- 26.02.2015, 12:57:39
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SOS-Kinderdorf: In gelingendes Leben investieren - auch für unbegleitet minderjährige Flüchtlinge!
Salzburg/Innsbruck/Wien (OTS) - (26.2.2015).- Gestern wurde im
Salzburger Landtag die Regierungsvorlage zum neuen Kinder- und
Jugendhilfegesetz beraten. Der Entwurf beinhaltet einige
Veränderungen in Richtung mehr Prävention, die SOS-Kinderdorf
begrüßt: etwa frühe Hilfen und mehr Leistungen für junge Mütter
zwischen 18 und 21 Jahren, das durchgängige Vier-Augen-Prinzip oder
bei Notwendigkeit zusätzliche individuelle Betreuung
fremduntergebrachter Kinder/Jugendlicher in Wohngemeinschaften oder
SOS-Kinderdörfern - bleibt abzuwarten, wie die Definition "notwendig"
interpretiert wird.
Unbegleitet minderjährig Flüchtlinge bleiben im Gesetz.
Klares Konzept für dringend notwendige Verbesserungen fehlt
weiterhin!
Der Plan, unbegleitet minderjährige Flüchtlinge ganz aus der Kinder-
und Jugendhilfe herauszunehmen, wurde nach breiten Protesten fallen
gelassen. Wenn Landesrat Schellhorn nun betont, mit dem neuen Gesetz
"in Lebensglück und nicht in lebenslange Problemfälle zu
investieren", trifft das auf jugendliche Flüchtlinge allerdings nur
bedingt zu. "Seit fast 15 Jahren - so lange gibt es das
SOS-Kinderdorf Clearing-house für junge Flüchtlinge in Salzburg -
diskutieren und kämpfen wir um faire Bedingungen für diese Gruppe
junger Menschen", sagt Wolfgang Arming, Leiter von SOS-Kinderdorf in
Salzburg. "Verbessert hat sich seither kaum etwas! Im Gegenteil: Die
Tagsätze blieben über viele Jahre eingefroren!"
Für die Betreuung unbegleitet minderjähriger Flüchtlinge gibt es
Tagsätze von 39 Euro, 62 Euro und 77 Euro. "Damit ist keine
altersgerechte Betreuung leistbar", erklärt Arming aus der Praxis.
Für eine adäquate Wohnsituation der Jugendlichen (zum Teil noch
Kinder), eine gute medizinische und psychologische Begleitung (viele
sind durch die Flucht traumatisiert), für Deutschkurse und andere
Bildungsangebote, für rechtliche Beratung und attraktive
Freizeitangebote reichen die Tagsätze bei weitem nicht!"
Gerade bei jugendlichen Flüchtlingen würde sich ein Mehr an
Investition für "ein gelingendes Leben" mehr als rechnen. "Nur wenn
wir verstärkt in die Bereiche Sprache, Bildung, Qualifikation
investieren, können sich diese jungen Menschen später in die
Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt integrieren - die wir sonst
verlieren!", bringt es Arming auf den Punkt. Es zeigt sich, dass ein
großer Teil der Jugendlichen, denen diese Basis fehlt, später in der
Mindestsicherung landen. Ddas kostet den Staat und Steuerzahler dann
durch Folgekosten ein Vielfaches.
Neben dem SOS-Clearing-house in Salzburg für rund 50 Flüchtlinge
betreibt SOS-Kinderdorf mit dem Biwak in Hall in Tirol ein zweites
Angebot für 15 unbegleitet minderjährige Flüchtlinge. Wolfgang
Katsch, SOS-Kinderdorf Geschäftsleiter für Salzburg, Tirol,
Vorarlberg zur aktuellen Diskussion: "Wir sind gerne bereit unsere
Erfahrungen einzubringen und haben den Landesregierungen auch
konkrete Angebote zur Zusammenarbeit bei der Planung neuer Projekte
für junge Flüchtlinge gemacht", so Katsch und ergänzt: "Was ich mir
wünschte, wäre, dass man nicht nur über Quartiere, Quoten und
Verteilerzentren spricht, sondern über menschenwürdiges Wohnen,
kindgerechtes Leben, Bildung und, Integration!"
Es gibt keine halben Kinder!
Eine grundsätzlich Forderung, die SOS-Kinderdorf seit Jahren
verfolgt: egal, ob ein Kind/Jugendlicher, das/der nicht zuhause bei
den Eltern aufwachsen kann, aus Tirol, Salzburg, Afghanistan oder
Somalia stammt: Im Sinne der UN-Kinderrechte und der österreichischen
Verfassung sollten alle dieselbe Unterstützung (sprich "Tagsätze")
durch die Kinder- und Jugendhilfe bekommen - dann wäre das Problem
der unbegleitet minderjährigen Flüchtlinge schon lange gelöst!
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