• 22.05.2015, 12:56:14
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Kärnten: Fresach will Europäisches Toleranzzentrum werden

BP Fischer und LH Kaiser bei Eröffnung der ersten europäischen Toleranzgespräche – Begriff Toleranz im Mittelpunkt zeitgenössischer Überlegungen

Utl.: BP Fischer und LH Kaiser bei Eröffnung der ersten europäischen
Toleranzgespräche – Begriff Toleranz im Mittelpunkt
zeitgenössischer Überlegungen =

Klagenfurt (OTS/LPD) - Bei einem Empfang in Villach wurden gestern,
Donnerstag, die Europäischen Toleranzgespräche 2015 von
Bundespräsident Heinz Fischer eröffnet. Landeshauptmann Peter Kaiser
und Villachs Bürgermeister Günther Albel konnten 20 Denker,
Philosophen und Wissenschaftler begrüßen. Die Gespräche selbst finden
ab heute, Freitag, unter der Patronanz des P.E.N.-Club Austria und
der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt in Fresach statt. Gastgeber
der dreitägigen Veranstaltung ist der Denk.Raum.Fresach, ein
unabhängiger Verein für Toleranz und Integration in Europa. Im Rahmen
der international besetzten Veranstaltung unter dem Motto "Wie weit
geht Toleranz? Aufgaben für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft"
werden zentrale Themen der aktuellen sozialen und politischen Krise
beleuchtet. Hierzu kommen Sozialwissenschaftler ebenso wie
Schriftsteller, Theologen und Ökonomen zu Wort.

Bei der heutigen Eröffnung in Fresach machte Bundespräsident
Fischer einen Exkurs zur Entwicklung des Begriffs Toleranz. Schon
Sokrates sei für das Gute und Gerechte eingetreten, so Fischer. "Man
braucht Kraft zur Selbstkritik und muss sich selbst in Frage stellen,
die Meinung des Gegenübers ernst nehmen und sich damit
auseinandersetzen." Sokrates habe damit eine eindeutige Gegenposition
zum Despotismus formuliert. "Die Akzeptanz des Prinzips
weltanschaulicher Toleranz ist ohne Demokratie und pluralistischer
Gesellschaft nicht möglich." Toleranz sei ein Lebensprinzip, eine
Haltung, eine Lebensweisheit. Andere Lebensentwürfe müssten
akzeptiert werden. "Das Zusammenleben wird erleichtert mit Rücksicht
auf den Nächsten, den Übernächsten und den noch weiter weg
Befindlichen", so der Bundespräsident. Fischer dankte den
Organisatoren und wünschte nicht nur der Premiere in Fresach ein
gutes Gelingen, sondern vor allem eine erfolgreiche Fortsetzung in
den kommenden Jahren.

"Der Denk.Raum.Fresach ist ein mutiges Zeichen und dass die
Toleranzgespräche in unserem Bundesland stattfinden, lässt Kärnten
zukunftsorientiert im Gespräch sein", sagte der Landeshauptmann. Im
Laufe der Geschichte habe es einen Wandel des Begriffs Toleranz
gegeben. "Toleranz ist Akzeptanz des Anderen. Es muss ein Verstehen,
eine rationelle Akzeptanz dessen sein, dass etwas anders sein darf,
sein kann und sein muss." Toleranz sei untrennbar mit dem Begriff
Freiheit verbunden, denn Intoleranz sei Unfreiheit. Intoleranz habe
weltweite Auswirkungen, wie beispielsweise der Bürgerkrieg in Syrien
auch auf Kärnten. Toleranz sei auch unmittelbar verbunden mit der
Staatsform Demokratie. Kaiser zitierte Bruno Kreisky, der gesagt hat,
dass sich die Qualität einer Gesellschaft in der Behandlung ihrer
Minderheiten zeige. "Sind wir nicht alle Minderheit und glücklich,
wenn Toleranz eine aktive Haltung ist." Den Toleranzgesprächen in
Fresach wünschte der Landeshauptmann gutes Gelingen und eine
Fortsetzung im Sinne der Menschen dieses Landes, von Europa und
überall auf der Welt.

"Toleranz ist Menschlichkeit überhaupt", sagte Superintendent
Manfred Sauer in seiner Begrüßungsrede. Der Denk.Raum.Fresach wolle
Toleranz in den Mittelpunkt zeitgenössischer Überlegungen stellen und
habe die ersten europäischen Toleranzgespräche auf den Weg gebracht.
"Die Anwesenheit so vieler Ehrengäste gibt Anerkennung, Motivation
und Ermutigung, dieses faszinierende Projekt weiter zu betreiben."

Hannes Swoboda, Präsident des Kuratoriums Denk.Raum.Fresach,
verwies auf zwei inhaltliche Punkte von großer Aktualität: "Ideen und
Religionen darf man nie an jenen messen, die diese missbrauchen,
sondern man muss immer auf den Kern schauen." Und in Bezug auf das
aktuelle Flüchtlingsproblem sagte er, dass illegale Migration
zurückgehen würde, wenn legale Wege geöffnet werden würden. In diesem
Sinne habe man die Fresacher Erklärung verfasst.

Das neue Dialogforum Denk.Raum.Fresach ist eine Initiative für
Europa und für die Alpen-Adria-Region. Toleranz braucht Mut,
Entschlossenheit und das öffentliche Eintreten für jene, die am Rand
stehen - In diesem Sinne will der Denk.Raum.Fresach einen Beitrag
leisten, um der Intoleranz entgegenzutreten. Das neugegründete Forum
soll Fresach als Ort für den europäischen Dialog über Toleranz,
Integration und Menschenrechte etablieren.

Für die Toleranzgespräche wurde eine 50-prozentige Frauenquote
festgelegt. Zu Wort kommen unter anderen die Sozialanthropologin
Christa Markom, die Sozialwissenschaftlerin Claudia Brunner, die
Nahost-Expertin Karin Kneissl, die Wernberger Ordensschwester
Maria-Andreas Weißbacher, die Bürgerrechtlerin Philo Ikonya aus
Kenia, die algerische Sprachwissenschaftlerin Zora Bouchentouf-Siagh,
Danica Purg von der Bled School of Management, der Schriftsteller
Alois Brandstetter, der deutsch-indische Autor Pravu Mazumdar oder
der iranisch-stämmige Sama Maani. Höhepunkt der Gespräche wird die
Verabschiedung der "Fresacher Erklärung zur Toleranz 2015" sein.

Unter den vielen Anwesenden waren unter anderen Landtagspräsident
Reinhart Rohr, Bischof Alois Schwarz, Michael Bünker, Bischof der
Evangelischen Kirche in Österreich, und Superintendentialkuratorin
Helli Thelesklaf, weiters EU-Abgeordneter Eugen Freund und Hubert
Stotter, Rektor der Diakonie de LaTour. Aus Anlass einer anderen
Verpflichtung wurde die Rede von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz
in Form einer Videobotschaft zugespielt.
(Schluss)

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