- 05.05.2015, 11:08:51
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„Harmonija, na ja ...“: Ruhestörung und Widerspruch
WIENWOCHE 2015 präsentiert erste Programmvorschau

Utl.: WIENWOCHE 2015 präsentiert erste Programmvorschau =
Wien (OTS) - "Der Konflikt ist der wesentliche Kern einer freien und
offenen Gesellschaft", schrieb der US-amerikanische Bürgerrechtler
Saul Alinsky 1971 in seinem Buch "Rules for Radicals". Ganz in diesem
Sinne legt sich WIENWOCHE 2015 mit dem allzu kompromissbereiten
"goldenen Mittelweg" als scheinbarer Rettungsgasse der
gesellschaftlichen Harmonie an. Von 18. September bis 4. Oktober 2015
setzen 15 Projekte auf Ruhestörung und sagen: "Diri harmonia nai mrni
harmonia!" (Romanes für "Deine Harmonie ist nicht meine Harmonie!").
"WIENWOCHE 2015 erzählt gute, aber keine Gute-Nacht-Geschichten.
Geschichten, die von den Geistern einer Vergangenheit handeln, an die
nicht gerne erinnert wird. Geschichten, die verdrängte Taten
einstiger großer ,Held_innen‘ in den Mittelpunkt rücken. Aber auch
Geschichten, in denen künftige Taten geplant werden, mit denen so gut
wie niemand rechnet", erläutert das Leitungsteam von WIENWOCHE, Can
Gülcü und Radostina Patulova.
Zum Beispiel eine Geisterbahnfahrt im Wiener Prater durch den "Graus
der Geschichte", oder das Roadmovie "Auf nach Europa", in dem ein
ehemaliger Sans Papier die Stationen seiner Route von Tiaret nach
Wien bereist. Im "KleynKunst Theater" trifft jiddische Kultur der
'Goldenen Zwanziger' auf queere Performance der Jetztzeit, während
Kurzfilmspaziergänge als Protestkundgebungen der etwas anderen Art
den Spuren von "The Big Bank Theory" nachgehen. All diese Projekte
interpretieren den Jahresschwerpunkt 'Harmonija, na ja …' anhand
vielfältiger Themen und formulieren ihre Anliegen in künstlerischen
Formaten, die ein gründliches, konkretes und zielgenaues
Widersprechen ermöglichen.
Weitere Programmpunkte: "The Jewish Renaissance Boxing Club" schreibt
sich in die lange Geschichte der jüdischen Sportvereine in Wien ein,
"The Black Her*Stories Project" realisiert die ersten queeren
schwarzen feministischen Filmtage in Wien. Drei Projekte unterbrechen
die Ruhe in den derzeit geschlossenen Hallen des Weltmuseums: In
"Gegengelesen" erzählen Aktivist_innen Geschichten des Widerstands
gegen (vergangene und weiterhin bestehende) koloniale Verhältnisse.
In "Die Rückkehr der lebenden Toten" werden die der kolonialen
Vergangenheit zum Opfer gefallenen Toten wieder zum Leben erweckt,
"Juden schauen" hinterfragt stereotypisierende Blicke auf Jüdinnen
und Juden.
In Dieter Kaufmanns - auf Fragmenten von Elfriede Jelineks "Die
Schutzbefohlenen" basierendem - multimedialem Musiktheater
"Lampedusa" singen junge Darsteller_innen gegen die
menschenfeindliche europäische Grenzpolitik an. "MemoryGames" lädt zu
Dialogen über persönliche wie kollektive Erinnerungen, Sichtweisen
auf Geschichte und historisches Wissen ein. "Was hast du
mitbekommen?" erkundet Handlungsmöglichkeiten, die sich aus der
Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit für das Hier und Jetzt
ergeben.
"Der Kampf um die Universität ist noch nicht verloren!" erweitert die
Feierlichkeiten der Universität Wien zu ihrem 650-jährigen Jubiläum
mit kritischen Fragen an die wichtigste Bildungsinstitution des
Landes. Das mehrsprachige Live-Audiotheater "65 Jahre
Klassenharmonie" erkundet das Wirken der Sozialpartnerschaft anhand
von Themen wie Streik, Arbeitszwang, Gastarbeit oder Arbeitsverbot,
und in "Platte 16" rappen, performen und tanzen Jugendliche in ihren
Lieblingsparks gegen die Einschränkungen, die ihnen im öffentlichen
Raum und im Leben auferlegt werden.
Gemeinsam ist allen Projekten, dass sie auf die treibende Kraft von
Bewegung und Reibung setzen, statt auf Kompromiss und Konsens. Sie
fordern klar: Alles für alle! Denn: "Relevante Kunst- und
Kulturarbeit ist nichts weniger als die Arbeit an den
gesellschaftlichen Bruchlinien - durch Vorausdenken, Organisieren und
Eingreifen", so Can Gülcü und Radostina Patulova.
Im Herbst 2015 heißt es deshalb: Hinaus aus den Pseudo-Wohlfühlzonen,
hinein ins Getümmel!
Detaillierte Informationen zu sämtlichen Beiträgen und
Programmpunkten von WIENWOCHE 2015 sowie zu den Personen dahinter
finden sich unter http://www.wienwoche.org |
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