• 20.10.2014, 11:20:12
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Hausärzte-Umfrage 2: Ärztekammer fordert bessere Rahmenbedingungen

Steinhart: "Abschaffung der Chefarztpflicht für Entbürokratisierung der Arztpraxen erforderlich."

Utl.: Steinhart: "Abschaffung der Chefarztpflicht für
Entbürokratisierung der Arztpraxen erforderlich." =

Wien (OTS) - "Die Zufriedenheit mit dem Hausarzt, die 96 Prozent der
Österreicher äußern, sehe ich als klaren Ausdruck des Bürger- und
Patientenwunsches nach einer Hausarzt zentrierten
Gesundheitsversorgung: Die Menschen wollen 'ihren' Hausarzt". So
kommentiert Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart die
aktuellen Ergebnisse der ecoquest-Befragung. Das sei ein
überdeutliches Votum für ein bewährtes ärztliches Versorgungsmodell
im niedergelassenen Bereich, aber auch für dessen konsequenten
Ausbau. ****

"Die Österreicher schätzen die Situation realistisch ein, wenn sie
meinen, dass eine höhere Zahl niedergelassener Ärztinnen und Ärzte
mit Kassenvertrag zu einer insgesamt besseren medizinischen
Versorgung beitragen würde", erklärt Steinhart die aktuelle
Situation.

Doch obwohl die Bevölkerung nicht nur wächst, sondern auch immer
älter wird, gibt es in Österreich nicht mehr, sondern immer weniger
niedergelassene Ärztinnen und Ärzte mit Kassenvertrag: Heute sind es
um 900 weniger als im Jahr 2000. Und auch der Nachwuchs bleibt
zahlenmäßig hinter dem Bedarf zurück: Von den in Österreich
niedergelassenen Fachärzten sind bereits zwei Drittel in der
Altersgruppe 50 plus, 45 Prozent der Allgemeinmediziner sind älter
als 55 Jahre.

Am Beispiel Wien: Von den ungefähr 1400 niedergelassenen
Allgemeinmedizinern sind 340 älter als 61 Jahre, aber nur 19 jünger
als 35 Jahre. Besonders gravierend ist die Situation in den
ländlichen Regionen. Dort wird in den nächsten zehn Jahren mehr als
die Hälfte der derzeit 1800 niedergelassenen Landärzte in Pension
gehen. Steinhart: "Das unterstreicht die Forderung der Ärztekammer
nach österreichweit 1300 zusätzlichen Ordinationen mit Kassenvertrag,
davon 300 in Wien."

Der Arztberuf sei heute für viele junge Menschen aufgrund der
unbefriedigenden Rahmenbedingungen unattraktiv geworden, so
Steinhart. Um hier eine Trendwendung zu schaffen, brauche es zum
Beispiel eine konsequente Entbürokratisierung der Arztpraxen. Das
gelte nicht nur, aber auch, für die Chefarztpflicht. "Sie ist
bürokratisch und zeitlich aufwendig, sie behindert Patienten und
Ärztinnen und Ärzte gleichermaßen, und sie ist willkürlich und ein
nicht zeitgemäßer Hoheitsakt der Kassenbürokratie." So etwas gehöre
abgeschafft, "und das möglichst schnell", fordert Steinhart.

Neue Organisationsformen und Anpassung der
Leistungskataloge

"Weiters bedarf es einem Ausbau der Vielfalt von
Organisationsmodellen und Versorgungsformen", so Steinhart. Das
bedeute Vernetzung und Verbesserung von Zusammenarbeitsformen, von
der Stärkung und Weiterentwicklung von Einzelordinationen in
Netzwerken bis hin zu zeitgemäßen Kooperationsformen.

Dass 96 Prozent der Befragten sich wünschen, dass ihr Hausarzt
"immer die richtige Diagnose stellen können sollte", führt zu einer
weiteren zentralen Forderung: "Er muss das auch tun dürfen", so
Steinhart.

Die Realität schaut leider aus: Eine Vielzahl ärztlicher
Leistungen ist Gegenstand von Limitierungen und Degressionen, oder
die Leistungen werden von den Krankenkassen grundsätzlich nicht
bezahlt. "Um die Tätigkeit als niedergelassener Arzt attraktiv zu
gestalten und einen geeigneten Rahmen für eine optimale Betreuung der
Patienten zu schaffen, bedarf es auch hier einer Reihe von Reformen",
betont Steinhart. Dazu gehöre insbesondere eine Anpassung der
Leistungskataloge an den Stand und die Erfordernisse der Medizin.

Primärversorgung nicht ohne den Hausarzt

Die Vorstellungen und Wünsche, die bei der Umfrage erkennbar
wurden, erteilen jedenfalls bestimmten Konzepten von
Erstversorgungszentren (Primary Health Care), wie sie unter dem
früheren Gesundheitsminister Alois Stöger immer wieder vorgestellt
wurden, eine klare Absage. "Aus manchen Arbeitspapieren war sogar die
Absicht herauszulesen, den niedergelassenen Bereich schlichtweg
abzuschaffen", kritisiert Steinhart. "Doch anonyme
Versorgungszentren, ohne freie Arztwahl und vielleicht sogar ohne
Arzt als kompetenten Erstkontakt sind für die Österreicher keine
attraktive Alternative."

Wer glaubt, eine "Gesundheitsreform" ohne Einbeziehung von
Ärztinnen und Ärzten machen zu können, erhält jedenfalls von der
Bevölkerung eine klare Abfuhr. 86 Prozent der Befragten sind davon
überzeugt, dass Ministerium, Sozialversicherungen und Länder "bei
jeder gesundheitspolitischen Entscheidung den Standpunkt der Ärzte
berücksichtigen" sollten." Steinhart: "Die Ärztekammer stellt hier
sehr gerne auch in Zukunft ihre Expertise zur Verfügung."

(Schluss)

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