• 04.05.2015, 07:26:28
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Lebenshilfe fordert von Bund, Ländern und Gemeinden mehr Einsatz für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen

Wien (OTS) - Anlässlich des Europäischen Protesttages zur
Gleichstellung von Menschen mit Beeinträchtigungen am 5. Mai
appelliert die Lebenshilfe an die österreichische Bundesregierung,
die Länder und Gemeinden, sich verstärkt für ein selbstbestimmtes
Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen und deren gleichberechtigte
politische Teilhabe einzusetzen. "Das bedeutet Wahlfreiheit bei
Wohnformen in der Gemeinschaft, Angebote in der Persönlichen
Assistenz sowie barrierefreie und inklusive Gemeinden und Städte",
erklärt Generalsekretär Albert Brandstätter.

Mit-Leben mit Persönlicher Assistenz

Gerhard Maurer (57) ist Künstler bei der Lebenshilfe Salzburg und
stellt bei der inklusiven Kunstaktion "Barrierefreiheit im Kopf"
(5.-12.Mai) in der ehemaligen Anker-Expedithalle in Wien aus. "Heute
benütze ich zum ersten Mal einen Sprachcomputer. Der gehört mir
nicht. Die Werkstätte, in der ich arbeite, hat ihn vor kurzem für
unsere Arbeit gespendet bekommen. Mit dem Sprachcomputer kann ich in
kurzer Zeit viel mehr sagen, als sonst. Ausstellungen sind toll. Dazu
brauche ich aber Unterstützung. Ohne freiwillige Helfer, die ihre
Freizeit zur Verfügung stellen, könnte ich diese schönen Dinge nicht
machen. Wenn ich etwas weiter weg will, brauche ich jemanden, der
mich in einem speziellen Bus, in den mein großer Elektrorollstuhl
passt, fährt. Der Rollstuhl kann nicht über Treppen fahren. Ich
brauche Hilfe beim Essen und wenn ich arbeite, brauche ich Assistenz,
die mir die Materialien zurecht legt." Gerhard Maurer hat keine
Persönliche Assistenz, weil dies in Salzburg noch nicht möglich ist.

Hingegen ist Hanna Kamrat (48) eine der wenigen Personen mit
Lernschwierigkeiten, die Persönliche Assistenz in Anspruch nehmen
können. Sie sagt von sich selbst: "Ich bin in Bad Ischl aufgewachsen,
und arbeite in der Lebenshilfe Bad Aussee. Seit 1998 bin ich im
Selbstvertretungsbeirat der Lebenshilfe Österreich tätig und seit
einigen Monaten auch im Beirat der Steiermark. Es macht mich stolz,
dass ich durch die Persönliche Assistenz und das Arbeiten mein
Selbstbewusstsein gestärkt habe. In Richtung Inklusion hat sich
vieles entwickelt. Mir ist aber vor allem wichtig, dass jeder
einzelne Mensch mit Beeinträchtigung so wahrgenommen wird, wie er
ist und nicht vorausgesetzt wird, dass es mit jeder Person gleich
funktioniert. Im Gegensatz zu meiner Kindheit, wo ich in einem
Wohnheim aufgewachsen bin, kann ich jetzt meine Freizeit
selbstbestimmter und persönlicher gestalten. Leider ist die
Persönliche Assistenz in Oberösterreich wegen dem Stundenmangel
eingeschränkt. Wenn ich keine Assistenz mehr bekomme, würde ich
wieder in ein Wohnhaus zurück müssen. Da meine Geschwister nicht in
meiner Nähe wohnen und meine Eltern schon verstorben sind, ist für
mich Assistenz sehr wichtig."

Forderungen für ein selbstbestimmtes Leben

Das sind 2 Geschichten, 2 Bundesländer und 2 ungleiche
Lebensbedingungen. "Die SelbstvertreterInnen, Angehörigen und die
UnterstützerInnen der Lebenshilfe fordern daher von Bund und Ländern
die Erarbeitung eines nationalen Rechtsanspruches auf Persönliche
Assistenz unabhängig vom Ausmaß und Art der Beeinträchtigung, die
Schaffung von Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Wohnangeboten
sowie die Erarbeitung bundesweiter gesetzlicher Rahmenbedingungen für
gemeindenahes Wohnen. Sie sind deshalb nötig, weil Menschen mit
Beeinträchtigungen in den Bundesländern höchst ungleich behandelt
werden", erklärt Generalsekretär Brandstätter.

Mit-Wirken in der Gesellschaft

Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung wollen sich
selbstbewusst in der Gemeinde, im Bezirk, im Land oder der Republik
einbringen. Die SelbstvertreterInnen der Lebenshilfe fordern daher
die Übersetzung der Regierungsprogramme in Leichte Sprache,
barrierefreie Informationen und Beratungsstellen, die finanzielle
Unterstützung von Selbstvertretungs-Gruppen sowie die Bildung von
Behindertenbeiräten auf Landes- und Gemeindeebene.

5. Mai: Tag der Inklusion in Österreich

Die Geschichten von vielen Menschen mit Beeinträchtigungen zeigen
sehr deutlich: Noch immer gibt es viele Barrieren im Denken der
Gesellschaft. Daher erklären die Lebenshilfen in ganz Österreich auch
heuer wieder am 5. Mai den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung
von Menschen mit Beeinträchtigungen zum Tag der Inklusion. In
vielfältigen Aktionen und Begegnungen, in Konferenzen, in Festen, in
Sportveranstaltungen fordern Menschen mit Beeinträchtigungen,
Angehörige und UnterstützerInnen einmal mehr, die
UN-Behindertenrechtskonvention endlich umzusetzen und mit Freude eine
inklusive Gesellschaft zu gestalten.

"Viele Hindernisse zu einem gemeinsamen Leben beginnen im Denken, in
Gesetzen, in Rahmenbedingungen. Barrierefreiheit im Kopf bewirkt
Schaffung gemeinsam gestalteter Räume und Lebensmöglichkeiten", meint
Generalsekretär Albert Brandstätter abschließend.

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