• 25.11.2014, 13:06:37
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Praktika: GPA-djp sagt permanenter Inszenierung von Rechtsunsicherheit der Arbeitgeber den Kampf an

Entlohnung nach Kollektivvertrag, Definition von Lerninhalten in Hochschullehrplänen und Beweislastumkehr gefordert

Utl.: Entlohnung nach Kollektivvertrag, Definition von Lerninhalten
in Hochschullehrplänen und Beweislastumkehr gefordert =

Wien (OTS/ÖGB) - Im Juli hat die Gewerkschaft der Privatangestellten,
Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) mit der Unterstützung des
Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BASK)
und der "Plattform Generation Praktikum" die watchlist-praktikum.at
gestartet. Betroffene können auf der Onlineplattform anonym ihre
Erfahrungen mit Praktika und offensichtliche Missstände melden. Die
Angaben werden zur Prüfung auch an die jeweiligen
Gebietskrankenkassen weitergeleitet, die bei Vorliegen von
Arbeitsverträgen die sozialversicherungsrechtliche Richtigstellung
verlangen können.

"Die Problematik ist größer als befürchtet: wir haben bereits knapp
mehr als 30.000 Klicks und mehr als 100 Meldungen bekommen", zieht
Veronika Kronberger, Vorsitzende der "Plattform Generation Praktikum"
und in der GPA-djp zuständig für die Interessengemeinschaft work@flex
eine erste Bilanz. Umgehungen werden in nahezu allen Branchen
gemeldet. "In den meisten Fällen geht es um die Unter- oder
Nichtbezahlung, in vielen Unternehmen werden vollwertige Angestellte
durch PraktikantInnen ersetzt, beklagt werden sowohl physische als
auch psychische Übergriffe. Wir können hier nicht mehr von einzelnen
schwarzen Schafen sprechen, es handelt sich schon um ganze Herden.
Leider sind auch der öffentliche bzw. der halböffentliche Bereich
keine Ausnahme, da werden uns viele Fälle gemeldet", fasst Kronberger
zusammen und verweist auf ein aktuelles Inserat des Gemeindebundes,
der ein Volontariat in seiner Pressestelle für 300 Euro monatlich
anbietet.

"Die Plattform "Watchlist Praktikum" ist ein weiteres, gutes
Instrument, um Missstände wie beispielsweise unterlassene Anmeldungen
zur Sozialversicherung, oder Unterentlohnung aufzuklären. Stellen wir
im Rahmen einer dahin gehenden Überprüfung Missstände fest, werden
die notwendigen Korrekturen, verbunden mit der entsprechenden
Beitragsnachentrichtung inklusive der Verrechnung von Verzugszinsen,
vorgenommen", erklärt Richard Nowatschek, stellvertretender Leiter
der Abteilung Beitragsprüfung der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK).
In wie vielen Fällen es zu Nachzahlungen kommt, kann Nowatschek nicht
sagen. Die über die Watchlist Praktikum eingelangten Fälle werden zu
den rund 25.000 Überprüfungen addiert, die die Gebietskrankenkassen
und Finanzprüfer österreichweit jährlich durchführen.

"Wir nehmen das Thema der fairen Arbeitsbedingungen für
PraktikantInnen sehr ernst. Auch wenn es eine gewisse Grauzone gibt:
diese permanente Inszenierung von Rechtsunsicherheit der Arbeitgeber
werden wir keinesfalls mehr tolerieren", ergänzt Karl Proyer, stv.
Bundesgeschäftsführer der GPA-djp. Die Watchlist Praktikum habe sich
auch als Informationsmedium bewährt. Ergänzend setzt die GPA-djp auf
die rechtliche Information von Betriebsratskörperschaften, um für das
Thema zu sensibilieren, so Proyer. Ebenso wird in Zusammenarbeit mit
der ÖH die Information Betroffener verstärkt.

"Unsere Forderungen liegen auf der Hand: die Entlohnung von
PraktikantInnen muss nach Kollektivvertrag erfolgen, die Lehrinhalte
von Praktika müssen in den Hochschullehrplänen definiert werden und
wir brauchen eine Beweislastumkehr. Es ist nicht einzusehen, dass
immer die PraktikantInnen rennen müssen, um zu beweisen, dass sie
nichts gelernt haben - die Dienstgeber sollen erklären, was sie
vermitteln", so Proyer abschließend: "Unsere strategische Zielsetzung
ist klar: wir wollen die erste Adresse für BerufseinsteigerInnen
werden, also kämpfen wir gemeinsam mit den Betroffenen für faire
Arbeitsbedingungen!"

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