- 11.05.2015, 09:17:16
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Verwertungsorientierter Rückbau: Aus Baurestmassen werden zertifizierte Recyclingbaustoffe
Österreichische Energieagentur und Ressourcen Management Agentur entwickeln praxisorientierte, kosteneffiziente und ökologische Rückbaustrategie für den Wohnbau.
Utl.: Österreichische Energieagentur und Ressourcen Management
Agentur entwickeln praxisorientierte, kosteneffiziente und
ökologische Rückbaustrategie für den Wohnbau. =
Wien (OTS) - Rund 200 gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften verwalten
in Österreich ca. 850.000 Wohneinheiten. Diese Wohnungen haben
unterschiedliche Nutzungsansprüche und befinden sich in Gebäuden
unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Bauart und Qualität. Die
durchschnittliche Nutzungsdauer eines Wohngebäudes liegt statistisch
gesehen zwischen 60 und 100 Jahren, wobei die Nutzungsdauer durch
externe Faktoren verlängert (z.B. historisch wertvoll) oder verkürzt
(v.a. Baumängel, Nutzungsänderungen) wird. Ist das Ende der
Nutzungsdauer in Sicht, stellt sich die Frage: Sanieren oder
abbrechen? In beiden Fällen entstehen Baustoff- und andere Abfälle.
Baurestmassen aller Art (mineralisch, biogen, metallisch) sind ein
relevanter Faktor in der österreichischen Abfallwirtschaft. 2012
betrug ihr Anteil am Gesamtabfall fast 14%, in Summe 6,6 Mio. Tonnen
(aus Hoch- und Tiefbau). Studien zeigen, dass die Sortierung und
Verwertung der anfallenden Reststoffe oftmals wirtschaftlicher ist
als die reine Deponierung von unsortierten Baurestmassen. Dieser
Ansatz liegt auch der neuen "Recycling-Baustoffverordnung" des BMLFUW
zugrunde, deren Kundmachung im Sommer 2015 zu erwarten ist. Diese
sieht vor, dass Abbruchtätigkeiten künftig als
verwertungsorientierter Rückbau entsprechend der ÖNORM B 3151
("Rückbau als Standardabbruchmethode") erfolgen müssen. Ziel ist es,
durch organisatorische und technische Maßnahmen möglichst
sortenreine, schadstofffreie Abfallfraktionen zu erhalten, die nicht
auf der Deponie landen, sondern als zertifizierte Baustoffe
wiederverwendet oder bei Neubau und Sanierung eingesetzt werden
können.
Für Bauherren und Bauunternehmer bringt die
Recycling-Baustoffverordnung eine Reihe neuer Pflichten, darunter
etwa die "orientierende Schadstofferkundung" vor dem Abbruch. Hier
setzt das Projekt R-Bau (Replizierbare Strategie zur Forcierung des
verwertungsorientierten Rückbaus im Hochbau) aus der Programmlinie
"Stadt der Zukunft" des bmvit an. Die Österreichische Energieagentur
und die Ressourcen Management Agentur (RMA) erstellen im Zuge des
Projekts R-Bau einen Rückbaukatalog, um Entscheidungsgrundlagen für
Planung, Ausschreibung und Durchführung des verwertungsorientierten
Rückbaus inkl. Abfallbewirtschaftung zur Verfügung zu stellen. Darauf
aufbauend wird gemeinsam mit relevanten Stakeholdern (Gemeinnützige
Bauvereinigungen, Bauträger, Abbruchunternehmen, Interessensvertreter
aus der Politik und der Wirtschaft) eine praxisorientierte und
replizierbare Rückbaustrategie zur Forcierung des
verwertungsorientierten Rückbaus im Wohnbau erarbeitet.
