- 19.05.2015, 13:32:49
- /
- OTS0186 OTW0186
AUGE/UG: „Ohne Arbeitszeitverkürzung sind Rekordarbeitslosigkeit und Zunahme prekärer Beschäftigung nicht bewältigbar!“
Arbeitszeitenquete im Parlament: ExpertInnen fordern umfassende Maßnahmen zur Verkürzung der Arbeitszeit und Schluss mit All-in-Verträgen
Utl.: Arbeitszeitenquete im Parlament: ExpertInnen fordern
umfassende Maßnahmen zur Verkürzung der Arbeitszeit und
Schluss mit All-in-Verträgen =
Wien (OTS) - Im Rahmen der Arbeitszeitenquete "Weniger ist mehr!
Arbeitszeitverkürzung - ein Modell für die Zukunft?" sprachen sich
ArbeitszeitexpertInnen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für
umfassende Maßnahmen zu einer Verkürzung der Arbeitszeit aus. Die
AUGE/UG - Alternative, Grüne und Unabhängige GewerkschafterInnen
sowie der Grüne Klub hatten am Montag, den 18. Mai hatten anlässlich
40 Jahre 40-Stunden-Woche ins Parlament geladen, um Perspektiven
einer Arbeitszeitverkürzung zu diskutieren.
Zwt.: Massenarbeitslosigkeit und Prekarisierung erfordern rasches
Handeln
Eindringlich forderte Ökonom Heinz-Josef Bontrup von der
Westfälischen Hochschule rasche und entschlossene Schritte in
Richtung einer 30-Stunden-Woche als neuen Normalarbeitszeitstandard
bei vollem Lohn- und Personalausgleich ein, um die dramatisch
steigende Arbeitslosigkeit sowie Prekarisierung in den Griff zu
bekommen. Die Produktivitätszuwächse der letzten Jahrzehnte, die
beinahe ausschließlich der Kapitalseite zugute gekommen wären, so der
Ökonom, würde eine derartige drastische Verkürzung jedenfalls
erlauben. Bei insgesamt sinkenden Arbeitsvolumen müsse Arbeitszeit
verkürzt werden um dieses Volumen gerechter verteilen zu können. Wer
diese Tatsache negiere betreibe Realitätsverweigerung und würde
weiter steigender Prekarisierung und Arbeitslosigkeit Vorschub
leisten, so Bontrup. Arbeitslosigkeit sei immer auch ein
Disziplinierungsmittel, Vollbeschäftigung würde dagegen
ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaften in der Durchsetzung ihrer
Interessen stärken.
Zwt.: All-in-Verträge und Überstundenabbau als notwendige Vorleistung
für eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung
WIFO-Ökonomin Christine Mayrhuber und Sozialwissenschaftler Jörg
Flecker (Universität Wien) betonten in ihren Beiträgen, dass in einem
ersten Schritt zu einer gerechteren Verteilung der Arbeit
All-in-Verträge zurückgedrängt und Überstunden abgebaut werden
müssten. Selbst ArbeitnehmerInnengruppen, für die derartige Verträge
nie gedacht waren - etwa Hilfsarbeitskräfte oder Büroangestellte -
hätten bereits All-in-Arbeitsverträge. Die Eindämmung von Überstunden
sei daher Voraussetzung, damit eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung
arbeitsmarktpolitisch wirksam werden könne. Rudolf Karazmann wies auf
die gesundheitsbeeinträchtigende Wirkung langer täglicher
Arbeitszeiten hin und forderte Arbeitszeiten insbesondere auch vor
dem Hintergrund der Herstellung alternsgerechter Arbeitsbedingungen
zu diskutieren.
Zwt.: Arbeitszeitverkürzung als notwendige Bedingung einer
gerechteren Verteilung von Arbeit zwischen den Geschlechtern
Arbeitszeitverkürzung sei eine notwendige Voraussetzung zu einer
gerechteren Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den
Geschlechtern stellte Sozialwissenschaftlerin Claudia Sorger von L &
R Sozialforschung in ihrem Input fest. Rund zwei Drittel unbezahlter
Arbeit würde von Frauen geleistet, europaweit sei Österreich bei der
Ungleichverteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den
Geschlechtern im traurigen Spitzenfeld, weit hinter den
skandinavischen Ländern. Nach wie vor sei in Österreich ein
Familien-Einkommensmodell dominant, in dem der Mann Vollzeit, die
Frau Teilzeit arbeite. Eine 30-Stunden-Woche als neuer
Normalarbeitszeitstandard würde eine gerechtere Verteilung von Arbeit
zwischen Männern und Frauen jedenfalls befördern und käme auch
Männern entgegen, die gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen
würden. Beate Littig, Soziologin am IHS betonte, dass als Antwort auf
die Krise der Wachstumsgesellschaft eine Neudefinition und die
Verteilung von Arbeit an Aktualität gewinnen würden - nicht zuletzt
vor dem Hintergrund sich erschöpfender Ressourcen und ökologischer
Grenzen des Wachstums.
Zwt.: Braucht breites gesellschaftliches Bündnis für
Arbeitszeitverkürzung
Bestätigt in ihrer Forderung nach einer umfassenden
Arbeitszeitverkürzung in Richtung einer 30-Stunden-Woche und eines
6-Stunden-Arbeitstags sieht sich Klaudia Paiha, Bundessprecherin der
AUGE/UG: "Wer gegen Arbeitszeitverkürzung ist, meint es entweder mit
dem Kampf gegen Prekarisierung und Arbeitslosigkeit nicht ernst, oder
nimmt sogar ganz bewusst Arbeitslosigkeit und Verelendung in Kauf, um
ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaften klein zu halten. Der Einsatz für
kürzere Arbeitszeiten ist daher nicht nur ein Kampf für eine
gerechtere Verteilung von Arbeit und Einkommen, sondern auch von
Chancen, demokratischer und wirtschaftlicher Teilhabe und
gesellschaftlichem Wohlstand. Gewerkschaften sind dabei zwar
besonders gefordert, es braucht allerdings ein deutlich breiteres
gesellschaftliches Bündnis, um gerechtere Arbeitszeiten
durchzusetzen. Mit dieser Enquete wurden gute und nachvollziehbare
Argumente für eine 30-Stunden-Woche geliefert. Wir werden jedenfalls
alles dafür tun, dass das Thema Arbeitszeitverkürzung auf der
Tagesordnung von Politik und Gewerkschaften bleibt."
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AGG






