- 24.03.2015, 22:04:45
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Politik muss mehr sein als der Gedanke an die Schlagzeile von morgen
Parlament: Hohe Auszeichnung für Fritz Neugebauer
Utl.: Parlament: Hohe Auszeichnung für Fritz Neugebauer =
Wien (PK) - Gelegenheit, eine markante Persönlichkeit der
österreichischen Politik zu ehren, bot heute Abend die Überreichung
des Großen Silbernen Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die
Republik Österreich an den langjährigen Parlamentarier und Zweiten
Präsidenten des Nationalrates a.D., Fritz Neugebauer. "Politik muss
mehr sein als der Gedanke an die Schlagzeile von morgen", lautet
einer der bekanntesten Sätze des Gewerkschafters und Parlamentariers,
dem Wegbegleiter, Freunde und politische Gegner konzedieren, in einer
Zeit politischer Beliebigkeit gleichermaßen für Handschlagqualität
und feste Grundsätze wie für Menschlichkeit und Respekt für
Andersdenkende zu stehen. Nationalratspräsidentin Doris Bures
überreichte Fritz Neugebauer die hohe Auszeichnung im Rahmen einer
Feierstunde im Budgetsaal, zu der sie Mitglieder der Bundesregierung,
unter ihnen Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Finanzminister Hans
Jörg Schelling, ehemalige Mitglieder von Bundesregierungen sowie
Abgeordnete und Bundesräte begrüßte. Die Laudatio für Fritz
Neugebauer hielt Bundesminister a.D. Martin Bartenstein. Durch das
von den Neuen Wiener Concert Schrammeln musikalisch umrahmte Programm
führte der ORF-Journalist Roland Adrowitzer.
Fritz Neugebauer - Gewerkschafter, Sozialpartner, Parlamentarier
"Er ist ein ausgefuchster Verhandlungsprofi", erinnerte sich
Nationalratspräsidentin Doris Bures, die den Gewerkschafter
Neugebauer ehedem als für den öffentlichen Dienst zuständige
Bundesministerin in harten Verhandlungen gegenübersaß und dabei seine
Menschlichkeit und seine Handschlagqualität schätzen gelernt habe.
"Er ist mir immer mit Respekt und Wertschätzung gegenübergetreten",
sagte Bures, für die Fritz Neugebauer in einer Reihe mit den großen
Interessenvertretern und Sozialpartnern in der Geschichte Österreichs
steht, mit Johann Böhm, Anton Benya und Rudolf Sallinger. Neugebauer
komme auch das Verdienst zu, sich in einer Zeit, in der Politikern
oft Beliebigkeit vorgeworfen werde, um feste Standpunkte zu bemühen
und davon ausgehend, um gute Lösungen für Österreich. Doris Bures
erinnerte auch an die untadelige Vorsitzführung und an das
demokratische Amtsverständnis des führenden Parlamentariers
Neugebauer, der sich die hohe Auszeichnung durch die Republik
Österreich mehr als verdient habe.
Die Fähigkeit zum ergebnisorientierten Dialog
Zweiter Nationalratspräsident Karlheinz Kopf würdigte das politische
Lebenswerk Fritz Neugebauers und erinnerte an seine vielen
erfolgreich ausgeübten Funktionen als Interessenvertreter und
Politiker. Diesem politischen Lebenswerk gebühre ebenso Anerkennung
wie dem Menschen Fritz Neugebauer Respekt und Wertschätzung. Kopf,
der Neugebauer als innerparteilichen Sozialpartner "als harten, aber
immer fairen Verhandlungspartner" kennenlernte, bezeichnete den
"vermeintlich unerbittlichen Interessenvertreter" Neugebauer in
Wahrheit als einen Sozialpartner, der die Fähigkeit besitze, sich mit
den Ansichten und Positionen anderer - bei aller weltanschaulichen
Differenz - mit Respekt und ergebnisorientiert auseinanderzusetzen.
Als Zweiter Präsident des Nationalrates habe Neugebauer Verhandlungen
des Nationalrates souverän geleitet und sich großen Respekt über alle
Parteigrenzen hinweg erworben. Neugebauer habe auch maßgeblich an
wichtigen Gesetzen mitgewirkt, unter anderem an der Rehabilitierung
der Opfer des autoritären Ständestaates. Es brauche geschichtliches
Bewusstsein, um zu erkennen, das Demokratie und Parlamentarismus
gesellschaftliche Errungenschaften und keine Selbstverständlichkeiten
sind, sagte Kopf, der auch Neugebauers Credo zitierte, dass Politik
"mehr sein muss als der Gedanke an die Schlagzeile von morgen".
