- 21.05.2015, 17:35:31
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Österreichs Zementindustrie: Jahresbilanz 2014 und Prognose 2015
Vertrauenskrise bremst Investitionen

Utl.: Vertrauenskrise bremst Investitionen =
Wien (OTS) - Trotz Wirtschaftswachstum der Eurozone stagniert die
österreichische Konjunktur. Die Ursachen dafür sind hausgemacht und
hemmen eine positive Entwicklung der heimischen Zementindustrie. "Die
Umsetzung des aktuellen Energieeffizienzgesetzes, Emissionshandels
und teurer Ökosteuern führt zu überbordendem Bürokratismus. Dieser
und der anhaltende politische Reformstau sind Grund für die deutliche
Verringerung der Investitionen in die Betriebe der Zementindustrie",
skizziert Mag. Rudolf Zrost, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung
der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) die aktuelle Situation.
Forschung zur Produktentwicklung und Unterstützung der Ausbildung von
Nachwuchskräften leisten einen wesentlichen Beitrag zur
Konkurrenzfähigkeit der Bauwirtschaft in Österreich. "Die Entwicklung
des Energiespeichers Beton ist weiter auf Erfolgskurs und gibt Anlass
zu neuen, äußerst spannenden Einsatzmöglichkeiten", ist DI Sebastian
Spaun, VÖZ Geschäftsführer, überzeugt.
Das Produktionsvolumen der neun österreichischen Zementwerke ist im
Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr mit 4,44 Millionen Tonnen (+1,1%) und
einem Umsatz von 372 Millionen Euro weitgehend stabil geblieben.
Allerdings reiht sich der Wert im Zehnjahresvergleich nur im hinteren
Drittel ein. Die Bruttowertschöpfung liegt mit 160 Millionen Euro im
Durchschnitt der letzten zehn Jahre. "Die Wertschöpfung und die
Schaffung von Arbeitsplätzen ist ein wichtiger Beitrag der
Zementindustrie, vor allem für ländliche Regionen", erläutert Zrost.
Im aktuell präsentierten Nachhaltigkeitsbericht 2014 der
Zementindustrie sind Zahlen, Daten und Fakten dazu transparent
dargestellt.
2015 keine Änderung in Sicht
Das Forschungsnetzwerk Euroconstruct prognostiziert der europäischen
Bauwirtschaft für 2015/2017 eine Erholung von rund 2 Prozent.
Österreich wird mit einem Wachstum der Bauwirtschaft von nur 1
Prozent 2015 und 1,3 Prozent 2016 beträchtlich unter dem
EU-Durchschnitt bleiben. Für 2015 erwartet sich Zrost keine positiven
Veränderungen, da es keine Zeichen für eine Änderung der politischen
und budgetären Situation gibt.
Sorgenkind ländlicher Raum
Bei Investitionen in die Infrastruktur wirkten sich, mit einem
starken Ost-West-Gefälle, vor allem Projekte der ÖBB und ASFINAG
positiv aus. Die Nachfrage aus dem Wohnbau hat 2014 auf geringem
Niveau zugenommen, konzentrierte sich aber auf den städtischen Raum
von Wien, Steiermark und Salzburg. Aus den ländlichen Regionen war
wenig Bautätigkeit zu verspüren. "Der ländliche Raum Österreichs wird
kaputt gespart. Es erfolgen kaum Investitionen. Weder im Wohnbau noch
im Bereich der Infrastruktur", sagt Zrost.
Vertrauenskrise bremst Investitionen
Die Zementindustrie investiert traditionell in ihre Anlagen,
insbesondere mit Umweltschutzmaßnahmen. Seit 2011 sind die
Investitionen deutlich rückläufig. Einer der Gründe ist in der
besonders guten, technologischen Ausbaustufe der Betriebe zu sehen,
aber die Stimmung unter den Unternehmern ist schlechter als die
wirtschaftliche Lage. Zrost: "In den Unternehmen findet sich eine
totale Vertrauenskrise gegenüber den politisch Verantwortlichen, und
so ist praktisch eine Investitionsverweigerung eingetreten." Eine
Ausnahme stellen die Umweltinvestitionen dar, diese sind um 16
Prozent gestiegen.
