• 20.03.2015, 11:46:46
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Stress verursacht enorme Kosten für alle und hohes Leid: AK Oberösterreich appelliert an Arbeitgeber

Linz (OTS) - Die aktuellen Ergebnisse des Arbeitsklima Index zum
Thema Stress sind erschreckend: 44 Prozent der Arbeitnehmer/-innen in
Österreich leiden unter Stress, der sie häufig auch krank macht. Um
EU-weite Erkenntnisse zu diesem gesamtgesellschaftlichen Problem zu
präsentieren und Lösungsansätze zu diskutieren, veranstaltete die
Arbeiterkammer OÖ gemeinsam mit dem Sozialministerium heute in Wien
die internationale Expertentagung "Arbeitsbedingungen und Stress" im
Rahmen der Europäischen Kampagne "Gesunde Arbeitsplätze - den Stress
managen". AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer forderte dabei die
Arbeitgeber/-innen auf, krank machende Arbeitsbedingungen
abzustellen.

Dr.in Christa Sedlatschek, Direktorin der Europäischen Agentur für
Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, unterstrich die
Wichtigkeit, gemeinsam gegen Stress in der Arbeitswelt vorzugehen:
"Stress am Arbeitsplatz ist das zweithäufigste arbeitsbedingte
Gesundheitsproblem in Europa. Zusammen mit anderen psychosozialen
Risiken verursacht er mehr als die Hälfte aller Krankenstandstage und
direkte und indirekte Kosten in Milliardenhöhe. Mit unserer EU-weiten
Kampagne möchten wir für das Thema sensibilisieren und Unternehmen
praktische Unterstützung und Hilfestellungen anbieten."

Die aktuelle Auswertung des Arbeitsklima Index, bei dem 1000
Arbeitnehmer/-innen in ganz Österreich befragt wurden, ist
erschreckend: Fast die Hälfte der Arbeitnehmer/-innen leidet in ihrer
beruflichen Tätigkeit unter Zeitdruck. Mehr als ein Drittel arbeitet
unter ständigem Arbeitsdruck und hat keine Zeit zum Verschnaufen, 44
Prozent fühlen sich durch dauernd hohe Konzentration belastet. Mehr
als jeder Fünfte gibt an, dass die Freizeit durch berufliche
Verpflichtungen unterbrochen wird und mehr als zwei Drittel klagen
über Stress im Alltagsleben, das sich aus Berufstätigkeit und
arbeitsfreien Phasen ergibt. Insgesamt gaben von allen Befragten 44
Prozent an, sehr stark oder stark von Stress betroffen zu sein. Vor
allem Lehrer/-innen, medizinische Pflegekräfte und
Berufsfahrer/-innen sind nach eigenen Angaben durch Stress belastet.

Großen Einfluss hat die Arbeitszeit. Beschäftigte, die mehr als
45,5 Stunden pro Woche arbeiten, und Arbeitnehmer/-innen, die häufig
Überstunden machen, sind deutlich stärker durch Stress belastet. Die
Arbeiterkammer fordert deswegen kürzere Arbeitszeiten und weniger
Überstunden, zum Beispiel durch die Einführung eines Arbeitsmarkts-
und Gesundheitseuros auf jede Überstunde, die die Unternehmen an den
Staat abführen sollen.

Bei vielen Arbeitnehmern/-innen führt länger andauernde
Arbeitsüberlastung und Überforderung zu Stress, der auch krank machen
kann. Mittlerweile sind Erschöpfung und Depressionen neben
Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates die häufigste Ursache
für arbeitsbedingte Erkrankung. Durch Stress verursachte Krankheiten
lösen so neben menschlichem Leid bei der/dem Betroffenen auch
betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten aus.

AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer forderte bei der Tagung die
Betriebe auf, ihrer gesetzlichen Verantwortung nachzukommen: "Die
Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sollten auch aus einem
Eigeninteresse heraus dafür sorgen, wirksame Maßnahmen in den
Betrieben umzusetzen, durch die die Beschäftigten ihre Arbeit gesund
bis zu Pension ausüben können." Aus Sicht der AK Oberösterreich
müssen vor allem die Evaluierungen von psychischen Belastungen, die
seit Anfang 2013 durch eine Novelle im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz
verpflichtend sind, vorangetrieben und wirksame Maßnahmen daraus
abgeleitet werden.
Vor allem die Ausstattung des Arbeitsinspektorats mit mehr Ressourcen
und Kompetenzen, um die Betriebskontrollen und die Beratungsaufgaben
im Bereich psychischer Belastungen besser erfüllen zu können, ist aus
Sicht der AK dringend notwendig.

Dr.in Anna Ritzberger-Moser, Leiterin der Sektion Arbeitsrecht und
Zentral-Arbeitsinspektorat, berichtete von ersten Erfolgen dieses
wichtigen Instrumentariums: Waren es im Jahr 2012 noch 3040 Betriebe
und Arbeitsstätten, die vom Arbeitsinspektorat auf psychische
Belastungen geprüft wurden, waren es 2014 bereits 4973 - eine
Steigerung von mehr als 60 Prozent. "Durch die von uns gewählte
Vorgehensweise bei den Kontrollen, die immer auch mit einer Beratung
verbunden sind, unterstützen wir die Betriebe dabei, sich den
Anforderungen einer stetig ändernden Arbeitswelt bestmöglich
anzupassen, indem die Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass
Menschen psychisch gesund und sicher arbeiten können" so
Ritzberger-Moser.

Bundesminister Rudolf Hundstorfer sagte seine Unterstützung für
den gemeinsamen Einsatz für gute Arbeitsbedingungen zu: "Bereits mit
der Novelle des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes 2013 haben wir einen
Stein ins Rollen gebracht. Mittlerweile ist das Thema in den
Betrieben angekommen. Dennoch werden wir nicht locker lassen,
Unternehmen zu motivieren und zu unterstützen. Denn menschengerechte
Arbeitsbedingungen und stressfreie Arbeitsplätze sind im Interesse
aller - der Betriebe, der Arbeitnehmer/-innen und letztendlich der
Steuerzahler/-innen."

Die gesamte Presseunterlage inklusive näherer Auswertungsdetails
des aktuellen Arbeitsklima Index zum Thema Stress sowie druckfähige
Fotos von der Pressekonferenz finden Sie online auf
ooe.arbeiterkammer.at

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