Oesterreichs Energie Hintergrundgespräch "Watt meets Byte" thematisiert Anforderungen an Verteilernetze und Smarte Systeme

Verteilernetzbetreiber fordern Fondslösung für Smart-Grid-Innovationen

Wien (OTS) - Eine Fondslösung ähnlich dem britischen Low Carbon Networks Fund fordern Österreichs Verteilernetzbetreiber für Forschungs- und Demonstrationsprojekte im Bereich smarter Netze. "Verteilernetzbetreiber sind für den sicheren und stabilen Netzbetrieb verantwortlich und müssen daher in den kommenden Jahren innovative neue Technologien durch Demonstrationsprojekte auf ihre Praxistauglichkeit austesten", erklärte Reinhard Brehmer, Sprecher Netze von Oesterreichs Energie.

Als mögliches Vorbild für eine derartige Lösung sieht Brehmer den Low Carbon Networks Fund (LCNF) des britischen Regulators Ofgem. Diese Fonds-Methode ermöglicht Investitionen in innovative Technologien über den regulierten Kostenrahmen hinaus, wobei es unterschiedliche Fonds-Töpfe für kleinere Innovationen und große Flagship-Projekte gibt. Brehmer: "Der Fonds gibt damit auch dem regulierten Bereich Incentives für derartige Vorhaben, die ohne dieses Modell nicht durchgeführt werden könnten. Bis 2020 sieht Oesterreichs Energie einen Investitionsbedarf von 2.5 Mrd. für Smart Grid-Innovationen."

Klassische Netzinvestitionen weiter erforderlich

Investitionen in die Netze, unabhängig davon ob es sich um Investitionen in klassische oder smarte Technologien handelt, müssen den Netzbetreibern seitens der Regulierungsbehörde anerkannt und über die Netztarife abgegolten werden. Brehmer: "Die Netzkomponenten unterliegen einem Alterungsprozess und demgemäß einem Erneuerungszyklus, der nicht mehr hinausgeschoben werden darf." Die aktuellen Diskussionen um Smart Grids dürften nicht zu dem falschen Schluss führen, dass in Zukunft ausschließlich in intelligente und nicht mehr in klassische Netzelemente zu investieren ist. Das Rückgrat der Stromnetze der Zukunft werde nach wie vor aus den klassischen Komponenten Leitungen, Transformatoren und anderen Anlagen bestehen. Brehmer: "Die Stromnetze der Zukunft können nur so sicher und zuverlässig funktionieren wie ihr Rückgrat, das weiterhin aus Kupfer, Eisen und Aluminium besteht."

Entwicklung der Netze entscheidend für Energiewende im Strombereich

Die Entwicklung der Übertragungs- und Verteilernetze in den kommenden Jahren wird entscheidend für den Erfolg der Energiewende im Bereich der Elektrizitätsversorgung. Stromproduktion aus erneuerbaren Energien funktioniert aber in mehreren Bereichen anders als konventionelle Stromproduktion, so Prof. Günther Brauner vom Forschungszentrum Energie und Umwelt der TU Wien: "Als Ausgleich für die Stilllegung von Kernenergie muss je Kilowatt installierter Leistung eine entsprechende Leistung von Onshore-Windenergie von 4 kW installiert werden, bei Photovoltaik sind dies sogar 8 kW." Ursache für den Anstieg der installierten Leistung, auf die die Netze auszurichten sind, ist die geringe Jahresernte bei erneuerbaren Energien. Ein kW Photovoltaik erzeugt pro Jahr 1000 kWh und ein kW Windenergie 2000 kWh. Vergleichsweise sind die Kernkraftwerke bei voller Leistung durchgelaufen und haben 8000 kWh/kW im Jahr erzeugt, so Brauner. Die vorhandenen Übertragungsnetze seien aber nur auf etwa die doppelte Leistung der Kernenergie ausgelegt. Außerdem nutze die Photovoltaik wenn sie eine Leistung von über 70 Prozent der installierten Leistung aufweist, die Netze nur 100 Stunden im Jahr. Brauner: "Der Netzausbau für die Spitzenlast ist daher nicht wirtschaftlich, man braucht eine Flexibilisierung und eine Regionalisierung."
Die Flexibilisierung des Verbrauchs macht den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) im Verteilernetz notwendig. Die IKT muss aber so aufgebaut sein, dass der Privatsektor geschützt ist und Angriffe aus dem Internet keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit haben. Zentrale IKT-Systeme und Anbindung aller Hausgeräte an diese sind daher laut Brauner keine Lösung (big data, no privacy, no cyber security). Die IKT müsse unabhängig vom Energienetz versorgt sein und sollte keine Grundversorgungsaufgaben betreuen sondern für die Optimierung des Energienetzes und den Energiehandel eingesetzt werden. Bei Ausfall aller IKT-Systeme sollte eine Grundversorgung erhalten bleiben.

