• 28.05.2015, 12:36:39
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Ex-Moskau-Korrespondent des ORF Dr. Franz Kössler referierte bei AK-Vollversammlung über Ukraine-Krise

3. Vollversammlung der XV. Funktionsperiode

Utl.: 3. Vollversammlung der XV. Funktionsperiode =

Linz (OTS) - Die letzten Jahre der Sowjetunion hat Dr. Franz Kössler
als ORF-Korrespondent in Moskau erlebt, die danach folgenden
politischen Umwälzungen kommentierte er von Washington aus. Bei der
AK-Vollversammlung in Linz referierte der nach wie vor journalistisch
tätige Robert-Hochner-Preisträger zum Thema "Die Ukraine und die EU -
Droht ein neuer kalter Krieg?" Sein Fazit: "Ein Patentrezept zur
Lösung der Krise gibt es nicht."

"Wir leben am Rande eines Krieges, der sehr nah ist", stellte Kössler
fest und überraschte die anwesenden Kammerrätinnen und Kammerräte mit
der Tatsache, dass es von Wien bis zur ukrainischen Grenze näher sei
als von Wien nach Bregenz. Das Säbelrasseln sowohl aus Seiten
Russlands als auch auf Seiten der NATO sei kaum zu überhören, immer
öfter würden in Militärmanövern Kriegsszenarien durchgespielt.

Die Schuldfrage sei schwer zu klären: Die Maidan-Bewegung sei vom
Westen organisiert gewesen und zudem von extremistischen Kräften
durchsetzt, sagen die einen. Dass mit der Annektion der Krim
Völkerrecht verletzt wurde, sei wohl unbestritten, doch die
NATO-Osterweiterung und die Annäherung der Ukraine an die EU hätten
Russlands Sicherheitsbedürfnis verletzt, argumentieren die anderen.
Handfeste wirtschaftliche Interessen auf beiden Seiten - so führen
viele russische Gas-Pipelines nach Europa durch die Ukraine - und
Russlands Selbstbild als bedrohte Weltmacht seien weitere Zutaten
für eine hochexplosive Gemengelage.

Was in Europa nach dem Zerfall der Sowjetunion als
Demokratisierungsprozess gesehen worden sei, sei in Russland als
Verfall und Demütigung wahrgenommen worden, sagte Kössler. Auf der
anderen Seite sei es ein gefährliches Spiel mit dem Feuer, wenn ein
Mann wie Stepan Bandera, der im zweiten Weltkrieg an der Seite von
Hitler-Deutschland gegen Russland gekämpft habe, jetzt in der Ukraine
als Nationalheld gefeiert wird.

Franz Kössler schilderte drei Möglichkeiten für eine Lösung der
Krise: erstens eine militärische, was zum Glück derzeit für niemanden
als gangbare Option erscheint. Zweitens ein Sich-Abfinden mit der
Krim als Teil Russlands und einer bündnisfreien Ukraine. Das setze
allerdings ein besseres Vertrauensverhältnis zu Putin voraus. Und
drittens die Option, die derzeit am Zug ist - Wirtschaftssanktionen.
Diese träfen allerdings die Bevölkerung und hätten bei der Regierung
bisher kein Umdenken bewirkt.

"Wir brauchen eine neue Sicherheitsstruktur, die auf die Ängste
Polens und der baltischen Staaten vor weiteren Übergriffen Russlands
ebenso Rücksicht nimmt wie auf das Sicherheitsbedürfnis Russlands,
das sich zunehmend eingekesselt sieht", sagte Kössler abschließend.
All diese Bedürfnisse auf einen Nenner zu bringen, sei nicht leicht,
müsse aber Gegenstand diplomatischer Bemühungen sein

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