• 29.05.2015, 22:21:41
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 30. Mai 2015. Von MARIO ZENHÄUSERN. "SPÖ hofft auf Voves".

Innsbruck (OTS) - Bei den Landtagswahlen am Sonntag geht es auch um
die Bundespolitik: Verdrängt die ÖVP in der Steiermark die SPÖ von
der Spitze, erhöht das den Druck auf Bundeskanzler Faymann und Wiens
Bürgermeister Häupl.

Am Sonntag finden im Burgenland und in der Steiermark Landtagswahlen
statt. Dass sich an der grundlegenden politischen Ausrichtung beider
Länder etwas ändert, wie zuletzt zum Beispiel in Tirol, ist nicht zu
erwarten. Im Gegenteil. Im Burgenland kämpft die SPÖ zwar um das 18.
Landtagsmandat, das so wie bisher keine Mehrheit gegen sie zulassen
würde. An Landeshauptmann Hans Niessl wird aber auch nach dieser Wahl
kein Weg vorbeiführen. Und in der Steiermark wird das Duo Franz Voves
(SPÖ) und Hermann Schützenhöfer (ÖVP) für den Mut zu weit reichenden
Reformen in der abgelaufenen Legislaturperiode bezahlen und Stimmen
verlieren. So wie’s ausschaut, werden sich die Verluste aber in
Grenzen halten. Voves und Schützenhöfer werden weiter das Tandem an
der Regierungsspitze geben. Unklar ist lediglich, wer vorne sitzt.
Bisher hatte Franz Voves die Nase vorne, wenn auch nur knapp.
Schützenhöfers forsche Ansagen rund um das Thema Bankgeheimnis
dürften ihm allerdings nicht nur ÖVP-intern Punkte gebracht, sondern
auch den einen oder anderen früher verprellten Wähler ins schwarze
Lager zurückgeholt haben.
Einen richtigen Wahl-Kampf liefern sich die Freunde Voves und
Schützenhöfer nicht. Die Entscheidung, wer neuer Landeshauptmann der
Steiermark wird, beinhaltet aber trotzdem einige Brisanz, in erster
Linie ob ihrer bundespolitischen Auswirkungen. Sollte nämlich die ÖVP
tatsächlich vorne liegen und die SPÖ nach zehn Jahren vom
Landeshauptmann-Sessel verdrängen, stärkt das die ÖVP auf Bundesebene
und erhöht gleichzeitig den Druck auf SPÖ-Chef Bundeskanzler Werner
Faymann und Wiens Bürgermeister Michael Häupl. Der nämlich muss sich
Mitte Oktober der Wahl stellen. Die Meinungsumfragen sagen ihm alles
andere als ein gutes Ergebnis voraus.
Die SPÖ kann es sich aber nicht leisten, ausgerechnet im roten Wien
an Boden zu verlieren. Schon gar nicht, wenn zuvor in der Steiermark
der Landeshauptmann-Sessel verlorengegangen ist. Deshalb ruhen die
roten Hoffnungen am Sonntag auf Franz Voves. Dass ausgerechnet der
bekannt kritische Steirer, der im Wahlkampf ganz bewusst auf die
Schützenhilfe von Parteichef Faymann verzichtete, jetzt dafür sorgen
soll, dass dieser fest im Sattel bleibt, entbehrt nicht einer
gewissen Pikanterie. Denn dass Faymann wackelt, wenn die Steiermark
verlorengeht und sich gleichzeitig die Umfragen in Wien nicht
nachhaltig bessern, liegt auf der Hand.

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