• 19.11.2014, 16:08:39
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Die Auswirkungen der Gesundheitsreform auf die Medizinprodukte-Branche

Kostendruck hemmt Innovationskraft der heimischen Unternehmen

Podiumsdiskutanten bei der Herbstveranstaltung der AUSTROMED

Utl.: Kostendruck hemmt Innovationskraft der heimischen Unternehmen =

Wien (OTS) - Am 18. November fand die alljährliche
Herbstveranstaltung der AUSTROMED, Interessensvertretung der
österreichischen Medizinprodukte-Unternehmen, statt. Das Podium,
bestehend aus den renommierten Wirtschafts- und Gesundheitsexperten
Dr. Sigrid Pilz (Patientenanwältin der Stadt Wien), Dr. Karl Forstner
(ÖÄK), Mag. Peter Soswinski (Rudolfinerhaus) und Mag. Philipp
Lindinger (AUSTROMED), war sich einig: Einsparungen dürfen nicht auf
Kosten des Patienten erfolgen.

AUSTROMED-Vizepräsident Mag. Alexander Hayn, MBA ging in seinen
einleitenden Worten auf die wichtigsten Eckpunkte der
Gesundheitsreform ein und präsentierte den Status quo der
Zielsteuerung-Gesundheit. Er hob besonders hervor, dass die AUSTROMED
grundsätzlich die in der Reform eingeplanten Ziele, Maßnahmen und
Kontrollmechanismen begrüßt. Als problematisch sieht Hayn allerdings
die Ausgabenobergrenzen, geplanten Kostendämpfungen und das
gedeckelte Budget: "Wie soll trotz dieser Einsparungen gleichzeitig
gewährleistet werden, dass nur qualitativ hochwertige Medizinprodukte
am Markt zur Verfügung stehen? Hier wird die Quadratur des Kreises
versucht."

In den anschließenden Keynotes wurde die zentrale Rolle von
Medizinprodukten in der modernen Krankenbehandlung und Pflege
unterstrichen. Dr. Sigrid Pilz, Patientenanwältin der Stadt Wien:
"Medizinprodukte sind wesentliche Bestandteile von Prävention,
Diagnostik und Therapie, deshalb müssen für die Patienten Produkte,
deren hohe Qualität und Sicherheit durch unabhängige Studien belegt
wurden, zum Einsatz kommen." Der Erste Vizepräsident der
Österreichischen Ärztekammer sowie Präsident der Ärztekammer für
Salzburg, Dr. Karl Forstner, warnte seinerseits vor der
ökonomielastigen Ausrichtung der Reform: "Die Qualität der
Leistungen, der medizinischen Einrichtungen und ihrer Ausstattung
darf durch die Reform nicht gefährdet werden. Die erforderliche
Leistungsmenge und Versorgungsdichte mit innovativen Medizinprodukten
muss nach wie vor gewährleistet werden."

Gestärkte Primärversorgung durch den "Best Point of Service"

Die nachfolgende Podiumsdiskussion widmete sich unter der Leitung der
Moderatorin und Journalistin Claudia Schanza dem durch die
Gesundheitsreform hervorgerufenen Strukturwandel in der
Medizinprodukte-Branche. Neben Dr. Pilz und Dr. Forstner diskutierten
Mag. Peter Soswinski (Geschäftsführer Rudolfinerhaus) sowie Mag.
Philipp Lindinger (Geschäftsführer AUSTROMED). Zusätzlichen Input für
die interessante Debatte lieferten abschließende Fragen der
anwesenden Vertreter der heimischen Medizinprodukte-Unternehmen und
Opinion Leader aus der Gesundheitsbranche.

