Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 5. Jänner 2015. Von WOLFGANG SABLATNIG. "Bewährungsprobe für das Parlament".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Die neuen Spielregeln für Untersuchungsausschüsse stellen das gewohnte Bild im Hohen Haus auf den Kopf. Damit müssen alle Parteien erst einmal umzugehen lernen -ohne auf die aktuellen Herausforderungen zu vergessen.

Die Opposition will keine Zeit verlieren. Gleich nach den Feiertagen werden FPÖ, Grüne und NEOS eine Sondersitzung des Nationalrats beantragen, um dann gleich nächste Woche den Untersuchungsausschuss Hypo Alpe Adria auf den Weg zu bringen. Im März soll der Ausschuss die Arbeit aufnehmen.
Das neue Recht der Opposition, auch ohne Zustimmung der Mehrheit einen U-Ausschuss zu beantragen, ist viel mehr als nur eine formale Neuerung. Erstmals können die Regierenden eine ihnen unangenehme Untersuchung nicht mehr blockieren oder abwürgen. Erstmals gibt die Opposition vor, wer vor dem U-Ausschuss als Zeuge aussagen muss. Keiner der Ex-Finanzminister - Josef Pröll, Maria Fekter, Michael Spindelegger - kann die Aussage verweigern, auch wenn sie öffentlichen Stellungnahmen noch so konsequent aus dem Weg gehen. Bundeskanzler Werner Faymann kann sich nicht mehr darauf herausreden, dass ihn die Parlamentarier ja vorladen könnten. Und kein Termin, bei dem über Milliardenschäden für die Steuerzahler gesprochen wurde, kann unter dem Siegel "privat" für vertraulich erklärt werden - so wie jenes Abendessen bei Bundespräsident Heinz Fischer, bei dem laut Hannes Androsch die Insolvenz der Skandalbank abgesagt wurde.
Alle, Regierung wie Opposition, müssen aber erst zeigen, dass sie in der Lage sind, mit dieser neuen Situation umzugehen. Die FPÖ muss bereit sein, auch die Rolle Jörg Haiders und der Kärntner Freiheitlichen, die am Anfang des Debakels standen, schonungslos aufzuklären. Rechte - auch die der Opposition - bedingen eben auch Verantwortung.
Alle Oppositionsparteien gemeinsam müssen zeigen, dass sie willens sind, im Interesse echter Aufklärung nicht nur den schnellen Schlagzeilen und politischen Punktesiegen hinterherzujagen. Es führt zu nichts, wenn Geplänkel an Nebenfronten den Blick aufs Ganze verstellen.
Die Koalitionsparteien schließlich dürfen die Tatsache, dass sie im U-Ausschuss nicht mehr Herr des Geschehens sind, nicht zum Anlass nehmen, selbst nur mit beleidigten Ablenkungsmanövern zu reagieren. Es sei nur daran erinnert, dass im Kärntner Landtag auch ihre Fraktionen den verhängnisvollen Haftungen zugestimmt haben.
Und vor allem müssen alle Parteien diszipliniert genug sein, neben dem Spektakel des U-Ausschusses auch die aktuellen Probleme des Landes nicht außer Acht zu lassen - die triste Lage der Wirtschaft und die Rekordarbeitslosigkeit nämlich.

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