- 26.11.2014, 09:20:04
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Neuer Test zur Bewertung des HDL-Cholesterins kann Herz-Kreislaufrisiko vorhersagen
Wien (OTS) - Eine aktuelle Studie der MedUni Wien zeigt, dass
Veränderungen am "guten Cholesterin" HDL (High Density Lipoprotein)
mit Herzkreislauferkrankungen assoziiert sein können: Durch die
Entwicklung eines neuartigen Labortests konnten WissenschafterInnen
des Instituts für Medizinische Genetik und der Abteilung für
Nephrologie & Dialyse (Universitätsklinik für Innere Medizin III) der
MedUni Wien erstmals zeigen, dass das Vorhandensein von bestimmten
Proteinen im HDL zu einem erhöhten Herz-Kreislaufrisiko und einer
erhöhten Mortalität führen kann.
HDL (High Density Lipoprotein) ist eine Proteinklasse, die beim
Cholesterinstoffwechsel im Körper eine zentrale Rolle einnimmt. HDL
sorgt für den Abtransport des Cholesterins zur Leber, wo es abgebaut
wird. Dadurch wird das HDL umgangssprachlich auch als "gutes
Cholesterin" bezeichnet. Ein Team rund um Thomas Weichhart (Institut
für Medizinische Genetik), Marcus Säemann und Chantal Kopecky (beide
Abteilung für Nephrologie & Dialyse der Universitätsklinik für Innere
Medizin III) zeigt in einer Studie an über 1200 PatientInnen, dass
das Vorhandensein von zwei bestimmten Proteinen im guten HDL mit
einer schlechteren Prognose bei dialysepflichtigen DiabetikerInnen
einhergeht. Die Studie wurde soeben im Clinical Journal of the
American Society of Nephrology publiziert.
Hohe HDL-Werte gelten im Allgemeinen als optimal und sollen vor
Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall schützen.
Derzeit wird in der klinischen Praxis nur die Cholesterin-Menge im
HDL (das sogenannte HDL-C) bestimmt und daraus die schützende Wirkung
vor künftigen Herz-Kreislauferkrankungen abgeleitet. Dieser
Zusammenhang mag bei der gesunden Bevölkerung gegeben sein. Neuere
Forschungsergebnisse zeigen aber, dass bei vielen chronischen
Erkrankungen wie z.B. der koronaren Herzkrankheit, dem Diabetes
mellitus oder bei Dialyse-PatientInnen die HDL-C- Menge im Blut nicht
als prognostischer Marker verwendet werden kann. Daher werden neue
Methoden benötigt, um das Herz-Kreislauferkrankungsrisiko besser
abschätzen zu können.
HDL besteht nur zu rund 20 Prozent aus Cholesterin; über 50 Prozent
des HDLs setzt sich aus verschiedenen Proteinen zusammen. Und genau
diese Proteinzusammensetzung ist bei vielen Erkrankungen verändert.
Die Wiener ForscherInnen konnten bereits in einer früheren Studie
zeigen, dass vor allem zwei Proteine, nämlich Serum Amyloid A (SAA)
sowie Surfactant Protein B (SP-B) im HDL von DialysepatientInnen
deutlich erhöht sind, und auch dazu beitragen, dass das HDL seine
schützende Wirkung verliert.
Test misst "gefährliche" Proteine
Die WissenschafterInnen haben nun einen innovativen Test entwickelt,
der SAA und SP-B im HDL direkt und schnell messen kann. Mit Hilfe
dieses Tests wurde die HDL-Proteinzusammensetzung in über 1200
dialysepflichtigen DiabetikerInnen untersucht. Die Ergebnisse waren
eindeutig. Hohe SAA-Mengen im HDL waren mit verstärktem Auftreten von
Herzinfarkten assoziiert, während hohe Mengen von SP-B im HDL einen
Marker für ein allgemein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko darstellte.
Diese Entdeckung könnte die Bewertung von HDL verändern. "Der HDL-C
Wert bleibt weiter wichtig, doch sollte der neue Test künftig
zusätzlich eine deutlich präzisere Risikovorhersage für
Herz-Kreislaufkrankheiten ermöglichen", erklären die Studienautoren,
"somit könnte bereits früher therapeutisch durch zum Beispiel eine
veränderte Lebensweise eingegriffen werden, um die Gesamtprognose
entscheidend zu verbessern."
Derzeit wird der Labortest in anderen PatientInnenkollektiven
evaluiert, um die Erkenntnisse auch bei anderen Krankheiten wie zum
Beispiel der koronaren Herzkrankheit, bei der auch SAA und SP-B
erhöht sind, zu bestätigen. Der Labortest wird noch nicht
routinemäßig durchgeführt; gegenwärtig arbeitet aber eine
österreichische Firma an der Markteinführung.
Service: Clinical Journal of the American Society of
Nephrology
"Quantification of HDL proteins, cardiac events and mortality in type
2 diabetes patients on hemodialysis". Chantal Kopecky, Bernd Genser,
Christiane Drechsler, Vera Krane, Christopher C. Kaltenecker, Markus
Hengstschläger, Winfried März, Christoph Wanner, Marcus D. Säemann,
Thomas Weichhart. November 2014, doi:10.2215/CJN.06560714.
Fünf Forschungscluster an der MedUni Wien
Insgesamt sind fünf Forschungscluster der MedUni Wien etabliert, in
welchen in der Grundlagen- wie klinischen Forschung vermehrt
Schwerpunkte an der MedUni Wien gesetzt werden. Die Forschungscluster
umfassen medizinische Bildgebung, Krebsforschung/Onkologie,
kardiovaskuläre Medizin, medizinische Neurowissenschaften und
Immunologie. Die vorliegende Arbeit am Institut für Medizinische
Genetik und der Abteilung für Nephrologie & Dialyse fällt inhaltlich
in den Themenbereich der kardiovaskulären Medizin.
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