Presserat: Fotostrecke über Donauinselfest verstößt gegen Ehrenkodex

Wien (OTS) - Der Senat 1 des Presserats beschäftigte sich vor kurzem mit einer Fotostrecke, die dem Artikel "Das Donauinselfest ist ein Paradies" beigefügt und im Juli 2014 auf www.vice.com/alps erschienen ist.

Nach Auffassung des Senats verstößt diese Fotostrecke gegen die Punkte 5 (Persönlichkeitsschutz) und 10.3 (Veröffentlichung unter Missachtung der Intimsphäre) des Ehrenkodex für die österreichische Presse.

In der Fotostrecke werden 26 Bilder vom Donauinselfest 2014 gezeigt. Auf einigen dieser Bilder sind verschiedene Besucher des Fests in kompromittierenden Situationen abgebildet, beispielsweise wie sie sich übergeben, im Gebüsch urinieren, oder augenscheinlich betrunken auf der Wiese liegen.
Der Senat betont, dass die unverpixelte Abbildung von Personen in derart offensichtlich kompromittierenden Situationen klar gegen die Bestimmungen des Ehrenkodex zum Schutz der Persönlichkeit verstößt. Darüber hinaus wurde auch die Intimsphäre der Abgebildeten verletzt. Die Bilderveröffentlichungen dienten nach Meinung des Senats augenscheinlich nur der Befriedigung der voyeuristischen Interessen der Besucher der Homepage; irgendein öffentliches Interesse war hier nicht zu erkennen.

Der Senat forderte den Medieninhaber von www.vice.com/alps auf, die vorliegende Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen.

Die Entscheidung im Langtext finden Sie auf der Homepage des Presserates (www.presserat.at).

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND EINER MITTEILUNG EINES LESERS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der beiden Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.
Im vorliegenden Fall hat der Senat 1 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers ein Verfahren durchgeführt (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob ein Artikel den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, hat der Medieninhaber von "www.vice.com/alps" keinen Gebrauch gemacht. Bisher hat sich der Medieninhaber von "Vice" der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats nicht unterworfen.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Tessa Prager, Sprecherin des Senats 1, Tel.: 01/21312-1169

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