• 04.12.2014, 13:01:34
  • /
  • OTS0194 OTW0194

Österreich verliert an Boden - Täglich wird ein Bauernhof verbaut

5. Dezember: Internationaler Tag des Bodens

Utl.: 5. Dezember: Internationaler Tag des Bodens =

Wien (OTS/aiz) - Der diesjährige Weltbodentag am 5. Dezember ist der
Auftakt für das internationale "Jahr des Bodens 2015", das von der
Generalversammlung der Vereinten Nationen ausgerufen wurde. Dr. Kurt
Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen
Hagelversicherung und Initiator vieler Bodenschutzmaßnahmen, weist
auf die bedenkliche Entwicklung der Verbauung der fruchtbaren Böden
in Österreich hin: "Jährlich werden hierzulande 0,5% der Agrarflächen
verbaut. Wir alle gehen mit der Lebensgrundlage Boden viel zu sorglos
um. Wenn wir so weitermachen, haben wir in 200 Jahren keine Felder
und Wiesen mehr, auf denen wir unsere heimischen Nahrungsmittel
erzeugen können."

2014 wurde die fruchtbare Fläche von 339 Bauernhöfen durch
Verbauung zerstört

Täglich wird in Österreich ein Bauernhof durch Verbauung für
Straßen, Siedlungen, Shopping Center oder Industriehallen zerstört.
Das entspricht umgerechnet Tag für Tag 31 Fußballplätzen. Diese
Flächen stehen den nachfolgenden Generationen für die Produktion von
Lebensmitteln nicht mehr zur Verfügung. "Seit dem ersten Jänner bis
zum Weltbodentag am 5. Dezember wurden in Österreich bereits wieder
339 Bauernhöfe verbaut. Das sind umgerechnet mehr als 10.000
Fußballplätze", nennt Weinberger drastische Zahlen. Auf www.hagel.at
zeigt ein Counter im Sekundentakt die verbaute landwirtschaftliche
Fläche in Österreich an.

Österreich ist "Europameister" bei der Verbauung und
Zerstörung fruchtbarer Böden

Österreich hält bei der Verbauung der fruchtbaren Böden einen
Negativrekord in Europa. Daher weist die Hagelversicherung, auch mit
Unterstützung prominenter Meinungsbildner aus Wirtschaft,
Wissenschaft, Politik, Fernsehen und Sport, schon seit einiger Zeit
auf die überdurchschnittlich hohe Bodenversiegelung in unserer Heimat
hin: Österreich hat 1,80 m2 Supermarktfläche pro Kopf zur Verfügung,
in Italien sind es beispielsweise nur 1 m2 und in Frankreich 1,23 m2.
Während hierzulande jährlich 0,5% der Agrarflächen verbaut werden,
sind es im Nachbarland Deutschland - wo es eine strukturiertere
Raumordnung gibt - nur 0,25%, in Tschechien gar nur 0,17%. Auf der
anderen Seite gibt es in Österreich laut Umweltbundesamt 130.000.000
m2 Industriebrachflächen, das entspricht der Fläche der Stadt Graz.
Eine Rückführung dieser Brachflächen würde - ebenso wie die
Revitalisierung von Ortskernen anstelle von Neubauten am Stadtrand -
die Verbauung verlangsamen.

Verbauung: Weitreichende negative Folgen für die
Volkswirtschaft

Heimische Lebensmittelversorgung

Durch die Versiegelung landwirtschaftlicher Nutzflächen wird die
Versorgung mit heimischen Lebensmitteln nachhaltig gefährdet. Im Jahr
2050 wird Österreich um 15% mehr Einwohner als jetzt haben, nämlich
9,5 Mio. Gleichzeitig wird aber bei fortschreitender Verbauung das
fruchtbare Agrarland in diesem Zeitraum um 20% weniger. Das bedeutet,
dass 2050 nur mehr 1.000 m2 Agrarfläche pro Kopf zur Verfügung steht,
obwohl jeder Europäer 3.000 m2 für Nahrungsmittel etc. bräuchte.
Damit wird die Importabhängigkeit Österreichs noch größer.

Unwetterschäden nehmen zu

Der Boden als Wasser- und CO2-Speicher ist entscheidend für eine
funktionierende Umwelt. Fällt der Boden durch die fortschreitende
Versiegelung als Wasserspeicher weg, kann das Wasser bei
Starkniederschlägen nicht mehr versickern, Schäden durch Hochwasser
häufen sich. Der Bodenverbrauch hat auch unmittelbaren Einfluss auf
den Klimawandel. Wenn derart große Flächen des CO2-Speichers "Boden"
versiegelt werden, beschleunigt dies die Erderwärmung und damit die
Zunahme von Wetterextremereignissen wie beispielsweise Dürreperioden.
Ebenso ist die Artenvielfalt gefährdet, da der Boden als Lebensraum
für viele Pflanzen und Tiere verloren geht.

Tourismus

Die Versiegelung hat auch unmittelbare Auswirkungen auf den
Tourismus, denn ein so zersiedeltes Land ist für den Fremdenverkehr
nicht mehr attraktiv. Die Verschandelung des Landes durch Verbauung
bestätigen laut einer Market-Umfrage 2014 immerhin 80% der
Österreicherinnen und Österreicher.

Arbeitsplätze

Wenn täglich ein Bauernhof durch Verbauung zerstört wird, verliert
die Landwirtschaft auch täglich Arbeitsplätze. Damit sind langfristig
auch 500.000 Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette
des Agrarsektors gefährdet.

Nicht die Zukunft der Kinder verbauen

Die Österreichische Hagelversicherung wird als
Naturkatastrophenversicherer weiterhin die Öffentlichkeit über diese
Fehlentwicklung informieren, um den Bodenverbrauch und seine
negativen Folgen zu reduzieren. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, gibt
es hochgerechnet in 200 Jahren keine Agrarflächen mehr in Österreich.
Es ist daher erforderlich, Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der
Boden die Basis für das Leben ist. "Damit geht es bei der
Bodenverbauung um die Zukunft der Versorgung Österreichs mit
regionalen Lebensmitteln, um die Zukunft der nachfolgenden
Generationen und damit um die Zukunft Österreichs. Denn die
Landwirtschaft ist der wichtigste Sektor der Volkswirtschaft. Sie
produziert das, was wir täglich brauchen, nämlich Lebensmittel, und
gestaltet unsere Landschaft", so Weinberger abschließend.

Hintergrundinfo

Der Weltbodentag (World Soil Day) ist ein internationaler
Aktionstag am 5. Dezember. Dieser Tag wurde von der Internationalen
Bodenkundlichen Union (IUSS) im Rahmen ihres 17. Weltkongresses im
August 2002 in Bangkok ernannt. Mit ihm soll jährlich ein Zeichen für
die Bedeutung der natürlichen Ressource Boden gesetzt werden.

2015 wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum
"Internationalen Jahr des Bodens" erklärt. Ziel ist, Bewusstsein zu
schaffen, dass Böden die Grundlage für unsere Ernährungssicherung und
das Funktionieren der Ökosysteme auf der Erde sind.
(Schluss)

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AIZ

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel