungen und
überalterten Leistungskatalogen liegt." Ein Beispiel aus
Wechselbergers Tiroler Heimat: Statt zwei Allgemeinmedizinern mit
Hausapotheke in Wildschönau gibt es dort nach der Eröffnung einer
neuen öffentlichen Apotheke, die die ärztliche Hausapotheke
verdrängte, gar keinen Arzt für mehr als 4000 Einwohner. (ar)

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