• 09.02.2015, 17:05:56
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  • OTS0158 OTW0158

Alte Disziplin mit neuen Mitteln

ArchäologInnen untersuchen prähistorische Steinfiguren mit dem 3D-Scanner

Im norditalienischen Tal Valcamonica haben Menschen
prähistorischer Kulturen Bilder, sogenannte Pitoti, in den Fels
gemeißelt. Die meist Jahrtausende alten Darstellungen von Menschen,
Gegenständen und abstrakten Mustern sind jedoch nur schwer
zugänglich - und verletzlich. Das EU-Projekt 3D-Pitoti erfasst den
Stand der mehr als 50.000 Gravuren macht diese mit moderner
Medientechnik für ein breites Publikum zugänglich. Der Einsatz von
3D-Kameras, Drohnen und neuen Analysemethoden erleichtert zudem
ArchäologInnen ihre Arbeit.

Utl.: ArchäologInnen untersuchen prähistorische Steinfiguren mit dem
3D-Scanner =

St. Pölten / Capo di Ponte (OTS/FHSTP) - Im norditalienischen Tal
Valcamonica haben Menschen prähistorischer Kulturen Bilder,
sogenannte Pitoti, in den Fels gemeißelt. Die meist Jahrtausende
alten Darstellungen von Menschen, Gegenständen und abstrakten Mustern
sind jedoch nur schwer zugänglich - und verletzlich. Das EU-Projekt
3D-Pitoti erfasst den Stand der mehr als 50.000 Gravuren macht diese
mit moderner Medientechnik für ein breites Publikum zugänglich. Der
Einsatz von 3D-Kameras, Drohnen und neuen Analysemethoden erleichtert
zudem ArchäologInnen ihre Arbeit.

Jäger, Sammler, Landkarten

Jäger und Sammler, Kämpfer und Reiter, Häuser, Tiere, Schriften in
etruskischem Alphabet und abstrakte Symbole: Tausende in Stein
gemeißelte Darstellungen überziehen die grauen Felsen des Tales
Valcamonica in der Lombardei.

In die Flanken des Tales sind in der Zeit zwischen 4000 v.Chr. und
dem Mittelalter mehr als 50.000 Petroglyphen in Stein geschlagen
worden. Sie werden Pitoti genannt, was im lokalen Dialekt "kleine
Puppen" bedeutet. Sie zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe und zeigen
Jagd-, Duell- und Tanzszenen, sowie Europas erste Landkarte.

Die Erforschung dieser wertvollen Artefakte gestaltet sich aufgrund
schwer zugänglicher Hanglagen oft mühevoll. Durch das hohe Interesse
an diesen Kunstwerken sind sie einem ständigen Besucherstrom
ausgesetzt, der die anfälligen Ornamente gefährdet und zerstört.
ArchäologInnen und MedientechnikerInnen aus England, Österreich,
Deutschland und Italien arbeiten im Projekt "3D Pitoti" daran, die
wertvollen Beispiele frühester Kunst dauerhaft zu erhalten.

Unterstützung für ArchäologInnen

Durch den Einsatz neuester Technik digitalisieren
MedientechnikerInnen im Projekt die Steinbilder. Dadurch können
ArchäologInnen die Pitoti im Labor wetterunabhängig umfassend
untersuchen, ohne vor Ort sein zu müssen und die Steine weiterem
Abrieb auszusetzen.

"Die Traditionelle Methode des Dokumentierens ist sehr zeitaufwendig:
Wir müssen die Figuren per Hand auf Plastikfolien malen. Da sich die
Folien mit der Temperatur verändern, verzerrt das außerdem
nachträglich die Zeichnungen. Die neue Technik liefert zudem weitere
Details. Wir könnten so Antworten auf offene Fragen finden, wo wir
mit den alten Methoden an die Grenzen gestoßen sind", sagt Alberto
Marretta, Archäologe und Direktor am Parco Archeologico Comunale di
Seradina-Bedolina in Capo di Ponte im Valcamonica-Tal.

Das Nutzen von Medientechnik bietet laut Marretta nicht nur
praktische Vorteile: "Wir sehen, wie wir menschliches Wissen und
maschinelle Lernprozesse verbinden können und die neue Welt der
Bilder liefert uns neue Ansätze zum Verstehen der Felsbilder",
erklärt Marretta.

Dritte Dimension der Felsgravuren

Im Rahmen des Projekts wird erstmals die Dreidimensionalität der
Petroglyphen untersucht und aufgezeichnet. In diesem Projekt arbeitet
die FH St. Pölten unter der Leitung der Universität Nottingham und
mit Beteiligung der Universität Cambridge an der Entwicklung
intelligenter Datenverarbeitungstechnologien, um inhärente Strukturen
in den 3D-Daten der aufgezeichneten Petroglyphen zu erkennen und
nutzbar zu machen.

Aus der detaillierten Information zu den Spuren im Fels wollen die
ForscherInnen nach Auswertung der Ergebnisse Rückschlüsse auf die
Produktion der Bilder schließen: etwa ob das Werkzeug aus Metall oder
Stein war und auf welche Art gehämmert und gepeckt wurde. Über die
Struktur der Schläge könnten sich bestimmte Stile klassifizieren und
eventuell sogar einzelne KünstlerInnen identifizieren lassen.

