- 27.04.2015, 12:45:17
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Ökodesign-Richtlinie: Macht die EU 440.000 Kombithermen wertlos?
Am 26.9.2015 tritt die EU-Ökodesign-Richtlinie in Kraft. Ihr Ziel: Heizgeräte und -systeme sollen effizienter werden. In Wien sind rund 440.000 Kombithermen betroffen.

Utl.: Am 26.9.2015 tritt die EU-Ökodesign-Richtlinie in Kraft. Ihr
Ziel: Heizgeräte und -systeme sollen effizienter werden. In
Wien sind rund 440.000 Kombithermen betroffen. =
Wien (OTS) - Mit dem Inkrafttreten der EU-Ökodesign-Richtlinie am 26.
September müssen Wärmeerzeuger und Speicher in der Europäischen Union
strengere Energieeffizienz-Anforderungen erfüllen. Heizgeräte dürfen
nur noch mit einem entsprechenden Effizienzlabel verkauft werden. Das
bedeutet: Der Verkauf der weit verbreiteten Heizwertgeräte, also der
Kombithermen, ist ab dem Stichtag nur noch in Ausnahmefällen erlaubt.
Stattdessen sollten Konsumenten und Haus- oder Wohnungsbesitzer, bei
denen eine Therme defekt wird, ein neues Gerät kaufen, mit dem die
vorgeschriebenen Energieeffizienzwerte eingehalten werden.
Das löst große Betroffenheit aus: "Österreichweit ist jede zweite
Therme betroffen, in Wien sogar neun von zehn Geräten", sagt Robert
Breitschopf, Wiener Landesinnungsmeister der Installateure, im Rahmen
der Pressekonferenz im Gewerbehaus der Wirtschaftskammer Wien. Mit
der Einführung der Ökodesign-Richtlinie sollten defekte
Heizwertgeräte nur noch durch energiesparendere Wärmeerzeuger wie
Gasbrennwertgeräte, Wärmepumpen oder Pelletheizungen ersetzt werden,
sagt er.
Ausnahmen gibt es, sobald mehrere Geräte an nur einen Rauchfang
angeschlossen sind. "In diesen Mehrfamilienhäusern können weiterhin
Heizwertgeräte, also "Kombithermen", verwendet werden. Durch die
Mehrfachbelegung eines Kamins würde ein Tausch einen zu großen
finanziellen und technischen Aufwand bedeuten. Die
Ökodesign-Anforderungen sollten aus Endnutzersicht die Funktion oder
die Erschwinglichkeit der Geräte nicht beeinträchtigen", zitiert
Installateur-Innungsmeister Breitschopf.
Wen betrifft die Ökodesign-Richtlinie?
"Sowohl für Installateure, Rauchfangkehrer und Heizungsindustrie als
auch für die Mieter, Hauseigentümer und Vermieter ändert sich
vieles", sagt Breitschopf: "Wenn die Verordnung mit voller Härte
durchgesetzt werden würde, könnte das zu einem Desaster für rund
440.000 Haushalte in Wien werden." Eigentümer und Vermieter müssten
die anfallenden Kosten tragen.
Zu bedenken gibt Breitschopf auch, dass der Installateur ab 26.
September bereits bei der Angebotslegung alle Informationen zur
Energieverbrauchskennzeichnung bekanntgeben muss. "Er ist damit
verantwortlich und haftet für die Richtigkeit seiner Angaben",
ergänzt er. Die EU und die Kesselindustrie sind jedoch bemüht, die
Installateure zu unterstützen und stellen Berechnungstools zur
Verfügung.
Was sind die Neuerungen?
Um für mehr Transparenz beim Energieverbrauch zu sorgen, muss jedes
Heizgerät mit einem Energieeffizienzlabel gekennzeichnet werden. Die
neue Bemessungsgrundlage, der saisonale Wirkungsgrad (Etas),
empfindet die tatsächliche Betriebsweise im Jahreszyklus nach und
ersetzt die Vielzahl der heutigen Wirkungsgrade. Breitschopf warnt
aber vor Schwierigkeiten bei der Berechnung: Eine hohe
Energieeffizienzklasse bedeutet nicht automatisch niedrige
Energiekosten. Diese hängen von weiteren Faktoren wie Gebäudedämmung,
Heizgewohnheiten und Wärmeverteilung ab.
Heizgeräte, deren Energieeffizienz unter 86 Prozent liegt, dürften
nicht länger produziert und verkauft werden. Die Ausnahme sind: Alle
Geräte und Systeme, die sich bereits vor dem Stichtag 26. September
2015 in den Lagern der Installateure oder des Großhandels befinden.
Sie dürfen weiterhin verkauft, installiert und betrieben werden.
"Rauchfangkehrer und Installateure sollen die Kunden aber ab sofort
darauf hinweisen, dass die Heizwerttechnik nicht mehr dem aktuellen
Stand der Technik entspricht", sagt Breitschopf: "Sie führt zu einem
höheren Energieverbrauch und höheren Betriebskosten."
Die Installateure sind jedenfalls vorbereitet. Die Meisten haben sich
entsprechend schulen lassen und kennen die Vorteile der
Brennwerttechnik: "Diese ist effizient, günstig und sicher", sagt
Breitschopf: "Deshalb empfehlen wir den Umstieg auf die innovative
Brennwerttechnik."
Basisinformation über Heizwert- vs. Brennwertgeräte
Bei Brennwert-Geräten wird im Unterschied zu den sogenannten
Heizwert-Geräten auch die in den Abgasen enthaltene Energie in Form
des Wasserdampfes genutzt. Die Brennwerttechnik spart bis zu 15
Prozent an Energiekosten und Emissionen gegenüber der Heizwerttechnik
ein. Brennwertgeräte sind daher aus energietechnischer Sicht
empfehlenswert, aber in der Anschaffung mit etwas mehr Aufwand
verbunden. Voraussetzung ist ein korrosionsbeständiger Kamin und eine
eingezogene Abgasleitung für das Kondensat. Außerdem sind Unfälle mit
Abgasen durch die geschlossene Verbrennungsweise in der Regel
auszuschließen.
Über die Wiener Installateure:
Die Wiener Landesinnung der Sanitär- Heizungs- und Lüftungstechniker
ist die Interessensvertretung (Arbeitgeberverband) der Wiener
Installateure. Als Körperschaft öffentlichen Rechts vertritt sie rund
950 Arbeitgeberbetriebe in Wien. Die Mitgliedsbetriebe sind fast
durchwegs Klein- bis Mittelbetriebe und beschäftigen rund 7.000
Arbeitnehmer und rund 800 Lehrlinge.
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sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
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