Sicherer Datenaustausch der Netzbetreiber

Österreichs Netzbetreiber haben bereits wichtige Schritte im Bereich der Cybersecurity gesetzt. "Mit dem Projekt "Energiewirtschaftlicher Datenaustausch" (EDA) haben die Verteilernetzbetreiber eine sichere, zukunftsorientierte, stabile und kostengünstige Datenaustauschmethode entwickelt, die auch im europäischen Energiemarkt eine Vorreiterrolle einnimmt", erklärte Johannes Reindl, Geschäftsführer Netz Niederösterreich GmbH. Die wesentlichen Weichenstellungen und das EDA-Design wurden in der eigens gegründeten Arge "Energiewirtschaftlicher Datenaustausch" festgelegt, deren Vorsitzender Reindl ist: "Das Ergebnis, das wir gemeinsam erreicht haben, ist wegweisend für eine neue Art der Branchenkooperation, aber auch für die Zukunft der Datenerfassung und des Datenaustausches. Durch die gemeinschaftliche Entwicklung sei es gelungen, die Kosten für die Einzelunternehmen extrem niedrig zu halten und maximale Synergie zu erreichen.
EDA kann als richtungsweisendes Projekt in der europäischen Energiewirtschaft gesehen werden: Durch Verschlüsseln und Signieren auf mehreren Ebenen lassen sich Daten weder abhören noch fälschen. Starke Verschlüsselungsverfahren verhindern Dritten dabei den Zugriff. Im Rahmen von EDA wurden XML-Dokumentenformate, Geschäftsprozesse sowie das Kommunikationsprotokoll einheitlich festgeschrieben. Dadurch werden Interoperabilitätsprobleme minimiert. Teile des EDA-Standards sind etwa Sicherheitsfunktionen für das Signieren und Verschlüsseln von Nachrichten, ein einheitliches Kommunikationsprotokoll mit festgelegtem Wiederholungsverhalten, Umgang mit Dubletten, PKI-Integration, Verhalten bei Nichterreichbarkeit, Identifizierung von Teilnehmern, Prozessen, und Nachrichten oder XML-Schemata mit Geschäftsregeln zur Dokumentenstruktur. Das Anbinden weiterer Marktteilnehmer erfordert lediglich die Installation und Anbindung von Ponton X/P mit minimalem Konfigurationsaufwand unter Nutzung einer branchenweiten Sammellizenz.

Cybersecurity in der Elektrizitätswirtschaft

Insbesondere ab den neunziger Jahren wurden zur Erhöhung der Versorgungssicherheit und Versorgungsqualität auch im Bereich der Datensicherheit viele Investitionen durchgeführt, wobei der Schwerpunkt auf brancheninterner Kommunikationsinfrastruktur lag. Obwohl diese Vernetzung in diesem Zeitraum stark zugenommen hat, gab es in Europa im Bereich der Elektrizitätswirtschaft keine Security-Vorfälle, welche zu einer Gefährdung der Stromversorgung geführt haben, erklärt Gerald Obernosterer, Vorsitzender des Ausschusses Informations- und Kommunikationstechnik von Oesterreichs Energie und Cyber-Security-Experte der Kelag. Obernosterer: "Die nächsten großen Herausforderungen werden sowohl die gesetzlich vorgeschriebene Einführung von Smart Metering als auch die Integration der erneuerbaren Energien sein. Für beide Bereiche ist die Informations- und Kommunikationstechnik ein wesentlicher Erfolgsfaktor."

Projekt "Risikoanalyse für die Informationssysteme für die Elektrizitätswirtschaft"

Die Energiebranche wird neben anderen Branchen als kritischer Infrastrukturbetreiber eingestuft. Des Weiteren wurde sowohl bei der CyberSecurityRisikoanalyse im Jahre 2011 als auch bei der Erarbeitung der nationalen IKT Sicherheitsstrategie der Energiebranche eine besondere Bedeutung zugeordnet, da diese als sehr wesentlich für das Funktionieren der IKT-Systeme gesehen wird. Die Ergebnisse der IKT-Sicherheitsstrategie und der Cybersecurity Initiative des BM.I wurden in einer Kooperation des Bundeskanzleramtes, des Verteidigungsministeriums und des Innenministeriums zur Erstellung einer nationalen Cybersecurity Strategie genutzt - der "Österreichischen Strategie für Cybersicherheit (ÖSCS)". Durch Initiative der beiden Sicherheitsministerien BM.I und BMLVS und dem BMWA, dem Bundeskanzleramt, der Regulierungsbehörde und Vertretern aus der Branche wurde für den Sektor Energie (Teil Strom) eine Risikoanalyse betreffend Risiken für die Versorgungssicherheit mit Strom in Österreich durch die Nutzung von IKT-Infrastrukturen detailliert beleuchtet. Aus den erkannten Gefahren wurden Risiken abgeleitet und hinsichtlich Stromausfall und Datenschutz bewertet. Als Ergebnis wurden Maßnahmen abgeleitet und zur weiteren Umsetzung dem jeweiligen Prozesseigner (Regulierungsbehörde, Branchenvertretung Oesterreichs Energie bzw. den Einzelunternehmen) zugeteilt.

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