• 03.12.2014, 09:50:46
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Oesterreichs Energie Hintergrundgespräch "Watt meets Byte" thematisiert Anforderungen an Verteilernetze und Smarte Systeme

Verteilernetzbetreiber fordern Fondslösung für Smart-Grid-Innovationen

Utl.: Verteilernetzbetreiber fordern Fondslösung für
Smart-Grid-Innovationen =

Wien (OTS) - Eine Fondslösung ähnlich dem britischen Low Carbon
Networks Fund fordern Österreichs Verteilernetzbetreiber für
Forschungs- und Demonstrationsprojekte im Bereich smarter Netze.
"Verteilernetzbetreiber sind für den sicheren und stabilen
Netzbetrieb verantwortlich und müssen daher in den kommenden Jahren
innovative neue Technologien durch Demonstrationsprojekte auf ihre
Praxistauglichkeit austesten", erklärte Reinhard Brehmer, Sprecher
Netze von Oesterreichs Energie.

Als mögliches Vorbild für eine derartige Lösung sieht Brehmer den Low
Carbon Networks Fund (LCNF) des britischen Regulators Ofgem. Diese
Fonds-Methode ermöglicht Investitionen in innovative Technologien
über den regulierten Kostenrahmen hinaus, wobei es unterschiedliche
Fonds-Töpfe für kleinere Innovationen und große Flagship-Projekte
gibt. Brehmer: "Der Fonds gibt damit auch dem regulierten Bereich
Incentives für derartige Vorhaben, die ohne dieses Modell nicht
durchgeführt werden könnten. Bis 2020 sieht Oesterreichs Energie
einen Investitionsbedarf von 2.5 Mrd. für Smart Grid-Innovationen."

Klassische Netzinvestitionen weiter erforderlich

Investitionen in die Netze, unabhängig davon ob es sich um
Investitionen in klassische oder smarte Technologien handelt, müssen
den Netzbetreibern seitens der Regulierungsbehörde anerkannt und über
die Netztarife abgegolten werden. Brehmer: "Die Netzkomponenten
unterliegen einem Alterungsprozess und demgemäß einem
Erneuerungszyklus, der nicht mehr hinausgeschoben werden darf." Die
aktuellen Diskussionen um Smart Grids dürften nicht zu dem falschen
Schluss führen, dass in Zukunft ausschließlich in intelligente und
nicht mehr in klassische Netzelemente zu investieren ist. Das
Rückgrat der Stromnetze der Zukunft werde nach wie vor aus den
klassischen Komponenten Leitungen, Transformatoren und anderen
Anlagen bestehen. Brehmer: "Die Stromnetze der Zukunft können nur so
sicher und zuverlässig funktionieren wie ihr Rückgrat, das weiterhin
aus Kupfer, Eisen und Aluminium besteht."

Entwicklung der Netze entscheidend für Energiewende im Strombereich

Die Entwicklung der Übertragungs- und Verteilernetze in den kommenden
Jahren wird entscheidend für den Erfolg der Energiewende im Bereich
der Elektrizitätsversorgung. Stromproduktion aus erneuerbaren
Energien funktioniert aber in mehreren Bereichen anders als
konventionelle Stromproduktion, so Prof. Günther Brauner vom
Forschungszentrum Energie und Umwelt der TU Wien: "Als Ausgleich für
die Stilllegung von Kernenergie muss je Kilowatt installierter
Leistung eine entsprechende Leistung von Onshore-Windenergie von 4 kW
installiert werden, bei Photovoltaik sind dies sogar 8 kW." Ursache
für den Anstieg der installierten Leistung, auf die die Netze
auszurichten sind, ist die geringe Jahresernte bei erneuerbaren
Energien. Ein kW Photovoltaik erzeugt pro Jahr 1000 kWh und ein kW
Windenergie 2000 kWh. Vergleichsweise sind die Kernkraftwerke bei
voller Leistung durchgelaufen und haben 8000 kWh/kW im Jahr erzeugt,
so Brauner. Die vorhandenen Übertragungsnetze seien aber nur auf etwa
die doppelte Leistung der Kernenergie ausgelegt. Außerdem nutze die
Photovoltaik wenn sie eine Leistung von über 70 Prozent der
installierten Leistung aufweist, die Netze nur 100 Stunden im Jahr.
Brauner: "Der Netzausbau für die Spitzenlast ist daher nicht
wirtschaftlich, man braucht eine Flexibilisierung und eine
Regionalisierung."
Die Flexibilisierung des Verbrauchs macht den Einsatz von
Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) im Verteilernetz
notwendig. Die IKT muss aber so aufgebaut sein, dass der Privatsektor
geschützt ist und Angriffe aus dem Internet keine Auswirkungen auf
die Versorgungssicherheit haben. Zentrale IKT-Systeme und Anbindung
aller Hausgeräte an diese sind daher laut Brauner keine Lösung (big
data, no privacy, no cyber security). Die IKT müsse unabhängig vom
Energienetz versorgt sein und sollte keine Grundversorgungsaufgaben
betreuen sondern für die Optimierung des Energienetzes und den
Energiehandel eingesetzt werden. Bei Ausfall aller IKT-Systeme sollte
eine Grundversorgung erhalten bleiben.

