Geflügelbauern fürchten Aus von österreichischem Putenfleisch

Produktion unter gesetzlichen Bestimmungen nicht wettbewerbsfähig - bereits 60% Import

Wien (OTS/aiz) - "Österreichische Geflügelbauern stehen unter enormem Druck und können unter den derzeit geltenden gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr wettbewerbsfähig produzieren", so die Dachorganisation der österreichischen Geflügelwirtschaft, ZAG, in einer Aussendung. Fakt sei: Schon heute kämen über 60% des Putenfleisches aus Ländern wie Italien, Ungarn und Polen. Dies gehe hauptsächlich in die Verarbeitung, wie Putenschinken, Putensalami etc. und in die Gastronomie. Anders formuliert: Putenschnitzel und Puten-Cordon beim Wirt seien höchstwahrscheinlich nicht aus Österreich.

Aber auch der Lebensmitteleinzelhandel biete Putenfleisch aus dem Ausland an. Während bei den Diskontern gar keine heimische Pute zu finden sei, liege sie bei den anderen Handelsketten - je nach Verfügbarkeit - im Kühlregal. Lediglich eine rot-weiß-rote Handelskette biete - außer bei der Eigenmarke - ausschließlich österreichische Pute an.

Das Problem sei vielschichtig und seit Jahren bekannt:
Regionalität sei ein gern verwendetes Schlagwort, bei der Pute aber bald nur noch eine Worthülse. Schon heute sei es nicht mehr möglich, der Gastronomie und den Betrieben der Lebensmittelverarbeitung Putenfleisch mit österreichischer Herkunft anzubieten. Meist sei der wettbewerbsfähige Preis das Problem. Und in den seltenen Fällen, bei denen der niedrigere Preis der internationalen Importware nicht den Ausschlag gebe, könne nicht geliefert werden, da nicht mehr genügend österreichische Ware vorhanden sei.

Freiwilliges Programm für Tierwohl und Tiergesundheit zur Anpassung von Tierzahlen

Die Interessenvertretung der Geflügelbauern, ZAG und GGÖ, sowie der Geflügelgesundheitsdienst QGV haben ein umfangreiches und einzigartiges Programm (All In One) ausgearbeitet: "Erstmalig gibt es ein managementabhängiges Bonussystem bei Puten in Europa", sagt Tierärztin und Obfrau des Tiergesundheitsdienstes Martina Glatzl. "Erfüllen Geflügelbauern alle definierten Richtwerte des freiwilligen Programmes, und erzielen somit eine kontinuierliche Verbesserung im Sinne der Tiergesundheit und des Tierwohles, dürfen sie eine moderate und zeitlich sehr begrenzte Anpassung der Tierzahlen vornehmen, die immer noch deutlich unter den Werten der anderen EU-Mitgliedstaaten liegt. Nicht Zentimeter, sondern definierte und kontrollierte Tierwohlindikatoren sind die Kriterien für Tierschutz in der Zukunft. Mit der Umsetzung des Programmes und einer flächendeckenden Teilnahme unserer Bauern wäre Österreich auch weiterhin beim Tierschutz in Europa ganz vorne dabei."

Robert Wieser, ZAG-Obmann: "Unter den aktuellen Bedingungen ist es nicht mehr möglich, längerfristig Putenfleisch zu erzeugen. Österreich ist dann leider in bester Gesellschaft mit der Schweiz. Auch dort wurde die 'Truttenerzeugung' (Trutte bedeutet Pute, Truthahn) aus dem eigenen Land vertrieben. Jetzt produziert man hauptsächlich in Ungarn."

Weder für den Konsumenten noch für die Bauern, und schon gar nicht für die Tiere, habe diese Vorgehensweise Vorteile. Auch den NGOs sei klar: Tierschutz kann man nur im eigenen Land beeinflussen. (Schluss)

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ZAG - Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft,
Dresdner Straße 89/19, 1200 Wien,
Tel.: +43 1 334 17 21-60

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