• 24.04.2015, 22:00:01
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 25. April 2015. Von MANFRED MITTERWACHAUER. "Eine erkaltete Liebe".

Innsbruck (OTS) - Berechtigte Zweifel oder einfach nur schlechte
Verlierer? Dass Stadt und Land den Song Contest in Innsbruck
finanziell links liegen lassen, ist mehr als nur ein Missverständnis.
Weil sich auch der ORF selbst gehörig verrechnet hat.

Der 60. Eurovision Song Contest (ESC), ausgetragen am 23. Mai in
Wien, ist seit Donnerstagabend das ungeliebte Kellerkind des
offiziellen Tirol. Weder die Stadt Innsbruck noch das Land Tirol
werden dem vom ORF so forcierten Public Viewing einen Cent
zuschießen. Abgesagte Auftritte von Vorjahressiegerin Conchita Wurst
in Reutte und vom diesjährigen Österreich-Beitrag, den Makemakes, in
Telfs passen haargenau ins Bild.
Mit der Inbrunst der Überzeugung lehnte am Donnerstag eine knappe,
21-köpfige Mehrheit aus Grünen, SPÖ, FPÖ, Liste Federspiel und
Inn-Pirat jegliche finanzielle ESC-Beteiligung ab. Nicht nur, weil
man eine "private Konsumfeier" weder mit den vom ORF via einen
externen Veranstalter geforderten 40.000 Euro noch mit den als
Kompromiss von BM Christine Oppitz-Plörer und der oppositionellen ÖVP
befürworteten 20.000 Euro subventionieren will. Vielmehr überwog im
Gemeinderat ganz generell die Skepsis, dass das ESC-Event überhaupt
genug Zugkraft hat, um das Tiroler Publikum für eine öffentliche
Massenveranstaltung begeistern zu können. Eine Sorge, die begründbar
ist. In einer Online-Umfrage der TT gaben erst kürzlich 85 Prozent
ihr Desinteresse an einem Public Viewing an. Und Hand aufs Herz: Wer
erinnert sich noch an die letzten drei ESC-Städte?
Im ORF-Landesstudio Tirol ist der Katzenjammer groß. Landesstudiochef
Helmut Krieghofer hat vor Generaldirektor Alexander Wrabetz
Erklärungsbedarf, wieso ausgerechnet Tirol als einziges Bundesland
aus der ESC-Reihe tanzt. Krieghofer dürfte sich verrechnet haben.
Noch mitten im Austragungsrennen zwischen Innsbruck, Wien und Graz
hielten Stadt und Land dem ORF ein zwölf Millionen Euro schweres
"Sorglospaket" vor die Nase, um den ESC in die Olympiaworld zu
locken. 100.000 Euro für ein Public Viewing hätten jetzt also kein
Problem sein sollen. Daher wurden die Anträge auf Finanzhilfe beiden
Gebietskörperschaften regelrecht vor den Latz geknallt. Dass man nun
für das ESC-Patschenkino zahlen hätte müssen, stieß den
Verantwortlichen aber erneut sauer auf.
Die Stadt mag gewichtige Argumente haben - dennoch wird der Geruch
des schlechten Verlierers an ihr haften bleiben. Wer sich via
Olympiaworld allein die ESC-Bewerbung 63.000 Euro kosten lässt und
für ein einziges Conchita-Wurst-Konzert 30.000 Euro auf den Tisch
blättert, darf sich darüber nicht wirklich wundern. Zumal man an Wien
als siegreiche ESC-Austragungsstätte nie ein gutes Haar gelassen hat.
Tirol, Innsbruck und der Song Contest - das war einmal. Diese Liebe
ist endgültig erkaltet.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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