Sicherer Datenaustausch der Netzbetreiber

Österreichs Netzbetreiber haben bereits wichtige Schritte im Bereich
der Cybersecurity gesetzt. "Mit dem Projekt "Energiewirtschaftlicher
Datenaustausch" (EDA) haben die Verteilernetzbetreiber eine sichere,
zukunftsorientierte, stabile und kostengünstige Datenaustauschmethode
entwickelt, die auch im europäischen Energiemarkt eine Vorreiterrolle
einnimmt", erklärte Johannes Reindl, Geschäftsführer Netz
Niederösterreich GmbH. Die wesentlichen Weichenstellungen und das
EDA-Design wurden in der eigens gegründeten Arge
"Energiewirtschaftlicher Datenaustausch" festgelegt, deren
Vorsitzender Reindl ist: "Das Ergebnis, das wir gemeinsam erreicht
haben, ist wegweisend für eine neue Art der Branchenkooperation, aber
auch für die Zukunft der Datenerfassung und des Datenaustausches.
Durch die gemeinschaftliche Entwicklung sei es gelungen, die Kosten
für die Einzelunternehmen extrem niedrig zu halten und maximale
Synergie zu erreichen.
EDA kann als richtungsweisendes Projekt in der europäischen
Energiewirtschaft gesehen werden: Durch Verschlüsseln und Signieren
auf mehreren Ebenen lassen sich Daten weder abhören noch fälschen.
Starke Verschlüsselungsverfahren verhindern Dritten dabei den
Zugriff. Im Rahmen von EDA wurden XML-Dokumentenformate,
Geschäftsprozesse sowie das Kommunikationsprotokoll einheitlich
festgeschrieben. Dadurch werden Interoperabilitätsprobleme minimiert.
Teile des EDA-Standards sind etwa Sicherheitsfunktionen für das
Signieren und Verschlüsseln von Nachrichten, ein einheitliches
Kommunikationsprotokoll mit festgelegtem Wiederholungsverhalten,
Umgang mit Dubletten, PKI-Integration, Verhalten bei
Nichterreichbarkeit, Identifizierung von Teilnehmern, Prozessen, und
Nachrichten oder XML-Schemata mit Geschäftsregeln zur
Dokumentenstruktur. Das Anbinden weiterer Marktteilnehmer erfordert
lediglich die Installation und Anbindung von Ponton X/P mit minimalem
Konfigurationsaufwand unter Nutzung einer branchenweiten
Sammellizenz.

Cybersecurity in der Elektrizitätswirtschaft

Insbesondere ab den neunziger Jahren wurden zur Erhöhung der
Versorgungssicherheit und Versorgungsqualität auch im Bereich der
Datensicherheit viele Investitionen durchgeführt, wobei der
Schwerpunkt auf brancheninterner Kommunikationsinfrastruktur lag.
Obwohl diese Vernetzung in diesem Zeitraum stark zugenommen hat, gab
es in Europa im Bereich der Elektrizitätswirtschaft keine
Security-Vorfälle, welche zu einer Gefährdung der Stromversorgung
geführt haben, erklärt Gerald Obernosterer, Vorsitzender des
Ausschusses Informations- und Kommunikationstechnik von Oesterreichs
Energie und Cyber-Security-Experte der Kelag. Obernosterer: "Die
nächsten großen Herausforderungen werden sowohl die gesetzlich
vorgeschriebene Einführung von Smart Metering als auch die
Integration der erneuerbaren Energien sein. Für beide Bereiche ist
die Informations- und Kommunikationstechnik ein wesentlicher
Erfolgsfaktor."

Projekt "Risikoanalyse für die Informationssysteme für die
Elektrizitätswirtschaft"

Die Energiebranche wird neben anderen Branchen als kritischer
Infrastrukturbetreiber eingestuft. Des Weiteren wurde sowohl bei der
CyberSecurityRisikoanalyse im Jahre 2011 als auch bei der Erarbeitung
der nationalen IKT Sicherheitsstrategie der Energiebranche eine
besondere Bedeutung zugeordnet, da diese als sehr wesentlich für das
Funktionieren der IKT-Systeme gesehen wird. Die Ergebnisse der
IKT-Sicherheitsstrategie und der Cybersecurity Initiative des BM.I
wurden in einer Kooperation des Bundeskanzleramtes, des
Verteidigungsministeriums und des Innenministeriums zur Erstellung
einer nationalen Cybersecurity Strategie genutzt - der
"Österreichischen Strategie für Cybersicherheit (ÖSCS)". Durch
Initiative der beiden Sicherheitsministerien BM.I und BMLVS und dem
BMWA, dem Bundeskanzleramt, der Regulierungsbehörde und Vertretern
aus der Branche wurde für den Sektor Energie (Teil Strom) eine
Risikoanalyse betreffend Risiken für die Versorgungssicherheit mit
Strom in Österreich durch die Nutzung von IKT-Infrastrukturen
detailliert beleuchtet. Aus den erkannten Gefahren wurden Risiken
abgeleitet und hinsichtlich Stromausfall und Datenschutz bewertet.
Als Ergebnis wurden Maßnahmen abgeleitet und zur weiteren Umsetzung
dem jeweiligen Prozesseigner (Regulierungsbehörde, Branchenvertretung
Oesterreichs Energie bzw. den Einzelunternehmen) zugeteilt.

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