- 04.03.2015, 22:00:33
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 5. März 2015. Von MICHAEL SPRENGER. "Ernüchterndes Zeugnis".
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Der Evaluierungsbericht zur Neuen
Mittelschule liegt vor. Das Zeugnis fiel schlecht aus. Anderes war
vielleicht in den wenigen Jahren nicht zu erwarten. Was es jetzt
braucht, ist eine Ministerin, die für eine neue Schule brennt.
Claudia Schmied musste damals, als sie in ihrer SPÖ als Ministerin
noch geschätzt wurde, bald erkennen, dass die Umsetzung einer
gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen mit der seinerzeitigen ÖVP
nicht zu machen war. Doch Schmied wollte nicht aufgeben, entschied
sich für einen langen Weg. Die Neue Mittelschule sollte zur
Erfolgsgeschichte werden, um so in der ÖVP das Umdenken zu
erleichtern. Wurde Schmieds langer Weg zum Irrweg? Im Vergleich zur
Hauptschule konnte die Neue Mittelschule jedenfalls keine
nennenswerten Verbesserungen bringen. Soweit der ernüchternde
Evaluierungsbericht.
Was also tun? Das Projekt Neue Mittelschule einfach wieder abblasen?
Dies würde vielleicht zur heimischen Bildungspolitik der
Vergangenheit passen, wäre aber fatal. Auch wenn der Weg über die
Neue Mittelschule wohl nicht (so schnell) zu einer gemeinsamen Schule
führen wird, war die pädagogische Grundüberlegung eine richtige. In
den so genannten Hauptfächern Mathematik, Deutsch und Englisch
sollten zwei Lehrpersonen eingesetzt werden. Zudem das Grundkonzept
auf Individualisierung, differenzierten Unterricht in der Klasse
sowie Förder- und Leistungskurse bis hin zur Begabtenförderung
abgestimmt werden. In den Klassen sollten zudem Gymnasiallehrer
unterrichten, um eine weitere Verschränkung von AHS-Unterstufe und
Neuer Mittelschule zu erreichen. Doch die Lehrer kamen nicht. So
wurden vielfach engagierte Pädagogen mit den konzeptionellen Vorgaben
der Neuen Mittelschule einfach von Ministerium und Landesschulräten
alleine gelassen.
Wenn jetzt Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek in einer
schriftlichen Stellungnahme zum Evaluierungsbericht erklärt, es
handle sich bei der Neuen Mittelschule um "ein starkes und gutes
Projekt", allerdings müsse noch nachgebessert werden, so klingt dies
alles nach Durchhalteparole. Heinisch-Hosek ist politisch schwer
angeschlagen, verkriecht sich immer öfter im Schneckenhaus. Doch was
es jetzt braucht, ist eine aktive Ministerin, die es versteht, den
neuen Geist in der ÖVP seit Reinhold Mitterlehner für die Bildung,
für eine neue Schule zu nützen. Die es versteht, die engagierten
Lehrer zu unterstützen. Was es jetzt braucht, ist eine
Bildungsministerin mit Leidenschaft, die für ihre Idee brennt.
Wenn sie jedoch kein Feuer mehr in sich verspürt, wenn ihr die eigene
Partei die Unterstützung verweigert, soll sie es uns laut mitteilen.
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