Ärztekammer fordert gezielte Politik für ältere Arbeitnehmer

Altersgerechte Bedingungen schaffen - arbeitsmedizinische Betreuung ausbauen – Zahl älterer Arbeitnehmer verdoppelt

Wien (OTS) - Anlässlich des für 28. April ausgerufenen Welttags für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz reklamiert der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger, altersgerechte Arbeitsbedingungen und einen Ausbau der arbeitsmedizinischen Betreuung. "Die Beschäftigung älterer Menschen ist ein zentraler politischer Inhalt. Nun muss ein alle Bereiche der Arbeitswelt umfassendes Maßnahmenkonzept die notwendigen Voraussetzungen schaffen, um dieses Ziel auch zu erreichen", sagte der Ärztepräsident am Sonntag in einer Aussendung. Auch die ÖÄK werde sich zukünftig verstärkt diesem wichtigen gesellschaftlichen Thema widmen.

Das Augenmerk dieses "gesamtgesellschaftlichen Projektes für längeres Arbeiten" sei auf physische, psychische, betriebsorganisatorische und ergonomische Aspekte der Beschäftigung älterer Menschen zu legen; aber auch soziologische Fragen, die das Miteinander mehrerer Generationen in diversen Arbeits- und Produktionsprozessen behandeln, seien von großer Bedeutung. "Um eine bessere Integration der über 50-Jährigen am Arbeitsmarkt zu gewährleisten und ein langes und gesundes Arbeitsleben sicherzustellen, ist die verstärkte Aufmerksamkeit aller gesellschaftlichen Kräfte gefordert", so Wechselberger, der selbst erfahrener Arbeitsmediziner ist.

Zusätzlich gelte es, die Rolle der Arbeitsmedizin zu stärken, um altersgerechte Arbeitsplätze zu schaffen und bestehende zu evaluieren. "Im Fokus der Arbeitsmedizin steht die Salutogenese, also die Herstellung und Erhaltung der umfassenden Gesundheit. Arbeitsmediziner kennen nicht nur den Arbeitnehmer und dessen individuelle Voraussetzungen, sondern auch dessen Arbeitsplatz und Arbeitsbedingungen. Sie können daher eine umfangreiche Einschätzung der bestehenden Situation geben und zeitgerecht gesundheitsfördernde Maßnahmen setzen", sagte Wechselberger.

Eine gezielte Arbeitsmarktpolitik, die ältere Menschen in den Mittelpunkt stelle, resultiere konsequenter Weise auch aus den demographischen Veränderungen und der Anhebung des faktischen Pensionsalters: Es gebe immer mehr ältere Arbeitnehmer. Bekanntlich ist die Zahl der Erwerbstätigen in der Altersgruppe von 55 bis 64 Jahren zwischen 2004 und 2014 von 27,1 Prozent auf 45,1 Prozent gestiegen und der Anteil der Erwerbstätigen bei den über 65-Jährigen hat sich in den letzten zehn Jahren von 2,1 Prozent auf 5,2 Prozent mehr als verdoppelt. Laut Wechselberger sei "die Wirtschaft auf diese Entwicklung zu wenig vorbereitet und muss sich erst auf die Bedürfnisse dieser Altersgruppe einstellen."

Reintegration ins Zentrum rücken

Wechselberger begrüßte Initiativen, Menschen nach schweren und langen Erkrankungen wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern, anstatt sie in eine Früh- oder Invalidenpension zu drängen. Neben der Reintegration komme der Prävention der häufigsten Arbeitsplatz-assoziierten Erkrankungen besondere Bedeutung zu, erläuterte Wechselberger. Laut Statistik zählen dazu vor allem Erkrankungen psychischer Natur sowie Probleme des Bewegungsapparates. (vf)

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