- 10.03.2015, 22:00:32
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Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 11. März; Leitartikel von Christian Jentsch: "Gefährliche Koalition der Verhinderer"
Innsbruck (OTS) - Utl: US-Republikaner schießen in einem Brief
scharf gegen ein mögliches Atomabkommen mit dem Iran. Sie düpieren
damit nicht nur Präsident Obama, sie setzen damit auch jahrelange
Verhandlungen aufs Spiel. Und stehen der Zukunft im Weg.
Der politische Kamikaze-Akt der Republikaner lässt die Wogen
hochgehen: 47 US-republikanische Senatoren legten in einem offenen
Brief an Teheran klar, dass der Atomstreit mit dem Iran auch bei
einer Verhandlungslösung mitnichten beigelegt sei. Obamas Nachfolger
könnte das Abkommen mit einem Federstreich widerrufen, der Kongress
die Bedingungen jederzeit ändern, ließen die Senatoren die iranische
Führung wissen. Ein ungewöhnlicher Schritt, um die Atomverhandlungen
der fünf UNO-Vetomächte sowie Deutschlands mit dem Iran in der
entscheidenden Phase der Gespräche zu torpedieren. Bis Ende März soll
eine Rahmenvereinbarung ausverhandelt werden, bis Anfang Juli wird
ein vollständiges Abkommen mit dem Iran angestrebt, um das Kriegsbeil
nach Jahrzehnten des Konflikts endlich zu begraben.
Doch nicht alle sind bereit, die Friedenspfeife zu rauchen. Nicht
alle sind bereit, an zukunftsorientierten Lösungen zu arbeiten und
dafür jahrzehntelang gepflegte Feindschaften zu überwinden.
Wer im Atomkonflikt keine Lösung auf dem Verhandlungstisch will -
wobei es zuletzt durchaus ermutigende Signale für eine Einigung gab -
muss aber auch die Alternativen aufzeigen. Dabei ist eines klar: Die
militärische Option, ein Krieg gegen den Iran, würde eine Eskalation
heraufbeschwören, die das Pulverfass Naher Osten wohl endgültig zur
Explosion bringt. Ein Krieg würde den Zerfall der Region, in dem die
Terrormiliz "Islamischer Staat" am Vormarsch ist, weiter
beschleunigen.
Natürlich sind die Sicherheitsinteressen Israels in den
Verhandlungen mit dem Iran von zentraler Bedeutung, natürlich muss
der Iran mit allen Mitteln daran gehindert werden, eine Atombombe zu
bauen.
Aber: Jegliche Chance auf eine friedliche Lösung des Konflikts zu
torpedieren, ist schlicht fahrlässig. Mit dieser Strategie verbrüdern
sich die Verhinderer in den USA mit den Hardlinern im Iran. Auch sie
wollen keine Einigung mit dem Westen, auch sie favorisieren den
Konflikt, um politisch zu überleben. Wobei es die US-Republikaner
nicht nur auf den Iran abgesehen haben. Ihnen geht es vor allem
darum, Präsident Barack Obama massiv zu schaden - und das mit allen
Mitteln. Dafür darf sogar die Stellung des US-Präsidenten auf dem
internationalen Parkett untergraben werden. Dafür dürfen die
jahrelangen Verhandlungen der USA und der internationalen
Gemeinschaft ins Lächerliche█ gezogen werden. Ein gefährliches Spiel
in der Wüste der Ignoranz.
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