Die Auswirkungen der Gesundheitsreform auf die Medizinprodukte-Branche

Kostendruck hemmt Innovationskraft der heimischen Unternehmen

Wien (OTS) - Am 18. November fand die alljährliche Herbstveranstaltung der AUSTROMED, Interessensvertretung der österreichischen Medizinprodukte-Unternehmen, statt. Das Podium, bestehend aus den renommierten Wirtschafts- und Gesundheitsexperten Dr. Sigrid Pilz (Patientenanwältin der Stadt Wien), Dr. Karl Forstner (ÖÄK), Mag. Peter Soswinski (Rudolfinerhaus) und Mag. Philipp Lindinger (AUSTROMED), war sich einig: Einsparungen dürfen nicht auf Kosten des Patienten erfolgen.

AUSTROMED-Vizepräsident Mag. Alexander Hayn, MBA ging in seinen einleitenden Worten auf die wichtigsten Eckpunkte der Gesundheitsreform ein und präsentierte den Status quo der Zielsteuerung-Gesundheit. Er hob besonders hervor, dass die AUSTROMED grundsätzlich die in der Reform eingeplanten Ziele, Maßnahmen und Kontrollmechanismen begrüßt. Als problematisch sieht Hayn allerdings die Ausgabenobergrenzen, geplanten Kostendämpfungen und das gedeckelte Budget: "Wie soll trotz dieser Einsparungen gleichzeitig gewährleistet werden, dass nur qualitativ hochwertige Medizinprodukte am Markt zur Verfügung stehen? Hier wird die Quadratur des Kreises versucht."

In den anschließenden Keynotes wurde die zentrale Rolle von Medizinprodukten in der modernen Krankenbehandlung und Pflege unterstrichen. Dr. Sigrid Pilz, Patientenanwältin der Stadt Wien:
"Medizinprodukte sind wesentliche Bestandteile von Prävention, Diagnostik und Therapie, deshalb müssen für die Patienten Produkte, deren hohe Qualität und Sicherheit durch unabhängige Studien belegt wurden, zum Einsatz kommen." Der Erste Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer sowie Präsident der Ärztekammer für Salzburg, Dr. Karl Forstner, warnte seinerseits vor der ökonomielastigen Ausrichtung der Reform: "Die Qualität der Leistungen, der medizinischen Einrichtungen und ihrer Ausstattung darf durch die Reform nicht gefährdet werden. Die erforderliche Leistungsmenge und Versorgungsdichte mit innovativen Medizinprodukten muss nach wie vor gewährleistet werden."

Gestärkte Primärversorgung durch den "Best Point of Service"

Die nachfolgende Podiumsdiskussion widmete sich unter der Leitung der Moderatorin und Journalistin Claudia Schanza dem durch die Gesundheitsreform hervorgerufenen Strukturwandel in der Medizinprodukte-Branche. Neben Dr. Pilz und Dr. Forstner diskutierten Mag. Peter Soswinski (Geschäftsführer Rudolfinerhaus) sowie Mag. Philipp Lindinger (Geschäftsführer AUSTROMED). Zusätzlichen Input für die interessante Debatte lieferten abschließende Fragen der anwesenden Vertreter der heimischen Medizinprodukte-Unternehmen und Opinion Leader aus der Gesundheitsbranche.

Die Gesundheitsreform zielt inhaltlich auf die Entlastung der Spitäler und die Stärkung der Primärversorgung ab. Ein noch unbestimmter "Best Point of Service" soll eine Behandlung zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort, bestmöglich und kostengünstig sicherstellen. Dazu ist die Einrichtung von Primärversorgungszentren mit interdisziplinären Teams geplant. Arzt und erster Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer Forstner wies auf derzeit noch offene Punkte der Reform hin: "Mit dem "Best Point of Service" soll der stationäre durch eine Verlagerung in den niedergelassenen Bereich entlastet werden. Dies verlangt nach neuen Organisationsstrukturen:
Die Primärversorgung muss gestärkt, die interdisziplinären und multiprofessionellen Versorgungsstrukturen gefördert werden. Ungeklärt ist aber bisher, wo dieser "Best Point of Service" liegen soll - wohnort- oder spitalsnah?" Patientenanwältin Pilz sieht in der Einrichtung von Primärversorgungszentren vor allem Vorteile für die Patienten: "Am "Best Point of Service" wirken umfassende Versorgungsstrukturen, die sich an den Bedürfnissen der Patienten orientieren. Zudem profitieren sie von der Behandlung durch interdisziplinäre Teams und den am Bedarf der Patienten angepassten Öffnungszeiten."

