SOS-Kinderdorf: In gelingendes Leben investieren - auch für unbegleitet minderjährige Flüchtlinge!

Salzburg/Innsbruck/Wien (OTS) - (26.2.2015).- Gestern wurde im Salzburger Landtag die Regierungsvorlage zum neuen Kinder- und Jugendhilfegesetz beraten. Der Entwurf beinhaltet einige Veränderungen in Richtung mehr Prävention, die SOS-Kinderdorf begrüßt: etwa frühe Hilfen und mehr Leistungen für junge Mütter zwischen 18 und 21 Jahren, das durchgängige Vier-Augen-Prinzip oder bei Notwendigkeit zusätzliche individuelle Betreuung fremduntergebrachter Kinder/Jugendlicher in Wohngemeinschaften oder SOS-Kinderdörfern - bleibt abzuwarten, wie die Definition "notwendig" interpretiert wird.

Unbegleitet minderjährig Flüchtlinge bleiben im Gesetz. Klares Konzept für dringend notwendige Verbesserungen fehlt weiterhin!

Der Plan, unbegleitet minderjährige Flüchtlinge ganz aus der Kinder-und Jugendhilfe herauszunehmen, wurde nach breiten Protesten fallen gelassen. Wenn Landesrat Schellhorn nun betont, mit dem neuen Gesetz "in Lebensglück und nicht in lebenslange Problemfälle zu investieren", trifft das auf jugendliche Flüchtlinge allerdings nur bedingt zu. "Seit fast 15 Jahren - so lange gibt es das SOS-Kinderdorf Clearing-house für junge Flüchtlinge in Salzburg -diskutieren und kämpfen wir um faire Bedingungen für diese Gruppe junger Menschen", sagt Wolfgang Arming, Leiter von SOS-Kinderdorf in Salzburg. "Verbessert hat sich seither kaum etwas! Im Gegenteil: Die Tagsätze blieben über viele Jahre eingefroren!"

Für die Betreuung unbegleitet minderjähriger Flüchtlinge gibt es Tagsätze von 39 Euro, 62 Euro und 77 Euro. "Damit ist keine altersgerechte Betreuung leistbar", erklärt Arming aus der Praxis. Für eine adäquate Wohnsituation der Jugendlichen (zum Teil noch Kinder), eine gute medizinische und psychologische Begleitung (viele sind durch die Flucht traumatisiert), für Deutschkurse und andere Bildungsangebote, für rechtliche Beratung und attraktive Freizeitangebote reichen die Tagsätze bei weitem nicht!"

Gerade bei jugendlichen Flüchtlingen würde sich ein Mehr an Investition für "ein gelingendes Leben" mehr als rechnen. "Nur wenn wir verstärkt in die Bereiche Sprache, Bildung, Qualifikation investieren, können sich diese jungen Menschen später in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt integrieren - die wir sonst verlieren!", bringt es Arming auf den Punkt. Es zeigt sich, dass ein großer Teil der Jugendlichen, denen diese Basis fehlt, später in der Mindestsicherung landen. Ddas kostet den Staat und Steuerzahler dann durch Folgekosten ein Vielfaches.

Neben dem SOS-Clearing-house in Salzburg für rund 50 Flüchtlinge betreibt SOS-Kinderdorf mit dem Biwak in Hall in Tirol ein zweites Angebot für 15 unbegleitet minderjährige Flüchtlinge. Wolfgang Katsch, SOS-Kinderdorf Geschäftsleiter für Salzburg, Tirol, Vorarlberg zur aktuellen Diskussion: "Wir sind gerne bereit unsere Erfahrungen einzubringen und haben den Landesregierungen auch konkrete Angebote zur Zusammenarbeit bei der Planung neuer Projekte für junge Flüchtlinge gemacht", so Katsch und ergänzt: "Was ich mir wünschte, wäre, dass man nicht nur über Quartiere, Quoten und Verteilerzentren spricht, sondern über menschenwürdiges Wohnen, kindgerechtes Leben, Bildung und, Integration!"

Es gibt keine halben Kinder!

Eine grundsätzlich Forderung, die SOS-Kinderdorf seit Jahren verfolgt: egal, ob ein Kind/Jugendlicher, das/der nicht zuhause bei den Eltern aufwachsen kann, aus Tirol, Salzburg, Afghanistan oder Somalia stammt: Im Sinne der UN-Kinderrechte und der österreichischen Verfassung sollten alle dieselbe Unterstützung (sprich "Tagsätze") durch die Kinder- und Jugendhilfe bekommen - dann wäre das Problem der unbegleitet minderjährigen Flüchtlinge schon lange gelöst!

Rückfragen & Kontakt:

Viktor Trager, SOS-Kinderdorf/Presse (Innsbruck),
Tel. 0676/88144201, viktor.trager@sos-kd.org
Martina Stemmer, SOS-Kinderdorf/Presse (Wien),
Tel. 0699/11153246, martina.stemmer@sos-kinderdorf.at

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