Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 5. März 2015. Von MICHAEL SPRENGER. "Ernüchterndes Zeugnis".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Der Evaluierungsbericht zur Neuen Mittelschule liegt vor. Das Zeugnis fiel schlecht aus. Anderes war vielleicht in den wenigen Jahren nicht zu erwarten. Was es jetzt braucht, ist eine Ministerin, die für eine neue Schule brennt.

Claudia Schmied musste damals, als sie in ihrer SPÖ als Ministerin noch geschätzt wurde, bald erkennen, dass die Umsetzung einer gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen mit der seinerzeitigen ÖVP nicht zu machen war. Doch Schmied wollte nicht aufgeben, entschied sich für einen langen Weg. Die Neue Mittelschule sollte zur Erfolgsgeschichte werden, um so in der ÖVP das Umdenken zu erleichtern. Wurde Schmieds langer Weg zum Irrweg? Im Vergleich zur Hauptschule konnte die Neue Mittelschule jedenfalls keine nennenswerten Verbesserungen bringen. Soweit der ernüchternde Evaluierungsbericht.
Was also tun? Das Projekt Neue Mittelschule einfach wieder abblasen? Dies würde vielleicht zur heimischen Bildungspolitik der Vergangenheit passen, wäre aber fatal. Auch wenn der Weg über die Neue Mittelschule wohl nicht (so schnell) zu einer gemeinsamen Schule führen wird, war die pädagogische Grundüberlegung eine richtige. In den so genannten Hauptfächern Mathematik, Deutsch und Englisch sollten zwei Lehrpersonen eingesetzt werden. Zudem das Grundkonzept auf Individualisierung, differenzierten Unterricht in der Klasse sowie Förder- und Leistungskurse bis hin zur Begabtenförderung abgestimmt werden. In den Klassen sollten zudem Gymnasiallehrer unterrichten, um eine weitere Verschränkung von AHS-Unterstufe und Neuer Mittelschule zu erreichen. Doch die Lehrer kamen nicht. So wurden vielfach engagierte Pädagogen mit den konzeptionellen Vorgaben der Neuen Mittelschule einfach von Ministerium und Landesschulräten alleine gelassen.
Wenn jetzt Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek in einer schriftlichen Stellungnahme zum Evaluierungsbericht erklärt, es handle sich bei der Neuen Mittelschule um "ein starkes und gutes Projekt", allerdings müsse noch nachgebessert werden, so klingt dies alles nach Durchhalteparole. Heinisch-Hosek ist politisch schwer angeschlagen, verkriecht sich immer öfter im Schneckenhaus. Doch was es jetzt braucht, ist eine aktive Ministerin, die es versteht, den neuen Geist in der ÖVP seit Reinhold Mitterlehner für die Bildung, für eine neue Schule zu nützen. Die es versteht, die engagierten Lehrer zu unterstützen. Was es jetzt braucht, ist eine Bildungsministerin mit Leidenschaft, die für ihre Idee brennt.
Wenn sie jedoch kein Feuer mehr in sich verspürt, wenn ihr die eigene Partei die Unterstützung verweigert, soll sie es uns laut mitteilen.

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