• 19.11.2014, 12:55:17
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"Strom und Geld" heiß diskutiert

Oesterreichs Energie Trendforum thematisierte Fakten und Mythen zum Strompreis

Utl.: Oesterreichs Energie Trendforum thematisierte Fakten und
Mythen zum Strompreis =

Wien (OTS) - Unter dem Motto "Strom und Geld" stand das dritte
Trendforum der Interessenvertretung der österreichischen
E-Wirtschaft, Oesterreichs Energie am 18. November. Die aktuelle
Situation der Branche und ihrer Kunden ist schwierig, rasche Lösungen
sind aber nicht in Sicht. Zu diesem Ergebnis kamen Experten aus
E-Wirtschaft, Behörden und Unternehmen in einer Diskussionsrunde die
Zusammenhänge zwischen Stromerzeugung, Förderungen, Wettbewerb,
Steuern und Strompreisen unter die Lupe nahm.

"Wir befinden uns derzeit in einer vertrackten Situation: Der
E-Wirtschaft sind die Preise zu niedrig, den Konsumenten zu hoch",
erklärte Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie.
Ein emotionsgeladenes Thema, ergänzte Wolfgang Anzengruber, Präsident
von Oesterreichs Energie, "denn einerseits wird der Strompreis von
den Konsumenten als unfair betrachtet, andererseits zahlt die
E-Wirtschaft drauf, weil sie auf dem Großhandelsmarkt nicht mehr die
Preise erzielt, die notwendig sind, um die Versorgungssicherheit
weiterhin zu gewährleisten."

Hohe Steuer- und Abgabenbelastung

Der Großhandelspreis für die Kilowattstunde beträgt aktuell 3,7 Cent.
Mit diesen Preisen lassen sich weder neue Ökostromanlagen noch neue
Wasserkraftwerke oder thermische Kraftwerke finanzieren. Seit 2011
gab es praktisch keine Strompreiserhöhungen bezogen auf den
Energiepreis, jedoch fast durchwegs Strompreissenkungen von bis zu 13
Prozent in Österreich. Dem gegenüber stehen steigende Kosten in
vielen Bereichen. Schmidt: Die Inflation ist seit 2011 um rund fünf
Prozent angestiegen, der Tariflohnindex um sechs Prozent und die
Bürokratiekosten und die regulatorischen Belastungen des
liberalisierten Bereichs der heimischen E-Wirtschaft liegen
inzwischen über 460 Millionen Euro pro Jahr." Das entspricht 16
Prozent des Marktwerts des gesamten in Österreich produzierten
Stroms. Ein weiterer Kostenschub wird sich aus dem
Energieeffizienzgesetz ergeben.

3500 Kilowattstunden beträgt der von der Statistik verwendete
Durchschnittsverbrauch eines Haushalts im Jahr. Bei einem
Durchschnittspreis von 20,8 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2013
ergeben sich monatliche Stromkosten von 60,67 Euro. Macht in Summe
rund 22,44 Euro für den Strom selbst und 22,44 Euro für Steuern und
Abgaben. Die Nutzung des Netzes und seiner Dienstleistungen kostet
Haushalte im Schnitt 15,77 Euro pro Monat. Ohne Stromsteuern und
-abgaben könnte elektrische Energie also um gut ein Drittel billiger
sein. Den Zusammenhang zwischen Kosten, Förderungen, Belastungen und
Preisen zeigt ein grafisch aufbereiteter Faktencheck von Oesterreichs
Energie (www.oesterreichsenergie.at). "Angebot und Nachfrage
funktionieren nicht mehr", kommentierte Anzengruber die Situation und
machte dafür vor allem ein verfehltes Förderregime verantwortlich,
das zu einem Überangebot an billigen Strom geführt habe. "Mangelnde
Erträge bei den Energieversorgern führen aber zu weniger
Investitionen und wir müssen uns vor Augen halten, dass eine sichere
Stromversorgung nicht naturgegeben ist."

Versorgungssicherheit als zentraler Kundenwunsch

Stromkunden wünschen sich vor allem eine unterbrechungsfreie
Versorgung, erklärte Andreas Büchelhofer, Geschäftsführer
Österreichisches Gallup-Institut und Institut für Motivforschung. Das
zeige die alljährlich durchgeführte Meinungsforschung seines
Instituts im Auftrag von Oesterreichs Energie. Erst an zweiter Stelle
kommt der Wunsch nach einem niedrigen Strompreis, drittwichtigster
Punkt aus Konsumentensicht ist die Art und Weise wie der Strom
erzeugt wird. Das Strompreisniveau in Österreich hält die Hälfte der
Befragten derzeit für angemessen, für ebenfalls rund 50 Prozent ist
es zu teuer - eine sehr gute Relation aus Sicht der Branche, so
Büchelhofer: "Von den Verbrauchern allgemein unterschätzt wird
hingegen der Einfluss der Steuern und Abgaben auf die Preisbildung."

