- 19.01.2015, 15:38:45
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Zinggl: Kleineres Weltmuseum zugunsten "Haus der Geschichte" - Paradefall provinzieller Kulturpolitik
Grüner ortet "systematisches Ruinieren" durch die regierende Kulturpolitik
Utl.: Grüner ortet "systematisches Ruinieren" durch die regierende
Kulturpolitik =
Wien (OTS) - "Für das jetzt mehr als akute Thema zum Nebeneinander
von Kulturen und den damit verbundenen Problemen ließen sich in einem
Weltmuseum systematische und tiefgreifende Auseinandersetzungen
aufbereiten und vermitteln. Kolonialismus und wirtschaftliche
Entwicklungen die zu Migration und zu kultureller Dissonanz geführt
haben, werden in Europa in Zukunft jedenfalls deutlich höheren
Aufklärungswert bekommen als bislang. Eine umfassende
Neupositionierung des Weltmuseums als kritisches aber
aufgeschlossenes Haus der Kulturen wäre daher unerlässlich zumal
solche Institutionen weltweit in allen größeren Städten etabliert
sind", meint der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl.
"Österreich geht seit der Ausgliederung der Bundesmuseen den konträr
gegenteiligen Weg. Die Verkleinerung des Weltmuseums zugunsten eines
'Haus der Geschichte' ist ein Paradefall für provinzielle
Kulturpolitik. Das Völkerkundemuseum, wie das Weltmuseum ehedem
hieß, wird aber von den Regierungen sukzessive schon seit 2001
seiner Bedeutung beraubt. Mit der Integration in den Komplex des
Kunsthistorischen Museums ist es finanziell entmündigt, seine
öffentliche Darstellungsmöglichkeit marginalisiert. Ein ordentlicher
Museumsbetrieb auf 1000m2 und mit einem lachhaft niedrigen
Ausstellungsbudget von 130.000 Euro (das Musée du Quai Branly
arbeitet im Vergleich dazu mit jährlich mehr als fünf Millionen Euro)
kann keine Besucherströme locken", erläutert Zinggl.
Dass die Institution von der regierenden Kulturpolitik systematisch
ruiniert wurde und weiter wird, ist über mehr als zehn Jahre mit
Versprechungen und Beruhigungen verdeckt worden. Dazu gehören auch
die Zusagen von Kulturministerin Claudia Schmied. Sie hat dem
Weltmuseum für den Ausbau 27 Millionen Euro zugesagt.
"Der jetzt verhängte Baustopp führt das Museum völlig ins Ausgedinge
und die Begründung von Minister Ostermayer, die bislang im Budget
nicht berücksichtigten laufenden Kosten für den Betrieb eines
erneuerten Museums wären nicht finanzierbar, hinkt, wenn gleichzeitig
ein 'Haus der Geschichte' errichtet und wohl auch betrieben werden
kann. Die für das Weltmuseum angeblich fehlenden Finanzmittel stehen
demnach für ein erst neu einzurichtendes 'Haus der Geschichte'
bereit", hält Zinggl fest.
Niemand weiß, welches Konzept so einem "Haus" zugrunde liegt, was es
an Kosten für Umbau und laufenden Betrieb verursacht. Die aktuelle
Geschichtswissenschaft allerdings weiß, dass sie sich von großen,
historischen Erzählung abgewandt hat und mit Fragmenten beschäftigt.
Deren Vermittlung und ständige Überarbeitung mit hunderten von
Unterrichtsmodulen in Schulen, im Netz und im ORF wäre eine
sinnvollere Investition jenseits einer in Beton gegossenen Erzählung,
wie sie ein "Haus der Geschichte" immer nur liefern kann.
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