Gesundheitsberufe: Patienten in den Fokus stellen

Gesundheitseinrichtungen vernetzen - Kooperation zum Wohl der Patienten

Wien (OTS) - Die Ressourcen im Gesundheitswesen sind knapp, das Verteilungsproblem wird auf Patienten und Gesundheitsberufe abgewälzt, erklärte Ulrich H. J. Körtner, Institut für Ethik und Recht in der Medizin der Universität Wien, im Rahmen des fünften Tages der Gesundheitsberufe am Donnerstag in Wien. Einerseits würden Defizite der Krankenkassen diskutiert, andererseits auch fehlende Reformen. "Demographischer Wandel und medizinische Fortschritte stellen uns alle vor die Frage, welche Versorgung überhaupt noch leistbar ist", hielt Körtner fest. Der Zwang zur Ökonomisierung widerspreche jedoch ethischen Gesichtspunkten und der Forderung nach einer patientenzentrierten Medizin.

Stärkung von Hausarzt und Kooperation der Gesundheitsberufe

Gerade diese patientenorientierte Medizin reklamierte Franz Bittner, Patientenombudsmann der Ärztekammer für Wien. Dazu müsse auch der Hausarzt als erste Anlaufstelle für Patienten aufgewertet werden; auch eine bessere Vernetzung der Gesundheitseinrichtungen mahnte Bittner ein. Kooperation sei ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit von Gesundheitsberufen, ergänzte Marion Hackl, Präsidentin von Ergotherapie Austria und amtierende Vorsitzende der Gesundheitsberufe-Konferenz (GBK). "Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist nicht zuletzt notwendig, um die Patientensicherheit und die Qualität der Behandlung sicherzustellen", so Hackl. Schließlich sei Patientensicherheit auch ein Qualitätsmerkmal für gute medizinische Versorgung, sagte Brigitte Ettl-Karl, Obfrau der Plattform Patientensicherheit. Empfehlungen zur Verbesserung der Patientensicherheit gebe es bereits seitens des Europarates und der WHO, bekräftigte Maria Kletecka-Pulker, Geschäftsführerin der Plattform Patientensicherheit. Sie gab allerdings zu bedenken, dass eine zunehmende Verrechtlichung und Reglementierung die Qualität der Versorgung beeinträchtigen könne.

Defizite bei Kinder- und Jugendpsychiatrie

Wie wichtig es ist, Patienten und ihre Angehörigen ernst zu nehmen und über einen längeren Zeitraum zu betreuen, führte Charlotte Hartl aus, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Obfrau der Fachgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). "Kinder als biopsychosoziale Wesen sind Umwelteinflüssen ausgesetzt, sie müssen in relativ kurzer Zeit eine große Anzahl an Entwicklungsaufgaben bewältigen. Derzeit gibt es rund 258.000 Kinder und Jugendliche in Österreich, die eine kinder- und jugendpsychiatrische Behandlung benötigen", erklärte Hartl. Eltern müssten sich im Dschungel der derzeit vorhandenen Angebote erst zurechtfinden, zusätzlich müssten diese deutlich ausgeweitet werden. "Es muss unser Ziel sein, seelische Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Nur so können wir chronische Krankheiten und stationäre Aufenthalte verhindern", betonte die Expertin.

Weitere Vorträge beschäftigten sich mit Pflegequalität und der Qualität der Behandlung, wobei sich die Vortragenden darin einig waren, dass die Patienten als mündige Bürger nach der Behandlungsqualität befragt werden und mitbestimmen sollten. Wie interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Praxis funktionieren kann, demonstrierten Rolf Jens, Sozialmedizinisches Nachbarschaftszentrum Unterpenzing (SMUP), und Christine Völk, Volkshilfe Steyr.

Förderpreis vergeben

Wie jedes Jahr vergab die Gesundheitsberufe-Konferenz auch wieder einen Förderpreis für innovative Projekte, die den Fokus auf interdisziplinäre Zusammenarbeit legten. Sieger wurde das Projekt "Voneinander lernen im interprofessionellen Team", das am Multiple-Sklerose-Tageszentrum in Wien ins Leben gerufen wurde. Herzstück ist die Vernetzung der Gesundheitsberufe untereinander sowie mit den Studierenden, im Fokus steht dabei immer das Wohl das Patienten. Silber holte das Projekt "Schmerzmanagement in einem geriatrischen Krankenhaus", durchgeführt im Haus der Barmherzigkeit in Wien. Dabei wurde ein Leitfaden entwickelt, der vor allem Menschen berücksichtigt, die kognitiv nicht mehr in der Lage sind, Schmerzen zu artikulieren. Auf dem dritten Platz landete schließlich das Salzburger Projekt "MOSES - Modulares Schulungsprogramm Epilepsie", das sowohl Erkrankten als auch Angehörigen Wissen über die Krankheit vermitteln und sie so zu Expertinnen und Experten im Umgang mit der Erkrankung machen will.

http://www.gesundheitsberufekonferenz.at

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