- 09.03.2015, 09:00:04
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Heimische Konjunktur zur Zeit noch schwach
Wien (OTS) - Gemäß der Quartalsrechnung des WIFO stagnierte die
Wirtschaftsleistung im IV. Quartal 2014 gegenüber dem Vorquartal.
Gegenüber dem Vorjahr war ein Rückgang von 0,2% zu verzeichnen. Für
das gesamte Jahr 2014 ergibt sich ein Wirtschaftswachstum von 0,3%.
Die leichte Verstärkung der außenwirtschaftlichen Impulse gegen
Jahresende 2014 fiel zu gering aus, um der Schwäche der
Binnennachfrage entgegenzuwirken. Das Bild der Vorlaufindikatoren ist
seit längerem trüb und hat sich neuerlich verschlechtert. Vor diesem
Hintergrund dürfte trotz des zuletzt niedrigen Rohölpreisniveaus auch
das I. Quartal 2015 von einer trägen Dynamik geprägt sein.
Das niedrige Niveau der Rohölpreise unterstützt zwar die Erholung
der Weltwirtschaft, dennoch belebt sich die Konjunktur weiterhin nur
allmählich, und die Entwicklung verläuft in den einzelnen Regionen
unterschiedlich. In den USA ist nach wie vor ein kräftiges Wachstum
zu verzeichnen, während die Dynamik in China nachlässt und in
Brasilien nicht an Schwung gewinnt. In Russland verschlechterte sich
die Wirtschaftslage neuerlich; die Ansteckungseffekte für andere
Schwellenländer waren bislang begrenzt. Der Welthandel weist
Anzeichen einer Belebung auf. Wegen der Energieverbilligung ist die
Inflationsrate in vielen Industrieländern rückläufig. Im Euro-Raum
gaben die kurzfristigen Geldmarktzinssätze in einem Umfeld erhöhter
Überschussliquidität weiter nach und befanden sich zeitweilig auf
einem neuen Tiefstand. Die langfristigen Zinssätze erreichten
ebenfalls einen neuen Tiefstwert und spiegelten damit die
Wachstumsflaute und die gedämpfte Inflationsdynamik sowie die
Erwartungen zum Ankauf von Staatsanleihen durch das Eurosystem wider.
Unterdessen zogen die Aktienkurse im Euro-Raum weiter an. Der Euro
wertete sowohl nominell-effektiv als auch bilateral gegenüber dem
Dollar erneut ab.
Die österreichische Volkswirtschaft stagnierte im 2. Halbjahr
2014. Zur Zeit fehlen expansive Impulse sowohl aus dem Inland als
auch aus dem Ausland. Die Schwäche der Binnennachfrage und der
Exporte sowie der Rückgang der Wertschöpfung in der
Sachgütererzeugung und im Bauwesen prägten die Entwicklung im IV.
Quartal 2014. Die Kombination aus ungünstiger Auftragslage, Abnahme
der in- und ausländischen Endnachfrage und trüber Stimmung resultiert
in einer Zurückhaltung der Investitionen. Damit hielt die träge
Entwicklung der Vorquartale Ende 2014 an. Im Vorjahresvergleich sank
die gesamtwirtschaftliche Produktion im IV. Quartal um 0,2%. Für das
Jahr 2014 ergibt sich insgesamt ein Wirtschaftswachstum von 0,3%.
Die der Wirtschaftsentwicklung vorlaufenden Indikatoren kündigen
auch für die kommenden Monate keine Belebung an, großteils
verschlechterten sie sich zuletzt sogar.
Trotz der verhaltenen Konjunktur wird die Beschäftigung anhaltend
ausgeweitet (unselbständig aktiv Beschäftigte Februar 2015 +22.000
gegenüber dem Vorjahr; vorläufige Daten), zugleich nimmt das
Arbeitskräfteangebot kräftig zu. Im Februar registrierte das
Arbeitsmarktservice 397.600 Arbeitslose. Die saisonbereinigte
Arbeitslosenquote betrug damit 8,8%.
Methodische Hinweise und Kurzglossar
Periodenvergleiche
Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen"
Bezug genommen.
Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.
Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.
Wachstumsüberhang
Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres
(t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1,
wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0
(in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.
Durchschnittliche Veränderungsraten
Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.
Reale und nominelle Größen
Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.
Produzierender Bereich
Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.
Inflation, VPI und HVPI
Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch
http://www.statistik.at/ ).
Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.
WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die
Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem
der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.
Arbeitslosenquote
Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.
Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).
Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote
Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.
Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".
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