"Strom und Geld" heiß diskutiert

Oesterreichs Energie Trendforum thematisierte Fakten und Mythen zum Strompreis

Wien (OTS) - Unter dem Motto "Strom und Geld" stand das dritte Trendforum der Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft, Oesterreichs Energie am 18. November. Die aktuelle Situation der Branche und ihrer Kunden ist schwierig, rasche Lösungen sind aber nicht in Sicht. Zu diesem Ergebnis kamen Experten aus E-Wirtschaft, Behörden und Unternehmen in einer Diskussionsrunde die Zusammenhänge zwischen Stromerzeugung, Förderungen, Wettbewerb, Steuern und Strompreisen unter die Lupe nahm.

"Wir befinden uns derzeit in einer vertrackten Situation: Der E-Wirtschaft sind die Preise zu niedrig, den Konsumenten zu hoch", erklärte Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. Ein emotionsgeladenes Thema, ergänzte Wolfgang Anzengruber, Präsident von Oesterreichs Energie, "denn einerseits wird der Strompreis von den Konsumenten als unfair betrachtet, andererseits zahlt die E-Wirtschaft drauf, weil sie auf dem Großhandelsmarkt nicht mehr die Preise erzielt, die notwendig sind, um die Versorgungssicherheit weiterhin zu gewährleisten."

Hohe Steuer- und Abgabenbelastung

Der Großhandelspreis für die Kilowattstunde beträgt aktuell 3,7 Cent. Mit diesen Preisen lassen sich weder neue Ökostromanlagen noch neue Wasserkraftwerke oder thermische Kraftwerke finanzieren. Seit 2011 gab es praktisch keine Strompreiserhöhungen bezogen auf den Energiepreis, jedoch fast durchwegs Strompreissenkungen von bis zu 13 Prozent in Österreich. Dem gegenüber stehen steigende Kosten in vielen Bereichen. Schmidt: Die Inflation ist seit 2011 um rund fünf Prozent angestiegen, der Tariflohnindex um sechs Prozent und die Bürokratiekosten und die regulatorischen Belastungen des liberalisierten Bereichs der heimischen E-Wirtschaft liegen inzwischen über 460 Millionen Euro pro Jahr." Das entspricht 16 Prozent des Marktwerts des gesamten in Österreich produzierten Stroms. Ein weiterer Kostenschub wird sich aus dem Energieeffizienzgesetz ergeben.

3500 Kilowattstunden beträgt der von der Statistik verwendete Durchschnittsverbrauch eines Haushalts im Jahr. Bei einem Durchschnittspreis von 20,8 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2013 ergeben sich monatliche Stromkosten von 60,67 Euro. Macht in Summe rund 22,44 Euro für den Strom selbst und 22,44 Euro für Steuern und Abgaben. Die Nutzung des Netzes und seiner Dienstleistungen kostet Haushalte im Schnitt 15,77 Euro pro Monat. Ohne Stromsteuern und -abgaben könnte elektrische Energie also um gut ein Drittel billiger sein. Den Zusammenhang zwischen Kosten, Förderungen, Belastungen und Preisen zeigt ein grafisch aufbereiteter Faktencheck von Oesterreichs Energie (www.oesterreichsenergie.at). "Angebot und Nachfrage funktionieren nicht mehr", kommentierte Anzengruber die Situation und machte dafür vor allem ein verfehltes Förderregime verantwortlich, das zu einem Überangebot an billigen Strom geführt habe. "Mangelnde Erträge bei den Energieversorgern führen aber zu weniger Investitionen und wir müssen uns vor Augen halten, dass eine sichere Stromversorgung nicht naturgegeben ist."

Versorgungssicherheit als zentraler Kundenwunsch

Stromkunden wünschen sich vor allem eine unterbrechungsfreie Versorgung, erklärte Andreas Büchelhofer, Geschäftsführer Österreichisches Gallup-Institut und Institut für Motivforschung. Das zeige die alljährlich durchgeführte Meinungsforschung seines Instituts im Auftrag von Oesterreichs Energie. Erst an zweiter Stelle kommt der Wunsch nach einem niedrigen Strompreis, drittwichtigster Punkt aus Konsumentensicht ist die Art und Weise wie der Strom erzeugt wird. Das Strompreisniveau in Österreich hält die Hälfte der Befragten derzeit für angemessen, für ebenfalls rund 50 Prozent ist es zu teuer - eine sehr gute Relation aus Sicht der Branche, so Büchelhofer: "Von den Verbrauchern allgemein unterschätzt wird hingegen der Einfluss der Steuern und Abgaben auf die Preisbildung."