Kritik an Standortpolitik
Bildung, Innovation und Forschung sowie eine gut ausgebaute
Infrastruktur sind die bedeutendsten Standortfaktoren für die
Wettbewerbsfähigkeit von Betrieben. "Es ist hinlänglich bekannt, dass
Österreich kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem hat.
Aber es werden seit Jahren keine wirksamen Maßnahmen umgesetzt",
kritisiert Zrost. Der Staat müsse dringend das Vertrauen der
Unternehmen zurückgewinnen, fordert Zrost. Denn mit dem Steigen von
Investitionen, wachsen auch Konjunktur und Arbeitsplätze in der
Industrie.
Frauenanteil steigt kontinuierlich
Die österreichische Zementindustrie ist mit aktuell 1.197
Arbeitnehmern an elf Werkstandorten in acht Bundesländern ein
wichtiger Arbeit- und Impulsgeber der Regionen. Der Anteil der Frauen
lag 2014 bei 11,9 Prozent. Diese sind überwiegend in Stabsfunktionen,
Forschung und Entwicklung sowie in kaufmännischen und administrativen
Bereichen tätig. 93 Mitarbeiter sind im erweiterten Bereich Forschung
und Entwicklung beschäftigt.
Hinterfragen der Klima-, Energie- und Umweltpolitik
Umweltschutz und Energieeinsparungsmaßnahmen haben seit Jahrzehnten
einen besonders hohen Stellenwert in der Zementindustrie. "Wir dürfen
aber Umweltschutz, Wettbewerbsfähigkeit und soziale Sicherheit nicht
gegeneinander ausspielen", sorgt sich Spaun. Es sei nötig, in einem
europäischen Kontext zu denken. "Wir vermissen eine langfristige
Planbarkeit und vergleichbare Rahmenbedingungen", so Spaun weiter.
Kreislaufwirtschaft stößt an Grenzen
Betonabbruch wird zu 99 Prozent wiederverwertet und ist mit 2,4
Millionen Tonnen die größte Fraktion innerhalb der 5,8 Millionen
Tonnen aufbereiteter Abfälle aus dem Bauwesen. Schwerer zu verwerten
ist gemischter Bauschutt (2,2 Millionen Tonnen). Die Zementindustrie
nimmt davon 0,4 Millionen Tonnen mit hohem Ziegelanteil ab, um diesen
als Tonersatz zu nutzen. "Das sind hohe Verwertungsraten. Aber wir
dürfen nicht vergessen, dass Kreislaufwirtschaft Grenzen hat, denn
wir können damit lange nicht den Bedarf an Primärrohstoffen decken",
warnt Spaun. Bei einem jährlichen Bedarf von rund 120 Millionen
Tonnen an mineralischen Rohstoffen liegt der Output aus den
Baurestmassen bei etwa fünf Prozent. "Auch die stoffliche
Zusammensetzung ist entweder technisch nicht verwertbar oder
beeinflusst neue Produkte negativ in ihren Eigenschaften", erklärt
Spaun weiter. Die seitens EU verordneten, rein quantitativen
Recyclingquoten nehmen darauf keine Rücksicht.
Kontraproduktives Energieeffizienzgesetz
"Das aktuelle Energieeffizienzgesetz weist eine große Parallelität
zum Emissionshandelsgesetz auf. Denn Industriebetriebe, die aufgrund
von Investitionen bereits über hervorragende Kennzahlen verfügen, und
daher kein Einsparungspotenzial mehr haben, werden rigoros gegenüber
Unternehmen benachteiligt, die bisher noch keine Maßnahmen getroffen
und großes Minderungspotenzial haben", erklärt Spaun.
Energielieferanten fordern Ausgleichszahlungen ein, weil die
Zementbetriebe aufgrund des hohen Niveaus an Energieeffizienz keine
Minderungsmaßnahmen mehr übertragen können. "Während Deutschland
seine energieintensive Industrie von diesen Kosten befreit oder diese
deckelt, werden in Österreich die effizientesten Betriebe mit den
höchsten Kosten belastet, im Worst Case mit weiteren 4 Mio. Euro im
Jahr", sagt Spaun.
