• 01.04.2015, 09:45:01
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Proteinkonzentrat APOSEC verringert Schäden bei Rückenmarksverletzungen

Positive Wirkung auch bei Schlaganfallakutbehandlung

Utl.: Positive Wirkung auch bei Schlaganfallakutbehandlung =

Wien (OTS) - Das aus weißen Blutkörperchen gewonnene
Proteinkonzentrat APOSEC vermindert im Tierversuch den Schweregrad
der Schädigungen nach einem Unfall mit Rückenmarksverletzung, wenn
man das Mittel 40 Minuten nach der akuten Läsion in die Bauchhöhle
injiziert. Dadurch können kann folgenschwere Lähmungen vermieden
werden. Das ist das zentrale Ergebnis einer im Top-Journal
"Experimental Neurology" veröffentlichten Studie der Forschergruppe
unter der Leitung von Hendrik Jan Ankersmit an der Klinischen
Abteilung für Thoraxchirurgie der MedUni Wien. Die Studie wurde im
Rahmen der Doktorarbeit des MDPhD-Studenten und Assistenzarztes der
Unfallchirurgie, Thomas Haider, durchgeführt.

"Das Mittel hätte vielleicht auch Samuel Koch nach dem Unfall bei
‚Wetten dass …‘ helfen können", ist Hendrik Jan Ankersmit, Leiter des
Christian Doppler-Labors für Diagnose und Regeneration von Herz- und
Thoraxerkrankungen an der MedUni Wien, aufgrund der präklinischen
Ergebnisse überzeugt. "Es sieht so aus, als ob APOSEC den Schweregrad
von Lähmungen entscheidend beeinflusst."

Bei APOSEC (ein Akronym aus apoptotic secretome) handelt es sich um
lösliche Eiweißstoffe, die von weißen Blutkörperchen nach Bestrahlung
ausgeschüttet werden. Die Gewinnung der weißen Blutkörperchen als
"Bioreaktoren" ist einfach und mit dem Aufwand bei einer
herkömmlichen Blutspende vergleichbar. Das Mittel könnte auf Vorrat
produziert werden und ist damit im Fall der Fälle in
gefriergetrockneter Form als ein "Off-the-shelf"-Produkt leicht
verfügbar. Bereits 2012 hatten Ankersmit und sein Team nachgewiesen,
dass APOSEC bei Herzinfarkt weitgehend die Vernarbung des Herzmuskels
verhindert.

Die ForscherInnen setzen humanes virusinaktiviertes APOSEC
(Blutspendezentrale Linz, Prim. Gabriel) ein, dessen Gebrauch die
österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) für die
klinische Prüfung am Menschen freigegeben hat. Im Experiment wurde
eine Schädigung des Rückenmarks im Tierversuch hervorgerufen. Im
Zeitraum zwischen 40 Minuten und einem Tag nach dem Vorfall wurde
daraufhin der Wirkstoff injiziert.

Das Resultat: Die Schädigungen waren deutlich geringer als bei
Kontrolltieren und korrelierten positiv mit der neurologischen
Rehabilitation. Zudem konnte gezeigt werden, dass APOSEC auch die
Regeneration durch Gefäßneubildung nach derartigen Verletzungen
ankurbelt. Und je früher das Mittel gegeben wurde, desto besser war
der beobachtbare Effekt. Die vermehrte Ausschüttung von
neuroprotektiven Proteinen (CXCL1 und BDNF) durch APOSEC scheint
dafür verantwortlich zu sein. CXCL1 ist für Gefäßneubildung
verantwortlich und der Brain Derived Neurotrophic Factor schützt
Hirngewebe.

Schädigungen bei Schlaganfall um 30 Prozent verringert

Von der Forschungsgruppe wurde ebenfalls nachgewiesen, dass die
Injektion von APOSEC auch bei einem experimentellen akuten
Schlaganfall positive Effekte zeigt. Die durch den Schlaganfall bei
Tieren hervorgerufenen Schädigungen konnten um 30 Prozent verringert
werden. Ankersmit: "Das Infarktvolumen wird damit deutlich
reduziert." Diese Studie wurde vom Diplomstudenten des CD-Labors und
wissenschaftlichen Mitarbeiter der Neurologischen Abteilung der
MedUni Wien, Patrick Altmann, durchgeführt.

Klinisch relevant: Aktuell haben die ForscherInnen in Zusammenarbeit
mit der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie an der MedUni
Wien begonnen, die Wundheilung der Haut mit körpereigenem APOSEC zu
verbessern (ClinicalTrials.gov Identifier: NCT02284360). Diese
akademische klinische Studie ist die weltweit erste Sekretom-basierte
Regenerationsstudie in der Haut und wird von der Christian Doppler
Forschungsgesellschaft finanziert.

Service:

"The Secretome of Apoptotic Human Peripheral Blood Mononuclear Cells
Attenuates Secondary Damage Following Spinal Cord Injury in Rats." T.
Haider, R. Höftberger, B. Rüger, M. Mildner, R. Blumer, A.
Mitterbauer, T. Buchacher, C. Sherif, H. Redl, C. Gabriel, M.
Gyöngyösi, MB Fischerd, G. Lubec, HJ. Ankersmit. Exp Neurol. 2015 Mar
19. pii: S0014-4886(15)00081-3. doi: 10.1016/j.expneurol.2015.03.013.

"Secretomes of apoptotic mononuclear cells ameliorate neurological
damage in rats with focal ischemia." P. Altmann, M. Mildner, T.
Haider, D. Traxler, L. Beer, R. Ristl, B. Golabi, C. Gabriel, F.
Leutmezer, HJ. Ankersmit. F1000Res., 2014, doi:
10.12688/f1000research.4219.2.

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