Laut Konrad Pesendorfer, Generaldirektor Statistik Austria, könne man nicht sagen, dass der Strompreis generell ein Preistreiber sei. Zwar habe sich der Strompreis im Jahr 2013 mit einer Steigerung von 4,5 Prozent in der Inflationsrate durchaus bemerkbar gemacht, "in den Jahren vorher dafür aber kaum." Eine allgemeine Aussage sei daher nicht möglich, "die Auswirkungen differieren von Jahr zu Jahr, spielen aber im Vergleich zu anderen Inflationsposten wie Wohnen oder Wasser eine eher untergeordnete Rolle", so Pesendorfer. Das Ausgabengewicht des Energieverbrauchs eines durchschnittlichen Haushalts bezifferte er mit 4,7 Prozent, Strom liege bei zwei Prozent.

Laut Reinhold Baudisch, Gründer von durchblicker.at, einer Internetplattform, auf der man die Strom- und Gaspreise verschiedener Versorger vergleichen kann, sei Sparen bei den Konsumenten naturgemäß ein wichtiges Thema, bezüglich des Anbieterwechsels herrsche aber große Unsicherheit. "Die Herkunft des Stroms hingegen spielt eine deutlich untergeordnetere Rolle, wie eine Analyse gezeigt hat", so Baudisch.

Johannes Mayer von der Abteilung Volkswirtschaft der Regulierungsbehörde E-Control verwies darauf, dass der Wettbewerb zwischen den Anbietern durch mehr Anbieterwechsel angekurbelt werde und eine höhere Wechselbereitschaft der Konsumenten zu niedrigeren Preisen führen würde. Prinzipiell sei das Einsparungspotenzial bei einem Anbieterwechsel nicht unerheblich. Die Rolle von Steuern und Abgaben hingegen wollte er nicht überbewertet haben: "Den Konsumenten ist es egal, wie sich der Preis zusammensetzt, für ihn zählt einzig und allein der Effekt", so Mayer. Daraus entstehe eine große Herausforderungen für die E-Wirtschaft: Um bei den Verbrauchern für eine bessere Akzeptanz der Preise zu sorgen, müssen diese auch entsprechend transparent kommuniziert werden: "Man muss den Kunden nachvollziehbar sagen, warum ein günstigerer Strompreis nicht möglich ist."

Marktverzerrungen beseitigen

Energie muss eine leistbare Komponente des Lebens bleiben und darf nicht zum Luxusgut verkommen, erklärte Oesterreichs Energie Präsident Wolfgang Anzengruber. Dafür brauche es aber ein marktwirtschaftliches Umfeld, das der Kostenwahrheit verpflichtet sei und mit den wettbewerbsverzerrenden Förderungen aufräume, die zunehmend sogar die Betreiber umweltfreundlicher Wasserkraftwerke in ihrer Existenz gefährden würden.

Dieser Forderung konnte bis zu einem bestimmten Grad auch Johann Hubmann, Vorsitzender des Bundesausschusses Energie der GPA-djp etwas abgewinnen, obwohl er gleichzeitig betonte, dass dem Staat beim Thema Energie ein gewichtiges Mitspracherecht eingeräumt werden müsse und nicht alles über den Wettbewerb gespielt werden dürfe. "Was mich in diesem Zusammenhang bewegt, ist die Frage der Umverteilung: In 90 Prozent der Fälle sind nämlich Hedgefonds, Banken und andere große Investoren die Nutznießer der Förderungen, und nur zu drei Prozent Private", kritisierte er. Und letztlich seien von einem solchen System auch die Arbeitnehmer betroffen: "Wenn Kraftwerke wegen Unrentabilität geschlossen werden müssen, werden ja auch Leute auf die Straße gesetzt." Unterm Strich gehe es um die soziale Balance und dafür sei eine Anreizförderung besser geeignet als das derzeitige Dauerförderungssystem, betonte er.

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