Innovationen müssen beim Patienten ankommen

Der aktuelle Kostendruck könnte sich sehr schnell negativ auf die Innovations- und Forschungskraft der heimischen Medizinprodukte-Unternehmen auswirken. "Im Mittelpunkt steht das Wohl und die bestmögliche Versorgung der Patienten, daher gilt es, geeignete Rahmenbedingung zur Förderung von Forschung und Innovation zu schaffen - von einer Verbesserung des Refundierungssystems bis hin zu einer transparenten und nachvollziehbaren Verfahrensordnung", forderte Lindinger im Laufe der Podiumsdiskussion. "Die Grundlage für eine optimale Behandlung der Patienten sind innovative Produkte und Therapien. Deshalb ist es notwendig, dass diese nicht verhindert, sondern gefördert werden. Nur so ist gewährleistet, dass qualitativ hochwertige Medizinprodukte am Markt bereitgestellt werden können." Dies bestätigte auch Rudolfinerhaus-Geschäftsführer Peter Soswinski:
"Es ist verheerend, einzig die Kosten in den Vordergrund zu stellen. Damit sinkt im extra- wie intramuralen Bereich die Qualität bei der Behandlung der Patienten, und dies gilt es unbedingt zu vermeiden."

Österreich als Standort sichern

Österreich als starker Standort gewährleistet mit innovativen Medizinprodukte-Unternehmen eine patienten- und anwendernahe Versorgung. "Die im Internet angeführte Mitgliederliste der AUSTROMED hat rund 90 Mitglieder, die in unterschiedlichster Form und mit unterschiedlichster Tiefe Medizinprodukte anbieten, d.h. Medizinprodukte sind fast alles, was in einem Krankenhaus eingesetzt wird oder umgekehrt: ohne Medizinprodukte funktioniert kein Krankenhaus", zeigte sich Soswinski überzeugt. Einseitige Maßnahmen zur Kostendämpfung dürfen die erfolgreich gewachsene und gesunde Struktur der Branche nicht aufs Spiel setzen. Auch Lindinger betonte die Rolle der Medizinprodukte-Branche als Nutzenstifter, denn manchmal bekomme man den Eindruck, dass diese ausschließlich als Kostenfaktor angesehen werden. Innovative Produkte und Therapien sind die Grundlage für eine optimale Behandlung der Patienten, deshalb sei eine Entwicklung weg von der Stückkosten- hin zur Prozesskostenbetrachtung notwendig. Zudem fordert der AUSTROMED-Geschäftsführer die Umsetzung von "Health in all Policies", der Gesundheit in allen Politikfeldern: "Die ressortübergreifende Zusammenarbeit der Ministerien sowie zwischen Bund, Ländern, der Sozialversicherung und Medizinprodukte-Branche muss gefördert werden", so Lindinger.

Über AUSTROMED

AUSTROMED ist die Interessensvertretung der österreichischen Medizinprodukte-Unternehmen, die in der Entwicklung, der Produktion, der Aufbereitung und dem Handel von Medizinprodukten in Österreich tätig sind. Medizinprodukte reichen vom Herzschrittmacher über das Hüftimplantat bis hin zum Pflaster. Aufgrund der hohen Innovationskraft werden ständig neue Produkte entwickelt. Rund 100 Mitgliedsunternehmen beschäftigen ca. 9.000 Mitarbeiter und die Wertschöpfung beträgt über 1,5 Mrd. Euro.

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Sandra Horak
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AUSTROMED - Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
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