• 07.01.2015, 09:10:33
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Netzwerke des Gehirns spiegeln die individuelle Geschlechtsidentität wider

Wien (OTS) - Unser Gefühl, dem weiblichen oder männlichen Geschlecht
anzugehören, ist fester Bestandteil des menschlichen
Identitätsempfindens. In der Regel stimmen Geschlechtsidentität und
körperliches Geschlecht überein. Ist das nicht der Fall, spricht man
von Transidentität oder auch Transsexualität. In einer aktuellen
Studie konnte der Hirnforscher Georg S. Kranz von der
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien
zeigen, dass sich die ganz persönliche Geschlechtsidentität jedes
Menschen in der Vernetzung zwischen Hirnregionen widerspiegelt und
nachweisbar ist.

Während sich das biologische Geschlecht in der Regel im körperlichen
Erscheinungsbild manifestiert, ist die individuelle
Geschlechtsidentität nicht direkt beobachtbar und primär in der
Psyche des Menschen verankert. Da das Gehirn für unser Denken, Fühlen
und Handeln verantwortlich ist, sind weltweit mehrere
Forschungsinstitutionen der neuronalen Repräsentation der
Geschlechtsidentität auf der Spur.

In einer im renommierten Magazin "Journal of Neuroscience"
publizierten Studie unter der Leitung von Rupert Lanzenberger
(http://www.meduniwien.ac.at/neuroimaging/) von der
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien
konnten nun neuronale Korrelate (Entsprechungen) des
Identitätsempfindens in der Vernetzung des Gehirns nachgewiesen
werden.

Mittels diffusionsgewichteter Magnetresonanz-Tomographie (MRT) wurden
sowohl Transgenderpersonen, als auch weibliche und männliche
KontrollprobandInnen untersucht. Dabei fanden sich signifikante
Unterschiede in der Mikrostruktur der Hirnverbindungen zwischen
weiblichen und männlichen Kontrollprobanden. Transgenderpersonen
nahmen eine Mittelstellung zwischen beiden Geschlechtern ein.

Außerdem konnte ein starker Zusammenhang zwischen der
Mikrostrukturverbindungen dieser Netzwerke untereinander und dem im
Blut gemessenen Testosteronspiegel gefunden werden. Lanzenberger:
"Diese Ergebnisse legen nahe, dass sich die Geschlechtsidentität in
der Struktur von Hirnnetzwerken widerspiegelt, welche sich im Laufe
der Entwicklung des Nervensystems unter dem modulierenden Einfluss
von Geschlechtshormonen bilden."

Internationales und translationales Kooperationsprojekt

Die vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte Studie wurde im Rahmen
eines Kooperationsprojekts zwischen verschiedenen Kliniken und
Zentren der MedUni Wien und dem renommierten Hirnforscher Dick F.
Swaab vom Niederländischen Institut für Neurowissenschaften in
Amsterdam durchgeführt. Auf Seiten der MedUni Wien waren
ForscherInnen der Universitätsklinik für Psychiatrie und
Psychotherapie (Leitung: Siegfried Kasper), dem Exzellenzzentrum für
Hochfeldmagnetresonanz (Kooperationspartner: Christian
Windischberger, Leitung: Siegfried Trattnig und Ewald Moser), sowie
der Universitätsklinik für Frauenheilkunde (Kooperationspartnerin:
Ulrike Kaufmann, Leitung: Peter Wolf Husslein) beteiligt.

Service: Journal of Neuroscience

"White matter microstructure in transsexuals and controls
investigated by diffusion tensor imaging." Kranz GS, Hahn A, Kaufmann
U, Küblböck M, Hummer A, Ganger S, Seiger R, Winkler D, Swaab DF,
Windischberger C, Kasper S, Lanzenberger R. Journal of Neuroscience
2014 Nov 12; 34(46):15466 -15475 [2013, IF: 6.747].
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25392513

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