Im März 2015 wurden die ersten Ergebnisse und der Entwurf des
Rückbaukatalogs diskutiert. Die Reaktionen der Stakeholder
bestätigen, dass beim Abbruch von Wohngebäuden in der Regel noch
Optimierungspotential vorhanden ist. Peter Traupmann, Geschäftsführer
der Energieagentur, beurteilt die gegenwärtige Situation so: "Derzeit
vergibt der Bauherr Abbruch und Entsorgung im Allgemeinen pauschal an
ein Abbruchunternehmen. Es mangelt in der Wohnbaubranche aber noch an
Wissen und Erfahrung über mögliche Rückbaukonzepte und deren
ökonomische und ökologische Vorteile. Diese Lücke soll mit dem
Projekt R-Bau geschlossen werden."
Das Projekt verwendet repräsentative Gebäude- und Bauteilmodelle,
welche in der Abbruch-Planung Anhaltspunkte für das
kosteneffizienteste Rückbaukonzept bieten. So erhält man
beispielsweise durch die Trennung von Kalkmörtel vom Ziegelschutt
saubere Baurestmassen, welche zu deutlich besseren ökonomischen
Konditionen zurück in die Kreislaufwirtschaft geführt werden können.
Standardisierte Mustertexte für die Ausschreibung von
Abbruchtätigkeiten sollen für mehr Transparenz im Hinblick auf die zu
erbringenden Leistungen sorgen und dem Bauherrn die organisatorische
Abwicklung erleichtern.
Die aufwändige Vorbereitung und Durchführung des Abbruchs macht sich
bezahlt. Energieagenturchef Peter Traupmann sieht im hochwertigen
Baustoff-Recycling auch für den Wohnbau den richtigen Weg: "Innerhalb
weniger Jahre tausende moderne, leistbare Wohnungen zu errichten, wie
es derzeit etwa in Wien der Fall ist, erfordert höchst effizienten
Umgang mit Energie und Ressourcen. Der Energieaufwand für die
Herstellung von Recyclingmaterialien ist im Allgemeinen viel
geringer, die anfallenden CO2-Emissionen entsprechend weniger.
Wohnbaugenossenschaften können Recycling-Baustoffe aus dem Abbruch
eigener Wohnhäuser bei eigenen Neubauten wieder einsetzen oder als
Qualitätsprodukt auf den Markt bringen. Im Neubau wird man
zweckmäßigerweise bereits in der Planung darauf achten, dass ein
Gebäude am Ende seiner Lebensdauer schadstofffrei und sortenrein
rückgebaut werden kann."
Das Projekt R-Bau wird bis Februar 2016 im Rahmen des Programms
"Stadt der Zukunft", des Forschungs- und Technologieprogramms des
Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie,
durchgeführt (Website: www.hausderzukunft.at; Projektnummer: 845214).
Interessenten finden auf den Websites der Österreichischen
Energieagentur und der Ressourcen Management Agentur weitere
Informationen zum Projekt.
http://www.ots.at/redirect/energyagency5
Kontakt:
Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency
Oskar Mair am Tinkhof, MSc
Tel.: +43 (0) 1-586 15 24-108
E-Mail: [email protected]
Web: www.energyagency.at
Über die Österreichische Energieagentur - Austrian Energy
Agency
Die Österreichische Energieagentur ist das nationale Kompetenzzentrum
für Energie in Österreich. Sie berät auf Basis ihrer vorwiegend
wissenschaftlichen Tätigkeit Entscheidungsträger aus Politik,
Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte liegen in der
Forcierung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energieträgern im
Spannungsfeld zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Klima- und Umweltschutz
sowie Versorgungssicherheit. Dazu realisiert die Österreichische
Energieagentur nationale und internationale Projekte und Programme,
führt gezielte Informations- und Öffentlichkeitsarbeit durch und
entwickelt Strategien für die nachhaltige und sichere
Energieversorgung. Die Österreichische Energieagentur setzt
klimaaktiv - die Klimaschutzinitiative des BMLFUW - operativ um und
koordiniert die verschiedenen Maßnahmen in den Themenbereichen
Mobilität, Energiesparen, Bauen & Sanieren und Erneuerbare Energie.
Weitere Informationen für Mitglieder und Interessenten unter:
www.energyagency.at.
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