- 27.05.2015, 12:23:42
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Fachverband: „Rotes Licht“ für Arbeiterkammer-Test von Babynahrung
Koßdorff: Die „Lebensmittel-Ampel“ ist und bleibt ein Irrlicht für die Konsumenten
Utl.: Koßdorff: Die „Lebensmittel-Ampel“ ist und bleibt ein Irrlicht
für die Konsumenten =
Wien (OTS) - Der jüngste Test der Arbeiterkammer Oberösterreich zu
Babybrei und -keksen hat es in sich: Statt hilfreichen, geprüften
Fakten für Konsumenten liefert er falsche Informationen bezüglich
Zucker und holt darüber hinaus die "Lebensmittel-Ampel" wieder aus
dem Archiv hervor, kritisiert der Fachverband der
Lebensmittelindustrie. Die Ampel wurde schon vor Jahren europaweit
ausführlich diskutiert und aus sachlichen Gründen abgelehnt. "Seit
Dezember 2014 gilt die Lebensmittelinformationsverordnung der EU. Sie
bringt für die Konsumenten in ganz Europa noch mehr Information über
Lebensmittel auf der Verpackung, ua über die Nährwerte wie Zucker
oder Fett. Alte Konzepte wie die ‚Ampel‘ zu diskutieren, ist daher
verzichtbar. Denn die ‚Ampel‘ ist und bleibt ein Irrlicht für den
Konsumenten", stellt Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des
Fachverbandes der österreichischen Lebensmittelindustrie, klar.
Ernährung funktioniert nicht wie Straßenverkehr
Im Straßenverkehr steht "Rot" für "Stopp", bei Lebensmitteln würde
"Rot" laut "Ampel"-Modell aber (nur) "Achtung" heißen. Somit könnten
Verbraucherinnen und Verbraucher fälschlicherweise annehmen,
Lebensmittel seien gefährlich. Es gibt aber keine "guten" oder
"schlechten" Lebensmittel, sondern nur eine mehr oder weniger
ausgewogene Ernährung. Die Ursachen für Übergewicht sind
vielschichtig (ua mangelnde Bewegung, persönlicher Lebensstil,
Arbeits- und Familienstruktur). Die Vereinfachung dieser komplexen
Zusammenhänge durch Bewertung individueller Lebensmittel allein
mittels "Ampel" ist nicht nur unwissenschaftlich, vor allem führt sie
die Konsumenten in die Irre. Die Hersteller unterstützen daher klare
und unmissverständliche Angaben über Lebensmittel, etwa Richtwerte
zur Tageszufuhr in der Nährwerttabelle auf Verpackungen.
AK-Test mangelhaft
Die Arbeiterkammer geht in ihrer Berechnung von Pulver statt von der
mit Wasser zubereiteten Mahlzeit aus. Das geht freilich an der
Realität vorbei, da nie das Pulver als solches verzehrt wird, sondern
stets die zubereitete Mahlzeit. Bezieht man alle Angaben korrekt auf
100 Gramm zubereiteten Brei, sind darin etwa 8 bis 10 Gramm Zucker
enthalten. Zum Vergleich: Muttermilch enthält etwa 7 Gramm, ein
selbst zubereiteter Milchbrei mit einer Banane rund 12 Gramm Zucker.
Babybreie als "Zuckerbomben" zu bezeichnen, ist daher blanker
Alarmismus statt seriöse Fachinformation. Die Angaben der
Arbeiterkammer wurden nach entsprechenden Hinweisen der Hersteller in
der Zwischenzeit in einigen Punkten korrigiert. So sind zB Prebiotika
in Form von langkettigen Oligosacchariden enthalten (Galacto- und
Fructooligosaccharide). Sie fördern die Darmflora und fungieren als
Ballaststoff. Die Bezeichnung als "zugesetzte Zuckerverbindungen" ist
daher unrichtig.
Kekse: Knabberprodukte für Babys müssen sich im Mund schnell
auflösen, damit sie von den Kindern leicht geschluckt werden können.
Daher ist eine mürbe Konsistenz für babygerechte Kekse zwingend
notwendig. Babykekse mit herkömmlichen Butterkeksen zu vergleichen,
ist folglich sachlich unrichtig. Beim Verzehr von 10 Stück Keksen
werden rund 5 Gramm Zucker aufgenommen, sodass selbst nach
AK-Berechnungen noch ca. 10 Gramm von den genannten 14,9 Gramm pro
Tag aus anderen Quellen wie Früchten kommen können, ohne die
Energiebilanz aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Aromen: Zur Abrundung des Geschmacks enthalten einige Produkte
natürliche Frucht- und Kräuterextrakte wie Vanilleextrakt, das zu 100
% aus der Vanilleschote selbst stammt. Auch bei selbst zubereitetem
Milchbrei geben Mütter häufig einen Hauch Vanille oder Zimt dazu, um
den Geschmack abzurunden.
Koßdorff abschließend: "Der Test der Arbeiterkammer Oberösterreich
ist sowohl methodisch als auch fachlich in mehreren Punkten
mangelhaft und daher irreführend. Für eine fundierte
Verbraucherinformation wäre es daher wünschenswert, Testergebnisse
künftig vor ihrer Veröffentlichung streng auf Plausibilität zu
kontrollieren."
Stellenwert der Lebensmittelindustrie in Österreich
Die Lebensmittelindustrie ist eine der größten Branchen Österreichs.
Sie sichert im Interesse der Konsumenten tagtäglich die Versorgung
mit sicheren, qualitativen und leistbaren Lebensmitteln. Die rund 200
Unternehmen mit ihren 26.000 Beschäftigten erwirtschafteten im Jahr
2014 ein Produktionsvolumen von rund 8 Mrd. Euro. Über 60 % davon
werden in 180 Länder rund um den Globus exportiert. Der Fachverband
unterstützt seine Mitglieder durch Information, Beratung und
internationale Vernetzung.
Weitere Informationen:
forum. ernährung heute: www.forum-ernaehrung.at
Deutscher Diätverband: www.diaetverband.de
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