Ein Plädoyer für die Sozialpartnerschaft
Bundesminister a.D. Martin Bartenstein schilderte in seiner Laudatio
den beruflichen und gewerkschaftlichen Lebensweg des Wieners Fritz
Neugebauers, der von 1965 bis 1997 als Lehrer an Volks- und
Hauptschulen sowie an Polytechnischen Lehrgängen arbeitete und sich
zunächst als Personalvertreter der Wiener Landeslehrer engagierte.
Von 1975 bis 1989 war Neugebauer Vorsitzender der Bundessektion
Pflichtschullehrer in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD).
1989 wurde er zum Vorsitzenden-Stellvertreter der GÖD gewählt. Von
1991 bis 2003 war er Vizepräsident des Österreichischen
Gewerkschaftsbundes (ÖGB) und Vorsitzender der Fraktion Christlicher
Gewerkschafter (FCG). Seit 1997 fungiert Fritz Neugebauer als
Vorsitzender der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst. An dieser Stelle
unterstrich Bartenstein die Bedeutung des überparteilichen
Gewerkschaftsbundes mit einem hohen Repräsentationsgrad und die Rolle
der Sozialpartnerschaft für Österreich.
In den Nationalrat - wo er mit geschliffener Rhetorik brillierte -
wurde Neugebauer erstmals 1996 gewählt. Von 2002 bis 2013 gehörte er
dem Hohen Haus ständig an und wurde im Dezember 2008 zum Zweiten
Nationalratspräsidenten gewählt. An dieser Stelle bezeichnete es
Martin Bartenstein als sehr wünschenswert, dass Sozialpartner
parlamentarische Funktionen wahrnehmen und würdigte zudem Fritz
Neugebauers Engagement jenseits der Grenzen Österreichs, etwa für die
polnische Solidarnosc und für GewerkschafterInnen in den ehemaligen
kommunistischen Ländern.
Stolz auf Österreich
Der Zweite Nationalratspräsident a.D. Fritz Neugebauer - der von
Innenministerin Johanna Mikl-Leitner auch ein verspätetes
Geburtstagsgeschenk, eine Torte in den grünweißen Farben seines
Lieblings-Fußballklubs Rapid Wien erhielt -, nahm in seinen
Dankesworten politisch kein Blatt vor den Mund und verknüpfte
rückblickende Betrachtungen mit aktuellen politischen Aussagen.
Erinnerungen an seinen Schulalltag in den sechziger Jahren
veranlassten den Pädagogen Neugebauer, auf die enorm gestiegenen
Anforderungen an heutige LehrereInnen aufmerksam zu machen, von denen
erwartet werde, Defizite der gesellschaftlichen Entwicklung
auszugleichen. Neugebauer verlangte, die Leistung der LehrerInnen
anzuerkennen und unterstrich dabei die Bedeutung musischer und
sprachlicher Bildung sowie der Frühkindpädagogik. Als Gewerkschafter
betonte Neugebauer die Bedeutung der Arbeitsfreude und brach eine
Lanze für die verantwortungsvolle Arbeit von Lokomotivführern und
ExekutivbeamtInnen, "die ihren Kopf dort hinhalten, wo ihn andere
einziehen". An dieser Stelle warnte Neugebauer mit Bezug auf die
Budgetpolitik davor, den öffentlichen Dienst als eine Art "freie
Rücklage" zu betrachten. Zugleich brachte Neugebauer seinen Respekt
für Menschen zum Ausdruck, die als Nebenerwerbsbauern für ihren
Lebensunterhalt sorgen müssen oder das unternehmerische Risiko für
einen Klein- oder Mittelbetrieb tragen.
Stolz zeigte sich Fritz Neugebauer auf die Erfolge der
österreichischen Sozialpartnerschaft sowie darauf, dass es gelungen
sei, die Sozialpartnerschaft im Lissabonner Vertrag der Europäischen
Union zu verankern. Das Vorbild der österreichischen
Sozialpartnerschaft sei für diese europäische Entscheidung mit
maßgeblich gewesen, sagte Fritz Neugebauer.
Zum Schluss betonte Neugebauer die Notwendigkeit, Demokratie und
Rechtsstaat sowie das Friedensprojekt Europa weiterzuentwickeln,
wobei es - wie immer in der Politik - darauf ankomme, miteinander zu
reden, Vorurteile abzubauen und gemeinsam Verantwortung zu tragen.
(Schluss) fru
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie im Fotoalbum auf
www.parlament.gv.at.
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