Lebenshilfe fordert von Bund, Ländern und Gemeinden mehr Einsatz für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen

Wien (OTS) - Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Beeinträchtigungen am 5. Mai appelliert die Lebenshilfe an die österreichische Bundesregierung, die Länder und Gemeinden, sich verstärkt für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen und deren gleichberechtigte politische Teilhabe einzusetzen. "Das bedeutet Wahlfreiheit bei Wohnformen in der Gemeinschaft, Angebote in der Persönlichen Assistenz sowie barrierefreie und inklusive Gemeinden und Städte", erklärt Generalsekretär Albert Brandstätter.

Mit-Leben mit Persönlicher Assistenz

Gerhard Maurer (57) ist Künstler bei der Lebenshilfe Salzburg und stellt bei der inklusiven Kunstaktion "Barrierefreiheit im Kopf" (5.-12.Mai) in der ehemaligen Anker-Expedithalle in Wien aus. "Heute benütze ich zum ersten Mal einen Sprachcomputer. Der gehört mir nicht. Die Werkstätte, in der ich arbeite, hat ihn vor kurzem für unsere Arbeit gespendet bekommen. Mit dem Sprachcomputer kann ich in kurzer Zeit viel mehr sagen, als sonst. Ausstellungen sind toll. Dazu brauche ich aber Unterstützung. Ohne freiwillige Helfer, die ihre Freizeit zur Verfügung stellen, könnte ich diese schönen Dinge nicht machen. Wenn ich etwas weiter weg will, brauche ich jemanden, der mich in einem speziellen Bus, in den mein großer Elektrorollstuhl passt, fährt. Der Rollstuhl kann nicht über Treppen fahren. Ich brauche Hilfe beim Essen und wenn ich arbeite, brauche ich Assistenz, die mir die Materialien zurecht legt." Gerhard Maurer hat keine Persönliche Assistenz, weil dies in Salzburg noch nicht möglich ist.

Hingegen ist Hanna Kamrat (48) eine der wenigen Personen mit Lernschwierigkeiten, die Persönliche Assistenz in Anspruch nehmen können. Sie sagt von sich selbst: "Ich bin in Bad Ischl aufgewachsen, und arbeite in der Lebenshilfe Bad Aussee. Seit 1998 bin ich im Selbstvertretungsbeirat der Lebenshilfe Österreich tätig und seit einigen Monaten auch im Beirat der Steiermark. Es macht mich stolz, dass ich durch die Persönliche Assistenz und das Arbeiten mein Selbstbewusstsein gestärkt habe. In Richtung Inklusion hat sich vieles entwickelt. Mir ist aber vor allem wichtig, dass jeder einzelne Mensch mit Beeinträchtigung so wahrgenommen wird, wie er ist und nicht vorausgesetzt wird, dass es mit jeder Person gleich funktioniert. Im Gegensatz zu meiner Kindheit, wo ich in einem Wohnheim aufgewachsen bin, kann ich jetzt meine Freizeit selbstbestimmter und persönlicher gestalten. Leider ist die Persönliche Assistenz in Oberösterreich wegen dem Stundenmangel eingeschränkt. Wenn ich keine Assistenz mehr bekomme, würde ich wieder in ein Wohnhaus zurück müssen. Da meine Geschwister nicht in meiner Nähe wohnen und meine Eltern schon verstorben sind, ist für mich Assistenz sehr wichtig."

Forderungen für ein selbstbestimmtes Leben

Das sind 2 Geschichten, 2 Bundesländer und 2 ungleiche Lebensbedingungen. "Die SelbstvertreterInnen, Angehörigen und die UnterstützerInnen der Lebenshilfe fordern daher von Bund und Ländern die Erarbeitung eines nationalen Rechtsanspruches auf Persönliche Assistenz unabhängig vom Ausmaß und Art der Beeinträchtigung, die Schaffung von Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Wohnangeboten sowie die Erarbeitung bundesweiter gesetzlicher Rahmenbedingungen für gemeindenahes Wohnen. Sie sind deshalb nötig, weil Menschen mit Beeinträchtigungen in den Bundesländern höchst ungleich behandelt werden", erklärt Generalsekretär Brandstätter.

Mit-Wirken in der Gesellschaft

Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung wollen sich selbstbewusst in der Gemeinde, im Bezirk, im Land oder der Republik einbringen. Die SelbstvertreterInnen der Lebenshilfe fordern daher die Übersetzung der Regierungsprogramme in Leichte Sprache, barrierefreie Informationen und Beratungsstellen, die finanzielle Unterstützung von Selbstvertretungs-Gruppen sowie die Bildung von Behindertenbeiräten auf Landes- und Gemeindeebene.

5. Mai: Tag der Inklusion in Österreich

Die Geschichten von vielen Menschen mit Beeinträchtigungen zeigen sehr deutlich: Noch immer gibt es viele Barrieren im Denken der Gesellschaft. Daher erklären die Lebenshilfen in ganz Österreich auch heuer wieder am 5. Mai den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Beeinträchtigungen zum Tag der Inklusion. In vielfältigen Aktionen und Begegnungen, in Konferenzen, in Festen, in Sportveranstaltungen fordern Menschen mit Beeinträchtigungen, Angehörige und UnterstützerInnen einmal mehr, die UN-Behindertenrechtskonvention endlich umzusetzen und mit Freude eine inklusive Gesellschaft zu gestalten.

"Viele Hindernisse zu einem gemeinsamen Leben beginnen im Denken, in Gesetzen, in Rahmenbedingungen. Barrierefreiheit im Kopf bewirkt Schaffung gemeinsam gestalteter Räume und Lebensmöglichkeiten", meint Generalsekretär Albert Brandstätter abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Birgit Mondl
Lebenshilfe Österreich
Förstergasse 6, 1020 Wien
EMail: mondl@lebenshilfe.at
Telefon: 01/8122642 Mobil: 0664/2344919
www.lebenshilfe.at

Link: http://www.lebenshilfe.at/index.php?/de/Themen/Inklusion/Tag-der-Inklusion-2015

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | LBH0001