- 12.12.2014, 19:48:26
- /
- OTS0236 OTW0236
Görtschitztaler Bevölkerung hat keine Gesundheitsgefährdung durch HCB erlitten
LH Kaiser, LHStv.in Prettner, LR Benger und LR Holub informierten Bevölkerung gemeinsam mit Fachleuten
Utl.: LH Kaiser, LHStv.in Prettner, LR Benger und LR Holub
informierten Bevölkerung gemeinsam mit Fachleuten =
Klagenfurt (OTS/LPD) - Für die Bevölkerung des Görtschitztales gibt
es keine Gesundheitsgefährdung durch die HCB-Belastung. Das konnte
heute, Freitag, Michael Kundi von der Medizinischen Universität Wien
bei der Informationsveranstaltung in Brückl garantieren.
Unterstrichen wurde dies auch vom Toxikologen Winfried Bursch. Karl
Kienzl vom Umweltbundesamt ergänzte, dass das Ökosystem in der
nächsten Vegetationsperiode wieder weitestgehend sauber sein werde.
Für diese positiven Nachrichten ernteten die drei Experten sogar
Applaus von der Bevölkerung im vollbesetzten Saal des
Gemeinschaftshauses. Von Landeshauptmann Peter Kaiser,
Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner, Agrarlandesrat
Christian Benger und Umweltlandesrat Rolf Holub wurde betont, dass
die Gesundheit der Menschen bei allen gesetzten Maßnahmen im
Mittelpunkt gestanden sei und noch stehe. Man wolle alles tun, um
lückenlos aufzuklären sowie dem Görtschitztal und seinen Menschen
eine neue Perspektive zu geben - also den erlittenen Imageschaden
auszugleichen. Direkt nach der Veranstaltung in Brückl fand eine
weitere im Werkskulturhaus Klein St. Paul statt.
"Wir bedauern die Situation sehr und ich verstehe jeden Groll,
ihre Unsicherheit und ihren Wunsch nach Informationen, wie es
weitergehen soll", betonte der Landeshauptmann. Man habe nur
gesicherte Informationen Schritt für Schritt weitergeben wollen, um
nicht durch Vermutungen weitere Verunsicherung zu erzeugen. Drei
Dinge seien nun prioritär: "Erstens steht für uns die Gesundheit im
Mittelpunkt, alle Maßnahmen stehen unter dieser Priorität", so
Kaiser. Der zweite Punkt sei, dass alle Akten auch der
Staatsanwaltschaft und dem Bundeskriminalamt übermittelt werden,
etwaigen Fehlern werde zudem intern nachgegangen. Drittens wolle man
dem Tal neue Perspektiven geben, dafür sollen eigene Koordinatoren
eingesetzt werden. Kaiser kündigte Mittel aus dem Soforthilfefonds an
und es bestehe die Intention, aus dem Verursacher eine "gläserne
Fabrik" zu machen. "Es wird verdammt viel Arbeit, diesen Schaden zu
beseitigen." Dies wolle man auch in Gemeinsamkeit mit der Bevölkerung
schaffen, dafür verbürge er sich.
Zur Blaukalkverbrennung bei W&P sagte Kaiser: "Der Bescheid wurde
2010 erstellt, darin wurde klar abgebildet, wie der Blaukalk zu
verbrennen ist. Dem wurde zuwider gehandelt. Das muss nun von der
Staatsanwaltschaft untersucht werden." Vor dem Verzehr von
Lebensmitteln habe man aus Vorsichtsgründen gewarnt, weil im Fokus
des Landes immer die Gesundheit der Menschen gestanden habe. "Ich
sage Ihnen ehrlich, wir haben lieber vorsichtiger als möglicherweise
notwendig gehandelt, als dass jemand zu Schaden gekommen wäre", so
der Landeshauptmann.