Die Gesundheitsreform zielt inhaltlich auf die Entlastung der
Spitäler und die Stärkung der Primärversorgung ab. Ein noch
unbestimmter "Best Point of Service" soll eine Behandlung zum
richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort, bestmöglich und kostengünstig
sicherstellen. Dazu ist die Einrichtung von Primärversorgungszentren
mit interdisziplinären Teams geplant. Arzt und erster Vizepräsident
der Österreichischen Ärztekammer Forstner wies auf derzeit noch
offene Punkte der Reform hin: "Mit dem "Best Point of Service" soll
der stationäre durch eine Verlagerung in den niedergelassenen Bereich
entlastet werden. Dies verlangt nach neuen Organisationsstrukturen:
Die Primärversorgung muss gestärkt, die interdisziplinären und
multiprofessionellen Versorgungsstrukturen gefördert werden.
Ungeklärt ist aber bisher, wo dieser "Best Point of Service" liegen
soll - wohnort- oder spitalsnah?" Patientenanwältin Pilz sieht in der
Einrichtung von Primärversorgungszentren vor allem Vorteile für die
Patienten: "Am "Best Point of Service" wirken umfassende
Versorgungsstrukturen, die sich an den Bedürfnissen der Patienten
orientieren. Zudem profitieren sie von der Behandlung durch
interdisziplinäre Teams und den am Bedarf der Patienten angepassten
Öffnungszeiten."

Innovationen müssen beim Patienten ankommen

Der aktuelle Kostendruck könnte sich sehr schnell negativ auf die
Innovations- und Forschungskraft der heimischen
Medizinprodukte-Unternehmen auswirken. "Im Mittelpunkt steht das Wohl
und die bestmögliche Versorgung der Patienten, daher gilt es,
geeignete Rahmenbedingung zur Förderung von Forschung und Innovation
zu schaffen - von einer Verbesserung des Refundierungssystems bis hin
zu einer transparenten und nachvollziehbaren Verfahrensordnung",
forderte Lindinger im Laufe der Podiumsdiskussion. "Die Grundlage für
eine optimale Behandlung der Patienten sind innovative Produkte und
Therapien. Deshalb ist es notwendig, dass diese nicht verhindert,
sondern gefördert werden. Nur so ist gewährleistet, dass qualitativ
hochwertige Medizinprodukte am Markt bereitgestellt werden können."
Dies bestätigte auch Rudolfinerhaus-Geschäftsführer Peter Soswinski:
"Es ist verheerend, einzig die Kosten in den Vordergrund zu stellen.
Damit sinkt im extra- wie intramuralen Bereich die Qualität bei der
Behandlung der Patienten, und dies gilt es unbedingt zu vermeiden."

Österreich als Standort sichern

Österreich als starker Standort gewährleistet mit innovativen
Medizinprodukte-Unternehmen eine patienten- und anwendernahe
Versorgung. "Die im Internet angeführte Mitgliederliste der AUSTROMED
hat rund 90 Mitglieder, die in unterschiedlichster Form und mit
unterschiedlichster Tiefe Medizinprodukte anbieten, d.h.
Medizinprodukte sind fast alles, was in einem Krankenhaus eingesetzt
wird oder umgekehrt: ohne Medizinprodukte funktioniert kein
Krankenhaus", zeigte sich Soswinski überzeugt. Einseitige Maßnahmen
zur Kostendämpfung dürfen die erfolgreich gewachsene und gesunde
Struktur der Branche nicht aufs Spiel setzen. Auch Lindinger betonte
die Rolle der Medizinprodukte-Branche als Nutzenstifter, denn
manchmal bekomme man den Eindruck, dass diese ausschließlich als
Kostenfaktor angesehen werden. Innovative Produkte und Therapien sind
die Grundlage für eine optimale Behandlung der Patienten, deshalb sei
eine Entwicklung weg von der Stückkosten- hin zur
Prozesskostenbetrachtung notwendig. Zudem fordert der
AUSTROMED-Geschäftsführer die Umsetzung von "Health in all Policies",
der Gesundheit in allen Politikfeldern: "Die ressortübergreifende
Zusammenarbeit der Ministerien sowie zwischen Bund, Ländern, der
Sozialversicherung und Medizinprodukte-Branche muss gefördert
werden", so Lindinger.

Über AUSTROMED

AUSTROMED ist die Interessensvertretung der österreichischen
Medizinprodukte-Unternehmen, die in der Entwicklung, der Produktion,
der Aufbereitung und dem Handel von Medizinprodukten in Österreich
tätig sind. Medizinprodukte reichen vom Herzschrittmacher über das
Hüftimplantat bis hin zum Pflaster. Aufgrund der hohen
Innovationskraft werden ständig neue Produkte entwickelt. Rund 100
Mitgliedsunternehmen beschäftigen ca. 9.000 Mitarbeiter und die
Wertschöpfung beträgt über 1,5 Mrd. Euro.

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sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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