Pfotenhilfe informiert: Hundeerziehung, aber richtig

Hunden lernen nur solange sie noch Welpen sind - ein Vorurteil

Wien/Lochen am See (OTS) - Wir haben sie alle schon einmal gehört -Aussagen wie "Mein Hund ist schon ausgewachsen, der lässt sich nicht mehr erziehen" oder "Mein Hund ist schon alt und kann sich schlecht umstellen". Die Annahme, dass Hunde nur im Welpenalter lernen, ist offensichtlich weit verbreitet, aber stimmt das auch? Die Pfotenhilfe hat sich diesem Thema angenommen und informiert über richtige Hundeerziehung.

Es ist schon richtig, dass Hunde in ihrer Sozialisierungsphase, die in etwa von der vierten bis zur sechzehnten Lebenswoche andauert, besonders leicht lernen, denn in dieser Zeit entwickelt sich das Gehirn des Hundes. In diesem Zeitraum sind die Hunde noch geschützt in der Gruppe und wer ihnen in dieser Zeit begegnet und keinen schlechten Eindruck hinterlässt, wird auch später vom Vierbeiner als Freund bzw. Sozialpartner akzeptiert. "Genau aus diesem Grund ist es sehr sinnvoll, dass Hunde bereits als Welpen viele positive Erfahrungen mit anderen Hunden, aber auch Menschen und Katzen sammeln", erklärt Sascha Sautner, Sprecher der Pfotenhilfe. Auch die unterschiedlichsten Alltagsgeräusche, wie Staubsauger, Küchengeräte oder das Vorbeifahren von Fahrrädern oder Autos sollten die Tiere in dieser Phase kennenlernen, denn das erleichtert den späteren gemeinsamen Alltag wesentlich.

Ab der neunten Lebenswoche beginnt in der Regel bei Hunden eine erste Phase der Unsicherheit, in der es sinnvoll ist, dass der Welpe durch Mutter und Geschwister Sicherheit erfährt. Das ist auch einer der Gründe, weshalb Hunde frühestens ab der zehnten Lebenswoche von ihrer Mutter und dem bisherigen Umfeld getrennt werden sollten, um in ein neues Zuhause zu übersiedeln.

Am wichtigsten ist, dass der Welpe lernt, der Umwelt und seiner Bezugsperson zu vertrauen. Kann er die Eindrücke gut verarbeiten und vertraut er seinem Halter, wird er sich später in unangenehmen Situationen gelassener zeigen. "Macht ein junger Welpe jedoch in dieser Zeit schlechte Erfahrungen, wird er später in ähnlichen Situationen auch unsicher reagieren", so Sautner. Auch das Fehlen von Erfahrungen wirkt sich auf die Entwicklung von Hunden negativ aus, weil dann die nötigen Nervenzellenverbindungen zu wenig genutzt wurden und der Hund im Erwachsenenalter nur eine bestimmte Zahl von Reizen verarbeiten kann. Kennt er also beispielsweise nur die Wiese vor dem Haus, wird er sich später schwer tun, wenn er in einer Großstadt plötzlich mit Passanten, Autos und zahlreichen Hunden konfrontiert wird. Wichtig ist, den Welpen zu fördern, aber nicht zu überfordern.

Die weit verbreitete Annahme, dass Hunde nur im Welpenalter lernen, ist laut den Heimtierexperten der Pfotenhilfe ein Irrglaube. "Hunde lernen ihr gesamtes Leben lang. Ein Hund, der in der Sozialisationsphase isoliert aufgewachsen ist oder schlimme Erfahrungen machen musste, kann selbst dies bis zu einem gewissen Grad nachholen", erklärt Sautner. So können auch solche Hunde behutsam später an verschiedene Menschen und Hunde herangeführt werden, solange man sie nicht mit zu vielen neuen Erfahrungen auf einmal überfordert. Hunde, die in ihrer Sozialisationsphase nicht gut an die Umwelt herangeführt wurden und später durch die falsche Haltung wichtige Dinge wie das Alleinbleiben, das Gehen an der Leine oder das Autofahren nicht gelernt haben, holen dies mit etwas Geduld problemlos nach. "Ich bin selbst Halter eines Hundes, der aus einer Tötungsstation gerettet werden konnte. Zu Beginn war es sehr schwierig mit der zweijährigen Hundedame und es hat eine Weile gedauert, bis sie Vertrauen gefasst hat. Nach einigen Wochen intensiver Zuwendung und ein wenig gemeinsamen Trainings hat sich mein Hund zu einem folgsamen und entspannten Begleiter entwickelt", erklärt der Tierschützer.

Auch Traumata überwinden Hunde erstaunlich gut. "Bei der Pfotenhilfe in Lochen bekommen wir häufig Hunde, die Furchtbares erlebt haben. Viele von ihnen wurden geschlagen oder eingesperrt und es ist faszinierend, wie diese Hunde bereits nach einigen Tagen oder Wochen auftauen und Vertrauen zu unseren engagierten Tierpflegern fassen", fügt Sautner abschließend hinzu. Was der Schlüssel hierzu ist? Viel Geduld, Ruhe und natürlich Vertrauen.

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Diefenbachgasse 35
1150 Wien
+43-664-848 55 61
+43-1-89 22 377-192
sascha.sautner@pfotenhilfe.org

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