Neue Analysemethoden

Diese Analyse und Interpretation erfolgt durch am Projekt beteiligte
ArchäologInnen. MitarbeiterInnen des Instituts für
Creative/Media/Technologies (IC/M/T) der FH St. Pölten unterstützen
diese dabei, indem sie die Daten und Muster zu den Figuren und
Bearbeitungsspuren analysieren und klassifizieren. Im Zuge des
Projekts wurde eine Datenbank einwickelt, auf deren Basis noch nicht
erfasste Pitoti automatisch eingeordnet werden können. Die
ForscherInnen der FH St. Pölten arbeiten auch an einer Methode zum
automatischen Klassifizieren der Pitoti. Die Bilder werden dazu in
ein Schema aus Strichen und Knotenpunkten umgewandelt. Computer
erkennen dann anhand des Schemas verbunden mit Eigenschaften der
Kontur der Gravuren neue Bilder und können sie einordnen.

"Wir haben gemeinsam mit den Archäologinnen und Archäologen
Machine-Learning-Verfahren entwickelt und getestet, mit denen wir
jede neue 3D-Aufzeichnung eines Petroglyphen analysieren und
klassifizieren können: Etwa ob diese eine anthropomorphe Gestalt
zeigt, ein abstraktes Bild, die Camunische Rose, die sich auch im
Wappen der Lombardei findet, oder eines von vielen anderen Motiven",
sagt Markus Seidl, stellvertretender Leiter des Instituts für
Creative/Media/Technologies (IC/M/T) und Projektleiter für "3D
Pitoti" an der FH St. Pölten.

Wesentlich ist das Aufzeigen von Petroglyphen, die in Bezug auf Form,
Pecking Stil und/oder Größe den bereits aufgefunden ähneln. "Bei der
Vielzahl von mindestens 50.000 Petroglyphen ist das eine
unverzichtbare Unterstützung der Archäologinnen und Archäologen und
eine Bereicherung des Erlebnisses von Betrachterinnen und Betrachtern
der Pitoti", so Seidl. Circa 2.500 Pitoti wurden zunächst händisch
erfasst und kategorisiert. Sie lieferten die Typologie und die
Trainingsdaten, anhand derer nun alle weiteren Steinbilder
automatisch klassifiziert werden können.

Wissenschaftsvermittlung mit Medientechnik

Durch die Digitalisierung werden die Pitoti auch der interessierten
Öffentlichkeit, bspw. BesucherInnen in Ausstellungen, als Film,
Animation oder Installation dauerhaft zugänglich gemacht. Die
Felsenkunst kann in ansprechender, interaktiver Art und Weise einem
breiten Publikum vermittelt werden: Auf Touchscreens, in
Multimedia-Installationen oder als dreidimensionale Strukturen
erfahren Menschen die Vielfalt der Felsbilder. Die Ausstellung wurde
unter anderem bereits im Museum of Archaeology and Anthropology in
Cambridge gezeigt.

Das Institut für Creative/Media/Technologies (IC/M/T) bereichert mit
den entwickelten Analysemethoden interaktive 3D-Visualisierungs- und
Präsentationstechniken, um WissenschaftlerInnen,
MuseumsbesucherInnen, SchülerInnen und InternetnutzerInnen in
digitaler und hochauflösender Form Zugang zu der Felsenkunst des
Valcamonica-Tals zu verschaffen.

"Dieses Archiv an prähistorischen Bildern zu verstehen, zu genießen
und schließlich für zukünftige Generationen intakt zu halten, ist
eine große Herausforderung. Die Medientechnik lässt uns die Bilder im
Valcamonica-Tal mit anderen Augen sehen", sagt Marretta.

Projekt 3D-Pitoti

Das Projekt "3D Pitoti - 3D acquisition, processing and presentation
of prehistoric European rock-art" wird von der Europäischen Union im
Rahmen des 7. Rahmenprogramm finanziert. Projektpartner sind die
Universität Nottingham (Human Factors Research Group/Faculty of
Engineering, Leitung), die Universität Cambridge, die Bauhaus
Universität Weimar, die Technische Universität Graz, die ARCTRON 3D
GMBH sowie ASSOCIAZIONE CENTRO CAMUNO DI STUDIPREISTORICI ED
ETNOLOGICI. Laufzeit: März 2013 bis Februar 2016
http://www.ots.at/redirect/fhstp_pitoti-3d
http://3d-pitoti.eu/

Über die Fachhochschule St. Pölten

Die Fachhochschule St. Pölten ist Anbieterin praxisbezogener und
leistungsorientierter Hochschulausbildung in den sechs Themengebieten
Medien & Wirtschaft, Medien & Digitale Technologien, Informatik &
Security, Bahntechnologien & Mobilität, Gesundheit und Soziales. In
mittlerweile 17 Studiengängen werden rund 2.300 Studierende betreut.
Neben der Lehre widmet sich die FH St. Pölten intensiv der Forschung.
Die wissenschaftliche Arbeit erfolgt zu den oben genannten Themen
sowie institutsübergreifend und interdisziplinär. Die Studiengänge
stehen in stetigem Austausch mit den Instituten, die laufend
praxisnahe und anwendungsorientierte

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sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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