Laut Konrad Pesendorfer, Generaldirektor Statistik Austria, könne man
nicht sagen, dass der Strompreis generell ein Preistreiber sei. Zwar
habe sich der Strompreis im Jahr 2013 mit einer Steigerung von 4,5
Prozent in der Inflationsrate durchaus bemerkbar gemacht, "in den
Jahren vorher dafür aber kaum." Eine allgemeine Aussage sei daher
nicht möglich, "die Auswirkungen differieren von Jahr zu Jahr,
spielen aber im Vergleich zu anderen Inflationsposten wie Wohnen oder
Wasser eine eher untergeordnete Rolle", so Pesendorfer. Das
Ausgabengewicht des Energieverbrauchs eines durchschnittlichen
Haushalts bezifferte er mit 4,7 Prozent, Strom liege bei zwei
Prozent.

Laut Reinhold Baudisch, Gründer von durchblicker.at, einer
Internetplattform, auf der man die Strom- und Gaspreise verschiedener
Versorger vergleichen kann, sei Sparen bei den Konsumenten naturgemäß
ein wichtiges Thema, bezüglich des Anbieterwechsels herrsche aber
große Unsicherheit. "Die Herkunft des Stroms hingegen spielt eine
deutlich untergeordnetere Rolle, wie eine Analyse gezeigt hat", so
Baudisch.

Johannes Mayer von der Abteilung Volkswirtschaft der
Regulierungsbehörde E-Control verwies darauf, dass der Wettbewerb
zwischen den Anbietern durch mehr Anbieterwechsel angekurbelt werde
und eine höhere Wechselbereitschaft der Konsumenten zu niedrigeren
Preisen führen würde. Prinzipiell sei das Einsparungspotenzial bei
einem Anbieterwechsel nicht unerheblich. Die Rolle von Steuern und
Abgaben hingegen wollte er nicht überbewertet haben: "Den Konsumenten
ist es egal, wie sich der Preis zusammensetzt, für ihn zählt einzig
und allein der Effekt", so Mayer. Daraus entstehe eine große
Herausforderungen für die E-Wirtschaft: Um bei den Verbrauchern für
eine bessere Akzeptanz der Preise zu sorgen, müssen diese auch
entsprechend transparent kommuniziert werden: "Man muss den Kunden
nachvollziehbar sagen, warum ein günstigerer Strompreis nicht möglich
ist."

Marktverzerrungen beseitigen

Energie muss eine leistbare Komponente des Lebens bleiben und darf
nicht zum Luxusgut verkommen, erklärte Oesterreichs Energie Präsident
Wolfgang Anzengruber. Dafür brauche es aber ein marktwirtschaftliches
Umfeld, das der Kostenwahrheit verpflichtet sei und mit den
wettbewerbsverzerrenden Förderungen aufräume, die zunehmend sogar die
Betreiber umweltfreundlicher Wasserkraftwerke in ihrer Existenz
gefährden würden.

Dieser Forderung konnte bis zu einem bestimmten Grad auch Johann
Hubmann, Vorsitzender des Bundesausschusses Energie der GPA-djp etwas
abgewinnen, obwohl er gleichzeitig betonte, dass dem Staat beim Thema
Energie ein gewichtiges Mitspracherecht eingeräumt werden müsse und
nicht alles über den Wettbewerb gespielt werden dürfe. "Was mich in
diesem Zusammenhang bewegt, ist die Frage der Umverteilung: In 90
Prozent der Fälle sind nämlich Hedgefonds, Banken und andere große
Investoren die Nutznießer der Förderungen, und nur zu drei Prozent
Private", kritisierte er. Und letztlich seien von einem solchen
System auch die Arbeitnehmer betroffen: "Wenn Kraftwerke wegen
Unrentabilität geschlossen werden müssen, werden ja auch Leute auf
die Straße gesetzt." Unterm Strich gehe es um die soziale Balance und
dafür sei eine Anreizförderung besser geeignet als das derzeitige
Dauerförderungssystem, betonte er.

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