- 29.04.2015, 14:33:19
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Einigkeit bei Österreichs Medien: Internationaler Wettbewerb erfordert dringend neue Regulierung
Ostermayer: Expertengruppe soll an Lösungen arbeiten
Utl.: Ostermayer: Expertengruppe soll an Lösungen arbeiten =
Wien (OTS) - Bei der heutigen "Rundfunk-Plattform Österreich" des
Verbands Österreichischer Privatsender waren sich die Vertreter der
österreichischen Medienbranche einig: Es ist "Feuer am Dach"! Die
Herausforderungen, die sich aus dem zunehmenden Wettbewerb mit Global
Playern der Medienbranche - wie etwa Google, YouTube, Netflix oder
Spotify - ergeben, erfordern dringend die Anpassung der gesetzlichen
und regulatorischen Rahmenbedingungen. Dies gilt sowohl für die
österreichische als auch die europäische Ebene.
In seinem Eröffnungsstatement wies Dr. Klaus Schweighofer,
Vorstandsvorsitzender des VÖP und Vorstand der Styria Media Group,
darauf hin, dass die Branche derzeit mit dem größten Umbruch der
Mediengeschichte konfrontiert sei. Im Wettlauf mit globalen Giganten
sei die Unterstützung der österreichischen Medien - rechtlich wie
finanziell - dringend erforderlich. Es sei notwendig, eine neue
Medienarchitektur zu gestalten, damit es auch in zehn Jahren noch
relevante österreichische Medien gebe.
Der Regulierungsexperte Dr. Alexander Zuser, Geschäftsführer der
Beratungsfirma PRO, stellt anschließend das reale Disruptionsszenario
dar, mit dem die Branche umgehen müsse. Danach ging er auf die
branchenspezifischen Unterschiede zwischen österreichischen und
globalen Medienanbietern ein, insbesondere im Hinblick auf die
Regulierung von Werbung und Inhalten, aber auch in Bezug auf die
Werbeabgabe, die traditionelle Medien besonders benachteilige.
Darüber hinaus stellte Zuser auch branchenübergreifende Probleme dar,
etwa betreffend Datenschutz, Netzneutralität, Urheberrechtsschutz und
Steuern. Insgesamt bestünde dringender Handlungsbedarf, um bei der
Regulierung ein "Level Playing Field" zu erreichen.
In seinem anschließenden Impulsreferat wies Mag. Markus Breitenecker,
stellvertretender VÖP-Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer von
PULS 4, darauf hin, dass sich die Grenzen der klassischen
Mediengattungen weitgehend auflösen würden. Regionale Contentmedien
würden im Wettbewerb mit "Metamedien" stehen, also Meta-Plattformen,
die algorithmusgesteuert Inhalte von Dritten aggregieren, vermarkten
und kapitalisieren. Breitenecker sprach sich im Verlauf der
Diskussion dafür aus, Contentmedien gegenüber Mediamedien im Hinblick
auf die Regulierung zu bevorzugen. Er setzte sich dafür ein, jene
öffentlichen Gelder, die über Rundfunkgebühren, Medienförderungen
oder Inserate der öffentlichen Hand ausgegeben würden, zielgerichtet
für die Förderung von Qualität und Innovation sowie österreichische
Start-Up Initiativen einzusetzen.
In der darauf folgenden Diskussion zeigte Dr. Josef Ostermayer,
Bundesminister für Medien (SPÖ), großes Verständnis für die
aufgezeigten Probleme. Die Probleme seien zu trennen in jene, die auf
österreichischer Ebene gelöst werden könnten, und jene, die die
europäische Ebene beträfen. Er sei jedenfalls bereit, einen
Schulterschluss der nationalen Medien sowie den Problemlösungsprozess
zu unterstützen. Abschließend kündigte Ostermayer an, eine
Expertengruppe mit Vertretern der Behörden sowie der Branche
einzurichten.
Mag. Gernot Blümel, ÖVP-Bundesgeschäftsführer, wies darauf hin, dass
die Grundsätze der realen Welt - wie etwa der Schutz des Eigentums -
auch in der digitalen Welt gelten müssten. Die Medienbranche sehe
sich einer rapiden Entwicklung gegenüber, die getrieben sei von
Konvergenz, Globalisierung und Personalisierung. Angesichts dessen
müsse über eine Adaption des Systems nachgedacht werden, unter
Berücksichtigung der medienpolitischen Grundprinzipien wie Sicherung
der Meinungsvielfalt, Förderung der österreichischen Wertschöpfung
sowie Sicherstellung der Inhaltequalität.
Dr. Alexander Wrabetz, Generaldirektor des ORF, zeigte sich erfreut
über die Initiative des VÖP, dieses Thema gemeinsam angehen zu
wollen. Es gebe viele gemeinsame Interessen, wie etwa hinsichtlich
einer allfälligen Aufhebung von "Geoblocking", welche insbesondere
für Medienanbieter in kleineren Ländern höchst problematisch wäre.
Entscheidend sei auch für Wrabetz, mit neuen und innovativen
Produkten präsent zu sein, um im internationalen Wettbewerb bestehen
zu können.
Auch Mag. Thomas Kralinger, VÖZ-Präsident und Geschäftsführer des
KURIER, thematisierte das Regulierungsungleichgewicht zwischen
österreichischen und globalen Anbietern. Auch wenn es positiv zu
bewerten sei, dass Google auf politischen Druck hin einlenke, so
sollten doch gleiche Regeln für alle Anbieter gelten. Mit Blick auf
das Leistungsschutzrecht sei zudem die zentrale Frage, welche Werte
in der österreichischen Gesellschaft zu schützen seien.
Dr. Ernst Swoboda, VÖP-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer von
KRONEHIT, wies darauf hin, dass der Siegeszug des Smartphones die
Mediennutzung grundlegend verändert habe. Radio werde immer stärker
auch über das Internet genutzt. Sinnbildlich sprach Swoboda vom Kampf
des David gegen den Goliath, wobei jedoch Goliath bessere Waffen
(etwa Senderechte) habe. David seien hingegen durch die strengere
Regulierung zusätzliche Fesseln angelegt, und die Werbeabgabe würde
ihm auch noch den Stein wegnehmen.
Pressefotos unter http://www.ots.at/redirect/voep2
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