• 23.11.2014, 15:07:47
  • /
  • OTS0041 OTW0041

Bundesminister Ostermayer verleiht Erich-Fried-Preis an Judith Hermann

Autorin stellte Stiefkind der deutschen Literatur, die Erzählung, wieder in den Mittelpunkt

Utl.: Autorin stellte Stiefkind der deutschen Literatur, die
Erzählung, wieder in den Mittelpunkt =

Wien (OTS) - "Ich freue mich, den diesjährigen Erich-Fried-Preis an
Judith Hermann für ihr Schaffen, für ihre erzählerische Kraft und
Meisterschaft überreichen zu dürfen", sagte Bundesminister Josef
Ostermayer heute, Sonntag, bei der Verleihung der Auszeichnung im
Literaturhaus in Wien.

Detlev Rünger, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in
Österreich, freute sich, dass der Preis an Judith Hermann, "eine der
bekanntesten Schriftstellerinnen Deutschlands", ging. Er betonte in
seinen Worten zudem die enge Verbindung zwischen Deutschland und
Österreich. Erich Fried spiegle diese Verbindung im Guten wie im
Bösen wider.

Walter Hinderer, Präsidiumsmitglied der Internationalen
Erich-Fried-Gesellschaft, beschrieb in seinen Begrüßungsworten die
alleinige Jurorin Monika Maron als geistreiche Erzählerin. Die
deutsche Autorin und Essayistin hätte sich ohne zu zaudern auf diese
verantwortungsvolle Aufgabe eingelassen. In diesem Zusammenhang käme
Maron auch entgegen, dass ihr "niemals die Fähigkeit abhandengekommen
ist, etwas zu denken oder zu sprechen". Auch Bundesminister
Ostermayer würdigte die Verantwortung der Solojurorin: "Es ist ein
bemerkenswerter Vorgang, die Entscheidung einer einzelnen Person zu
übertragen und zu überlassen."

Jurorin Monika Maron widmete sich in ihrer Laudatio dem Schaffen der
Preisträgerin Judith Herrmann. Vor 16 Jahren hätte sie mit ihrem
ersten Buch "Sommerhaus, später" sowohl Literaturkritiker als auch
ihre Leser in einen Rausch versetzt, obwohl es sich um eine
Erzählung, das "literarische Stiefkind", und nicht um einen Roman
gehandelt hätte. Judith Hermanns Protagonisten seien getrieben von
einer "Sehnsucht, die ihren Gegenstand nicht kennt", und in
Erwartung, "irgendein Tag oder Geschehnis würde den Weg weisen".
Desillusion und zugleich große Sehnsucht würden unsere Generation
einen. Die Kunst Judith Hermanns sei es, "Momente zu fixieren und
ihnen literarische Gestalt zu geben".

Die in Berlin geborene Preisträgerin Judith Hermann bedankte sich in
ihrer Rede für den Preis. Sie hätte sich nach langer Zeit wieder mit
dem "in jeglicher Hinsicht politischen" Schriftsteller Erich Fried
und seiner von Vertreibung und Krieg geprägten Lebensgeschichte, die
untrennbar mit seinem literarischen Schaffen verknüpft ist,
beschäftigt. Sie selbst habe im Zuge dessen erkannt: "Ich schreibe,
um das Einzelne im Text zu verstecken und in Sicherheit zu bringen",
um festzustellen, in einer unglaubhaften Wirklichkeit zu leben. In
ebendieser müsse alles mit allem zusammenhängen.

Die Erich-Fried-Gesellschaft wurde genau ein Jahr nach dem Tod Erich
Frieds im Jahr 1989 gegründet und ist bis heute ein
Dreiländerprojekt, in dem die deutschsprachige Literatur in
Deutschland, der Schweiz und Österreich Sitz und Stimme hat. Seit
ihrer Gründung versammelt sie einige der wichtigsten und
bedeutendsten Schriftsteller unter einem Dach. In ihrem Präsidium
sitzen zurzeit unter anderem Ilse Aichinger, Elfriede Jelinek, Adolf
Muschg, Christoph Hein und Friederike Mayröcker.

Der mit 15.000 Euro dotierte Erich-Fried-Preis wird seit 1990 durch
die Internationale Erich-Fried-Gesellschaft für Literatur und Sprache
vergeben und von der Sektion Kunst im Bundeskanzleramt gestiftet. Der
Preis wird auf Vorschlag einer jährlich wechselnden, autonom
entscheidenden Jurorin oder eines Jurors vergeben.

Bilder zu dieser Veranstaltung können Sie aus dem Fotoservice des
Bundeskanzleramtes fotoservice.bundeskanzleramt.at kostenfrei
abrufen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NBU

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel