- 28.05.2015, 11:00:16
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Zivilcourage: Wie hilft Österreich?

Wien (OTS) - Ein brennendes Auto auf der Autobahn oder ein
Motorradunfall auf der Landstraße - im Alltag kommt es immer wieder
zu Situationen, in welchen Zivilcourage gefordert ist. Anderen
Menschen in einer Notsituation hilfreich zur Seite zu stehen ist in
Österreich aber immer noch keine Selbstverständlichkeit. Bei einer
gemeinsamen Pressekonferenz zeigten Experten des KFV (Kuratorium für
Verkehrssicherheit) und der österreichischen Brandverhütungsstellen
gängige Gefahren auf und informierten über einfache Hilfs- und
Rettungsmaßnahmen.
Im Jahr 2014 wurden bei Verkehrsunfällen mehr als 47.000 Personen
verletzt. Diese Zahlen machen deutlich: Unfälle sind keine Seltenheit
und jeder Mensch kann in eine Situation kommen in der er Hilfe
benötigt. Oft jedoch schrecken im Straßenverkehr Autofahrer vor
Hilfeleistungen zurück und wertvolle Zeit - die über Leben und Tod
entscheiden kann - verstreicht. "Viele Menschen haben Angst, etwas
falsch zu machen und greifen nicht ein. Allerdings ist der größte
Fehler, den man in einer Notsituation machen kann, nichts zu tun und
abzuwarten, dass andere etwas unternehmen", so Dr. Armin Kaltenegger,
Leiter des Bereiches Recht & Normen im KFV. Studien zeigen, dass man
davon ausgehen kann, dass 8 von 10 Personen bei einem Unfall keine
Hilfestellung leisten. "Eine aktuell im Vormonat durchgeführte
Erhebung des KFV macht deutlich, dass fast ein Viertel der Befragten
nicht weiß, dass es eine Pflicht zur Hilfeleistung gibt. Auch sind
die befragten Österreicher nicht besonders optimistisch bei einem
Unfall wirklich Hilfe zu bekommen: Nur 5 Prozent der Befragten sind
sich wirklich ganz sicher, dass ihnen z.B. im Falle eines
Fahrzeugbrandes geholfen werden würde."
Fahrzeugbrände: Feuerlöscher als Lebensretter
Im Durchschnitt passiert es in Österreich drei bis fünf Mal pro Tag,
dass ein Fahrzeug in Flammen aufgeht - das sind jährlich rund 1.500
Fahrzeugbrände. Kaum einer dieser Fahrzeugbrände müsste jedoch im
vollständigen Ausbrennen des Autos münden. Denn im Regelfall dauert
es zehn bis fünfzehn Minuten, bis ein PKW in Vollbrand steht. Zu
wenig Zeit also, um auf das Eintreffen der Feuerwehr zu warten.
Genügend Zeit hingegen, um das Fahrzeug zu verlassen, die Insassen in
Sicherheit zu bringen, die Feuerwehr zu alarmieren und mit ersten
Löschversuchen zu beginnen - vorausgesetzt, man ist selbst mit einem
Autofeuerlöscher ausgestattet oder es gibt genügend andere
Fahrzeuglenker, die mit ihrem eigenen Feuerlöscher zu Hilfe eilen.
"Jedes Fahrzeug sollte mit einem 2-kg-Pulverlöscher ausgestattet sein
und ebenso selbstverständlich mitgeführt werden wie der
Verbandskasten, das Pannendreieck oder die Warnweste. Denn je mehr
Fahrzeuge mit einem Autofeuerlöscher ausgestattet sind, umso eher
kann man im Brandfall auf die Hilfe anderer Verkehrsteilnehmer
hoffen. Und je mehr Autofeuerlöscher für die Brandbekämpfung zur
Verfügung stehen, umso leichter kann der Autobrand bereits im
Anfangsstadium gelöscht werden. In der Praxis geht es also weniger
darum, den eigenen Fahrzeugbrand zu löschen, als vielmehr anderen
Verkehrsteilnehmern zu Hilfe eilen zu können", erklärt Dr. Arthur
Eisenbeiss, Direktor der BVS-Brandverhütungsstelle für OÖ und
Sprecher der österreichischen Brandverhütungsstellen.