Reform Emissionshandel nötig
Innerhalb von 15 Jahren konnte der CO2 - Ausstoß je Tonne Zement um
13 Prozent reduziert werden. Damit liegen die österreichischen
Anlagen nur 2,2 Prozent über der Benchmark der besten zehn Prozent
aller europäischen Werke, welche die Grundlage zur Berechnung der
Zertifi-katzuteilung darstellt. Seit Beginn der "Dritten Periode"
wird die Zuteilung mit einem "Korrekturfaktor" zusätzlich reduziert.
2014 erhielt die Zementindustrie damit um 7,4 Prozent weniger
Zertifikate. "Bei Fortführung dieses Modells und einem
prognostizierten Preis von 40 Euro pro Zertifikat werden im Jahr 2030
nur mehr 52% der CO2-Emissionen zugeteilt. Dies bedeutet für die
Zementindustrie Mehrkosten von 52 Mio. Euro im Jahr 2030. Um weiter
in Österreich produzieren zu können, brauchen wir dringend eine
Reform", fordert Zrost.
Energiespeicher Beton weiter auf Erfolgskurs
Die Fähigkeit von Beton, Wärme oder Kühle zu speichern, führte zur
Nutzung in der thermischen Bauteilaktivierung. Dafür werden in
Betondecken Rohre verlegt, durch die warmes oder kaltes Wasser
geleitet wird. Die Temperierung von Gebäuden mit dieser Technologie
wird seit etwas über zehn Jahren professionalisiert und von
Forschungsprojekten begleitet. "Die Nutzung des Energiespeichers
Beton mittels Bauteilaktivierung ist am Punkt unsere Zeit. Die
Temperatur im Raum reguliert sich praktisch von selbst. Sogar Fenster
können geöffnet werden", freut sich Spaun über die bauphysikalischen
Fakten.
Beton als Zwischen(energie)speicher
Eine mehr als spannende Überlegung ist die Nutzung als
Zwischenspeicherung überschüssiger Energie. Erneuerbare Energie aus
Wind oder Sonne wird nicht gleichmäßig erzeugt. Die Produktion aus
Spitzenzeiten könnte in Beton eingelagert und zeitversetzt, nach
Bedarf, wieder abgegeben werden.
Forschung und Entwicklung
Die österreichische Zementindustrie arbeitet mit der
Forschungsabteilung der VÖZ und der Smart Minerals GmbH (je 50
Prozent VÖZ und TU Wien) an zukunftsorientierten Anwendungen von
Zement und Beton. Dabei wird im Sinne eines zukunftsfähigen,
nachhaltigen Bauens das Bauwerk als Ganzes betrachtet. Aktuell werden
die Auswirkungen der Beleuchtungskosten bei unterschiedlicher
Helligkeiten von Betondecken in Tunneln untersucht. Oder wie sich
Oberflächentemperaturen von Asphalt- sowie unterschiedlich hellen
Betondecken im Tagesverlauf entwickeln und damit innerstädtisches
Klima beeinflussen. Mit einem "White - Topping"- Verfahren (Asphalt
wird etwa 10 cm abgefräst und Beton aufgebracht) können
temperatursenkende Effekte erzielt werden, gleichzeitig kann damit
die Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit der Straße erhöht werden.
Nachwuchsförderung sowie Aus- und Weiterbildung
Die Zementindustrie sieht in der Initiierung und Unterstützung von
Planungswettbewerben an Universitäten, der Erstellung von
Unterrichtsmaterialien für Pflichtschulen sowie
Informationsveranstaltungen einen gesellschaftlich notwendigen
Beitrag.So wird in diesem Jahr der etablierte Studentenpreis
"Concrete Student Trophy" bereits zum zehnten Mal ausgelobt. Das
Besondere an diesem Studentenpreis ist, dass rund ein Drittel der
Siegerprojekte auch tatsächlich umgesetzt wurden. Aus dem
Studentenwettbewerb 2013 wurde beispielsweise ein Prototyp neuer
Grillstationen für die Wiener Donauinsel entwickelt. Heuer stehen
bereits 16 Anlagen zur Verfügung.
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