• 23.04.2015, 17:11:14
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Sind ZuwanderInnen gebildeter als ÖsterreicherInnen

Anfragebesprechung im Nationalrat über Aussagen von Minister Kurz zum Thema Bildung und Migration

Utl.: Anfragebesprechung im Nationalrat über Aussagen von Minister
Kurz zum Thema Bildung und Migration =

Wien (PK) - "Der durchschnittliche Zuwanderer von heute ist
gebildeter als der durchschnittliche Österreicher". Diese in den
Medien zitierte Aussage von Sebastian Kurz sorgte für heftige
Irritation bei der FPÖ und war Anlass für eine parlamentarische
Anfrage, in der Bildungssprecher Walter Rosenkranz den
Integrationsminister um Klarstellung ersuchte. Mit dem Verweis des
Ressortleiters in seiner Beantwortung auf die Daten der Statistik
Austria und eine entsprechende Studie von Professor Rainer Münz
wollten sich die Freiheitlichen nicht zufrieden geben und warfen Kurz
in der heutigen Nationalratssitzung einen selektiven Umgang mit den
Zahlen der Statistik vor. Der Minister hingegen erklärte das höhere
Bildungsniveau mit dem vermehrten Zuzug von Studierenden aus dem EU-
Raum und meinte, die Daten sollten eigentlich Anlass zu Freude geben.

FPÖ wirft Kurz Schönfärben der Statistik vor

Durch Schönfärben der Statistik werde das Bild verzerrt, kritisierte
Walter Rosenkranz (F). So würden ausländische Studierende aus EU-
Staaten, die ja nicht gerade klassische ZuwanderInnen sind, ebenso
mitgezählt wie Österreicher, die nach einem Auslandsaufenthalt wieder
in ihre Heimat zurückkehren. Allein dies sei der Grund für das von
Kurz behauptete höhere Qualifikationsniveau der ZuwanderInnen, gab er
zu bedenken und erinnerte überdies an den Umstand, dass bei den
typischen MigrantInnen aus Ex-Jugoslawien und der Türkei die
Akademikerquote mit rund 5 % weit unter dem Durchschnitt liegt.
Dagmar Belakowitsch-Jenewein pflichtete ihrem Fraktionskollegen bei
und sprach vor allem das niedrige Bildungsniveau in der zweiten
Generation der GastarbeiterInnen an. Kurz rechne Bildungsprobleme
unter den Migranten mit Studierenden aus EU-Staaten auf, konstatierte
sie. Dabei zeige doch schon ein Blick auf die Arbeitslosenrate unter
den AusländerInnen, dass die Zahlen der Statistik nicht
zusammenpassen. 60 % der MigrantInnen verfügen jedenfalls nur über
einen Pflichtschulabschluss. Warum müssen denn so viele
Alphabetisierungskurse für ZuwanderInnen abgehalten werden, wenn, wie
Kurz behauptet, alle MigrantInnen in Österreich so gut qualifiziert
sind, fragte Belakowitsch-Jenewein in den Raum.

Kurz: Gutes Ausbildungsniveau Grund zur Freude

Die Zuwanderungsdebatte brauche weder linke Träumereien auf der einen
noch rechte Hetze auf der anderen Seite, sondern Sachlichkeit,
schickte Integrationsminister Sebastian Kurz voraus. Faktum sei, dass
sich die Zuwanderung in den letzten Jahrzehnten sehr stark verändert
hat. Während früher zahlreiche GastarbeiterInnen mit niedrigem
Bildungsniveau nach Österreich kamen, stammt heute der Großteil der
ZuwanderInnen aus EU-Staaten und hat ein wesentlich höheres
Bildungsniveau. Dass sich der Qualifikationsgrad der Migranten
deutlich verbessert hat, sollte uns nicht traurig stimmen, sondern
vielmehr Anlass zur Freude sein, bemerkte Kurz an die Adresse der FPÖ
gerichtet.

Wenig Sympathie für Bedenken der FPÖ bei SPÖ, ÖVP und Grünen

Nicht Österreich habe ein Problem mit überdurchschnittlich hoch
gebildeter Zuwanderung, sondern die FPÖ, knüpfte SPÖ-Mandatarin
Nurten Yilmaz an den Minister an. Dies vor allem auch, zumal die
Daten dem von den Freiheitlichen propagierten Bild der ungebildeten
Zuwanderung, die unser soziales Netz ausbeuten will, widersprechen.
Als kritikwürdig empfand es Yilmaz vielmehr, dass die gute
Qualifikation vieler ZuwanderInnen in Österreich nicht anerkannt wird
und ausländische MedizinerInnen deshalb als TaxifahrerInnen arbeiten
müssen.

Auch ÖVP-Abgeordneter Asdin El Habbassi warf den Freiheitlichen vor,
die Datenlage nicht zur Kenntnis zu nehmen, meinte aber, trotz der
festgestellten guten Qualifikation dürfe man nicht verschweigen, dass
bei der Zuwanderung "nicht alles palletti ist". So habe es gerade im
Bildungsbereich jahrelange Versäumnisse bei Migranten gegeben. Daher
sei es jetzt umso wichtiger, etwa mit sprachlicher Frühförderung auf
die bestehenden Probleme zu reagieren.

Grünen-Bildungssprecher Harald Walser spielte den Ball an die FPÖ
zurück, der er ein Bildungsproblem diagnostizierte. Er erinnerte in
diesem Zusammenhang an Wahlplakate der Freiheitlichen mit dem
Wortlaut "Wir setzen sich ein, das der Kindergarten in Breiteneich
erhalten bleibt" oder "Keine Sozialwohnung ohne Deutschkenntnise".
Deutsche Sprache, schwere Sprache, folgerte Walser und empfahl der
FPÖ, etwas gnädiger mit den ZuwanderInnen zu sein.

Team Stronach sieht Handlungsbedarf im Bildungssystem, NEOS wollen
Österreich für Hochqualifizierte attraktiv machen

"Sehr zu denken" gab die Aussage von Minister Kurz der Team Stronach-
Abgeordneten Waltraud Dietrich. Wenn die Einheimischen im
Durchschnitt schlechter ausgebildet sind als die ZuwanderInnen, dann
zeige dies einmal mehr, dass Österreich eine verfehlte
Bildungspolitik betreibt, warnte sie. Was die Zuwanderung betrifft
plädierte Dietrich für eine verantwortungsvolle Politik und sprach
sich mit Nachdruck gegen Einwanderung in das soziale Netz aus.

Österreich muss ein attraktives Land für gut qualifizierte
Zuwanderung werden, mahnte namens der NEOS Gerald Loacker und
kritisierte insbesondere bürokratische Schranken auf dem Weg zur Rot-
Weiß-Rot-Card. Scharf ging er aber auch mit der SPÖ ins Gericht, der
er vorwarf, mit ihrer mitunter restriktiven Haltung
Ausländerfeindlichkeit zu schüren. Es gehe jedenfalls nicht an, immer
so zu tun, als würden die heimischen Bauarbeiter durch den Zuzug von
ausländischen Schlüsselkräften ihre Jobs verlieren. (Fortsetzung
Nationalrat) hof

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