Keine Angst zu helfen
Dass man sich als Helfer beim Löschen eines Autobrandes in eine
besondere Gefahrensituation begeben könnte, ist aufgrund der
vielfältigen Erfahrungen der BVS-Brandverhütungsstelle für
Oberösterreich nicht zu befürchten: "Auto-Explosionen kommen
praktisch nur in Hollywood-Filmen vor. Bei einem beginnenden
PKW-Brand - häufig hervorgerufen durch einen elektrischen Defekt -
gibt es kaum einen Grund, sich vor einer Explosion des
Kraftstoff-Tanks zu fürchten", so Eisenbeiss. Zu einem
explosionsähnlichen Abbrand kommt es praktisch nur bei undichter
Treibstoffleitung. Zu gebührender Vorsicht sei laut Eisenbeiss
deshalb nur dann geraten, wenn es in der Nähe eines Unfallfahrzeugs
nach Benzin riecht, das Auto aber nicht brennt. "In diesem Fall kann
eine kleine Zündquelle genügen und die ausgetretenen
Treibstoff-Dämpfe geraten in Brand." Üblicherweise beschränke sich
der Einsatz von Handfeuerlöschern ohnehin auf Brände im
Anfangsstadium. Steht ein Fahrzeug erst einmal in Vollbrand, könne
dieser nur mehr von der Feuerwehr gelöscht werden. Damit es gar nicht
so weit kommt, ist es wichtig, den Entstehungsbrand möglichst
frühzeitig zu bekämpfen.
Erste Hilfe bei Autounfällen - wie geht man vor?
"Kommt man zu einer Unfallstelle mit Verletzten, ist man
verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Zuallererst gilt es,
lebensrettende Sofortmaßnahmen einzuleiten. Dazu zählen das Absichern
der Unfallstelle und das Bergen der Verletzten. Bei Bewusstlosigkeit
mit vorhandener Atmung und Kreislauf ist der Verletzte in eine
stabile Seitenlage zu bringen. Bei Stillstand von Atmung und Kreisen
muss sofort mit Herzdruckmassage und Beatmung begonnen werden",
erklärt Kaltenegger. Blutende Wunden müssen gestillt und Maßnahmen
zur Schockbekämpfung gesetzt werden. Im zweiten Schritt ist ein
Notruf abzusetzen. Dabei sind die Fragen nach dem Wo?, Was?, Wie
viele?, Wer ruft an? zu beantworten. Bis zum Eintreffen der
Rettungskräfte gilt es, Wunden zu versorgen, Wärme zu spenden und
tröstenden Zuspruch zu leisten.
Sollte das Fahrzeug in Brand geraten und Lenker sowie Mitfahrer
eingeklemmt sein und daher nicht geborgen werden können, müssen Türen
und Fenster des Fahrzeuges - je nach Möglichkeit - geöffnet oder
eingeschlagen werden, damit eingeklemmte Unfallopfer nicht ersticken.
Beim Löschversuch sollte die Motorhaube vorsichtig (Achtung
Verbrennungsgefahr!) und nur wenige Zentimeter geöffnet werden. Erst
wenn man nahe genug am Feuer ist, sollte man die Flammen mit kurzen,
gezielten Stößen löschen. Nach Möglichkeit sollte ein Rest an
Löschmittel zurückbehalten werden, um allfällige Rückzündungen
bekämpfen zu können. Lässt sich z. B. nach einem Unfall die
Motorhaube nicht mehr öffnen, so kann der Löschstrahl (je nach Lage
und Fahrzeugtyp) von der Bodenseite her oder über die Öffnungen des
Fahrzeugkühlers in den Motorraum gerichtet werden.
Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/6718
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