HCB im Görtschitztal: Land Kärnten setzt neue Maßstäbe für bessere Lebensmittelstandards

LH Kaiser: Honig, Obst und Gemüse sind unbedenklich - Keine Freigabe für Lebensmittel, die nicht neuen, strengsten Kriterien entsprechen

Klagenfurt (OTS/LPD) - Vorweg die erfreuliche Meldung: Honig, Obst und Gemüse aus dem Görtschitztal sind freigegeben, die Warnung vor dem Verzehr dieser Produkte kann aufgehoben werden. Das stellten heute, Mittwoch, in einer Pressekonferenz Professor Hans-Peter Hutter von der Medizin-Uni Wien sowie Dr. Clemens Fuchs von der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) einhellig fest. Der Pressekonferenz vorangegangen war ein von Landeshauptmann Peter Kaiser initiiertes HCB-Koordinationsgespräch betreffend die weitere Vorgangsweise, was die Bewertung von Probenergebnissen und die Freigabe von Produkten aus dem Görtschitztal betrifft. An diesem nahmen neben Hutter und Fuchs auch LHStv.in Beate Prettner, LR Rolf Holub, Krisenkoordinator Albert Kreiner, Dr. Gunther Vogl vom ILV, Landessanitätsdirektorin Dr. Elisabeth Oberleitner, Landesamtsdirektor Dieter Platzer und in Vertretung vom krankheitshalber entschuldigten LR Christian Benger sein Büroleiter Thomas Goritschnig teil.

Wie Landeshauptmann Peter Kaiser in der Pressekonferenz informierte, habe man sich auf ein klares Procedere geeinigt, wie es zu einer koordinierten Freigabe von Lebensmitteln kommen soll. Demnach werden Probenergebnisse von der AGES einer Risikobewertung unterzogen, diese danach zu einer abschließenden Bewertung den Experten der Medizin-Uni Wien vorgelegt. Kaiser betonte, dass Kärnten darüber hinaus noch einen Schritt weitergehen werde. Man wolle strengere Maßstäbe als die vorhandenen Grenzwerte anlegen. Wie Hans-Peter Hutter erklärte werde unter anderem auf Basis von derzeit erhobenen Blutwerten genau berechnet, wann eine Freigabe von Produkten, bei denen HCB nur in Spuren und unter dem Grenzwert festgestellt wurde, freigegeben werden können, ohne, dass es zu einer zusätzlichen Belastung für die Gesundheit der Menschen kommt.

"Wir wollen sicher gehen, dass keine Gefahr für die Bevölkerung besteht. Die Kontrollen und das Monitoring auf Basis eines engmaschigen Systems gehen auch nach Freigaben von Lebensmittel weiter", so Kaiser. Alle Maßnahmen zielen dahin, die HCB-Belastung zu reduzieren sowie jegliche Aufnahme von HCB über belastete Produkte zu stoppen. Politiker und Experten betonten, dass der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung im Mittelpunkt stehen müsse und weiterhin alle Maßnahmen für einen Neustart im Görtschitztal gesetzt werden.

Laut Kaiser werde man auch Messraster zum Schutz der Bevölkerung erstellen, und alle Informationen im Rahmen einer Präsentation sowie in Informationsveranstaltungen mit Experten der Bevölkerung, Entscheidungsträgern und kommunalen Politvertretern zugänglich machen. Kärnten möchte neue Wege gehen. Sobald man ein Gesamtbild habe, könne dies auch vorbildhaft für Österreich sein und dann entsprechende Werte nachjustiert werden.

Gunther Vogl (ILV Kärnten) teilte mit, dass 1.087 Lebensmittelproben genommen worden seien und rund zwei Drittel bereits untersucht seien. HCB sei demnach zu 39 Prozent bei Fleisch nachweisbar, in Milch und Milchprodukten zu 27 Prozent. Bei pflanzlichen Lebensmitteln seien nur 6 Prozent nachweisbar. Das engmaschige Monitoring laufe generell weiter, so Vogl.Die erhobenen Daten würden an die AGES weitergegeben und dann zusätzlich auch von der Medizinischen Universität Wien geprüft werden.

Univ. Dozent Klemens Fuchs (AGES) berichtete von 171 Proben (Obst und Gemüse), deren Risiko bewertet werden. Dabei konnte er die positive Mitteilung machen, dass Honig, Obst und Gemüse unbedenklich seien.

Umwelthygieniker Privatdozent Hans-Peter Hutter (Medizinische Uni Wien) sagte, dass bei Milch, Fleisch und Öl noch keine Entwarnung gegeben werden könne. Man wolle striktere Regeln anwenden und vorsichtiger vorgehen. Es handle sich um komplexe Dinge und schwierige Analysen, die ihre Zeit erfordern. Schnellschüsse sollen vermieden werden, so Hutter. Ziel sei eine offene, transparente und verständliche Vermittlung eines Gesamtbildes.

Agrarlandesrat Christian Benger ließ heute mitteilen, dass auf Grund des Futtermittelaustausches nur noch ein Milchbetrieb in der Region gesperrt ist. Diese Milch werde gesondert abgeholt und fachgerecht entsorgt. Auch von vier weiteren Milchbetrieben im Görtschitztal, wo die Messwerte unter dem Grenzwert liegen, werde die Milch fachgerecht entsorgt. "Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, um dem Konsumenten Sicherheit zu geben", erklärte Benger. Von den anderen rund 60 Betrieben werde die Milch wieder entsprechend abgeholt und zu den jeweiligen Molkereien geliefert, weil sie auf Grund der guten Messdaten von den Experten als unbedenklich eingestuft werden konnte.

Auch das Schlachtvieh wird weiterhin beprobt, erst wenn Ergebnisse am Tisch liegen, wird entschieden, ob ein Fleisch für den Konsum freigegeben werden darf, oder nicht. "Auch hier entsorgt man nicht nur Fleisch mit Ergebnissen über dem Grenzwert, sondern auch jenes, das im Schwellenwert-Bereich liegt", so Benger. In den Handel komme nur unbedenkliches Fleisch.

Angelaufen ist der rigorose Futtermittelaustausch im Görtschitztal. Futter, das über dem Grenzwert liegt, wird gesammelt und deponiert, ebenso wie Futter, das unter dem Grenzwert liegt. "Gesundes Futter, gesunde Lebensmittel. Dass wir auch Futter unter dem Grenzwert entsorgen, ist ebenso eine Maßnahme, um dem Konsumenten Sicherheit zu geben", betonte Benger.
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