- 10.11.2014, 09:30:03
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Toxoplasmose-Screening an der MedUni Wien verringert die Infektionsrate deutlich
Wien (OTS) - Vor 22 Jahren wurde an der MedUni Wien das weltweit
einzigartige Toxoplasmose-Register etabliert, in dem österreichweit
alle schwangere Frauen mit akuter Toxoplasma-Infektion und Kinder mit
im Mutterleib "erworbener" Infektion erfasst werden. Mit Hilfe dieses
Screenings und der damit einher gehenden Präventionsmaßnahmen konnten
die Fälle von angeborener Toxoplasma-Infektion seither deutlich
gesenkt werden: Während es früher bei 78 von 10.000 Lebendgeburten
eine Infektion gab, ist heute nur noch eines von 10.000 Neugeborenen
betroffen.
Diese Erfolgsbilanz an der Universitätsklinik für Kinder- und
Jugendheilkunde der MedUni Wien (Toxoplasmoselabor und
-Nachsorgeambulanz) wurde nun von Andrea-Romana Prusa und David
Kasper in einer Studie im Top-Journal "Clinical Infectious Diseases"
zusammengefasst und publiziert.
"Auch die Effizienz des österreichischen Therapieschemas konnte
belegt werden", sagt Prusa. "Die antiparasitäre Therapie für
Schwangere und Kinder ist gut verträglich. Durch die Therapie für das
Kind ist das Auftreten der klassischen Trias von Netzhautentzündung,
Hirnverkalkungen und Wasserkopf eine Rarität geworden. Zudem handelt
es sich um eine kostengünstige Präventionsstrategie." Schwere Fälle
von Toxoplasmose sind in Österreich mittlerweile Einzelfälle.
Weiterer positiver Faktor des Registers: "Wir haben mit dessen Hilfe
einen Überblick über alle Infektionen in der Schwangerschaft und das
Outcome der Kinder seit 1992."
Einzelliger Parasit als Erreger
Bei Frauen, die einmal eine Toxoplasma-Infektion hatten, bilden sich
Antikörper im Blut. Daher sind sie gegen eine Ansteckung praktisch
immun und auch der Fetus geschützt. Eine erstmalige Erkrankung der
Mutter in einer Schwangerschaft kann aber zu erheblichen Schädigungen
des ungeborenen Kindes führen - bis hin zur Fehlgeburt. Jedes vierte
infizierte Kind hat eine geistige und/oder körperliche
Beeinträchtigung.
Der Erreger der Toxoplasmose ist ein einzelliger Parasit (Toxoplasma
gondii), der weltweit verbreitet ist und viele Wirbeltiere und auch
den Menschen befallen kann. So genannte Endwirte des Parasiten sind
Hauskatzen, die Eier des Parasiten werden mit dem Katzenkot
ausgeschieden. Über die Erde gelangen die Eier auch auf Nutztiere, wo
sie u.a. in der Muskulatur Gewebezysten bilden. Menschen können sich
entweder durch Oozysten im Katzenkot und damit verschmutzter Erde
oder durch Zysten in rohem oder halbrohem Fleisch infizieren.
Ein gesunder Erwachsener bemerkt die Infektion normalerweise nicht.
In seltenen Fällen kommt es zu Lymphknotenschwellungen, Gelenks- und
Muskelschmerzen, aber auch zu grippeähnlichen Beschwerden. Bei
Menschen mit einer Schwächung des Immunsystems kann die Infektion
allerdings zu lebensbedrohlichen Krankheitsbildern führen. Die
Diagnose erfolgt über eine Blutabnahme. In Österreich wird jede
schwangere Frau im Rahmen des Mutter-Kind-Passes auf eine
Toxoplasma-Infektion hin untersucht. Die Erstuntersuchung erfolgt
optimaler Weise vor der 9. Schwangerschaftswoche. Nicht-infizierte
Frauen sollen regelmäßig in der Schwangerschaft getestet werden.
Service: Clinical Infectious Diseases
The Austrian Toxoplasmosis Register, 1992-2008. Prusa AR, Kasper DC,
Pollak A, Gleiss A, Waldhoer T, Hayde M. Clin Infect Dis.
2014;pii:ciu724.
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