"Wir schützen Sie vor weiteren Belastungen mit HCB", versicherte
Gesundheitsreferentin Prettner den Menschen. Auch sie betonte, dass
man den Ruf des Görtschitztales wieder herstellen wolle. Prettner
verwies auf die rund um die Uhr besetzte Info-Hotline 050 536 15121,
die bereits angelaufenen medizinischen Beratungen sowie die laufend
aktualisierten Informationen auf www.ktn.gv.at.
Auch Agrarlandesrat Benger versprach, dass man alles tun werde, um
Klarheit zu schaffen, den Imageschaden zu reparieren sowie eine
Zukunft für das Tal zu gestalten. Er sagte, dass man nach der
Mitteilung der Grenzwertüberschreitung sofort informiert habe und zu
arbeiten begonnen habe. Flächendeckend seien systematisch Kontrollen
durchgeführt worden - beim Futtermittel seien es zum Beispiel 2.000
Proben bei 400 Betrieben, von denen über 50 Prozent ausgewertet
seien. Verdienstentgänge bei Milch und Fleisch wolle man ausgleichen,
Stützungen solle es auch für Direktvermarkter geben. Gemeinsam mit
der Wirtschaftskammer erhebe man, ob es Einbußen bei Gastronomie und
Beherbergern gegeben habe.
"Ich entschuldige mich in aller Form für die entstandene
Verunsicherung", sagte Umweltlandesrat Holub. Er verwies auf die
Sonderumweltinspektionen, die nun alles prüfen und berechnen würden.
In zwei bis vier Tagen seien alle Ergebnisse zu erwarten. Täglich
würden zehn bis 20 neue Proben einlangen. Man könne bereits sagen,
dass die Konzentration hinuntergehe. "Unserer Einschätzung nach
besteht keine akute Gesundheitsgefährdung", so Holub. Auch er
versicherte, alle Fragen beantworten zu wollen, alles solle
transparent gemacht werden.
Landeskoordinator Albert Kreiner sagte, dass 35 Kollegen von Land
und Bezirkshauptmannschaften in dieser Sache im Land unterwegs seien.
Man stehe in intensivem Kontakt mit der MedUni Wien, dem
Umweltbundesamt und den Bundesministerien. Kreiner versicherte
ebenfalls, dass man alles konsequent aufarbeiten wolle. Als Ursache
gab er das Fehlverhalten eines Unternehmens an.
Mediziner Kundi erörterte nach Paracelsus, dass die Dosis das Gift
mache. HCB sei in den 50er- und 60er-Jahren als Fungizid verwendet
worden, "wir alle haben es daher noch in unseren Körpern". Der Stoff
sei seit langem in der Umwelt vorhanden, überall auf dem Globus.
Toxikologe Bursch ergänzte, dass selbst wenn man von einer Emission
von zwei Jahren ausgehe, die Dosis im Körper nicht ausreiche, um eine
Krebsgefährdung zu erzeugen. Grenzwerte seien als Alarmwerte zu
verstehen, es gebe stets einen Sicherheitspuffer. "Wenn ein Grenzwert
überschritten wird, heißt das nicht gleich, dass ein Schaden
entstanden ist", so Bursch. Vielmehr sei dies ein Signal, tätig zu
werden.
Umweltbundesamtsexperte Kienzl versicherte noch, dass der
Aufenthalt im Freien oder das Spielen am Boden kein Problem
darstellen würde bzw. hätte. Auch komme über den Boden nicht viel HCB
in Pflanzen, mehr komme über die Luft, eine Aufnahme sei hier
abhängig von der Blattgröße.
(I N F O: Medizinische Beratungsgespräche für die Bevölkerung
finden noch morgen, Samstag, von 9 bis 14 Uhr in Brückl sowie am
kommenden Mittwoch von 9 bis 18 Uhr in Hüttenberg statt. Um direkte
telefonische Voranmeldung beim jeweiligen Gemeindeamt wird gebeten.)
(Schluss)
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NKL






