• 17.10.2014, 11:01:54
  • /
  • OTS0070 OTW0070

Skepsis bei Lehrern und Eltern gegenüber dualer Ausbildung

Wieser und Zwazl präsentieren Sozialpartnerstudie zum Image der Lehre

Utl.: Wieser und Zwazl präsentieren Sozialpartnerstudie zum Image
der Lehre =

St.Pölten (OTS) - Niederösterreichs Eltern und Lehrer sehen die Lehre
viel skeptischer als eine schulische Ausbildung und unterschätzen
nach wie vor die Möglichkeiten, die mit einer Lehre verbunden sind.
Zu diesem Schluss kommt eine von den Sozialpartnern
Niederösterreichische Arbeiter-kammer (AKNÖ) und Wirtschaftskammer
Niederösterreich (WKNÖ) in Auftrag gegebene IFES-Studie "Image der
Lehre", die nun von WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl und AKNÖ-Präsident
Markus Wieser präsentiert wurde. Die NÖ Sozialpartner wollen mit
gezielten Info-Aktivitäten dagegenhalten.

Als Datengrundlage dienten standardisierte telefonische Befragungen
in der Zielgruppe der Lehrlinge (n=400), der Lehrbetriebe (n=400),
niederösterreichischer Eltern mit zumindest einem schulpflichtigen
Kind (n=350) und der Lehrkräfte an niederösterreichischen
Volksschu-len, neuen Mittelschulen, allgemeinbildenden höheren
Schulen, sowie berufsbildenden mitt-leren und höheren Schulen (n =
314). Die Befragung fand im Zeitraum November 2013 bis Februar 2014
statt.

Lehrlinge wünschen sich mehr Berufsorientierung in der Schule
Zu den Ergebnissen: 98 Prozent der befragten Lehrlinge stimmen der
Aussage, die Lehre würde ihnen Spaß machen, voll (76%) oder eher
(22%) zu. Ähnlich hoch ist die Einschät-zung, für den späteren Beruf
gut vorbereitet zu werden.

Kritik kommt seitens der Lehrlinge allerdings an der fehlenden
schulischen Berufsorientie-rung. Ein gutes Fünftel der befragten
Lehrlinge fühlt sich seitens der Schule nicht bzw. nicht ausreichend
auf die Lehre vorbereitet. Andererseits wird gerade das Thema
"rechtzeitige Berufsorientierung vor der Lehre" von der Zielgruppe
als wesentlicher Bestandteil für eine richtige und gute Berufswahl
wahrgenommen.

"Man kann die Bedeutung der schulischen Berufsorientierung gar nicht
hoch genug ein-schätzen. Es ist daher wichtig, dass diese bereits
frühzeitig beginnt und die SchülerInnen bis zum Schulabschluss
begleitet", so AKNÖ-Präsident Markus Wieser und WKNÖ-Präsidentin
Sonja Zwazl.

Das erklärte Ziel der Sozialpartner liegt in einer möglichst frühen
und verstärkten Berufsori-entierung an allen Schultypen.
Diesbezügliche Gespräche mit dem Bundesministerium für Bildung und
Frauen sind gegenwärtig im Laufen.

Eltern bevorzugen schulische Ausbildung
Skeptischer als die niederösterreichischen Lehrlinge beurteilen die
befragten Eltern die Be-rufsaussichten nach einer Lehrausbildung.
Während etwa Lehrlinge in ihrer Ausbildung zu 85 Prozent die Basis
für eine interessante Arbeit sehen, sind es bei den Eltern nur 32
Prozent. Gute Arbeitsplatzaussichten attestieren der Lehre nur 33
Prozent der Eltern und bei den Lehrern sogar nur 27 Prozent.
Umgekehrt unterstützen 72 Prozent der Eltern die Aussage, dass die
Lehre aufgewertet und mehr Jugendliche für die Lehre gewonnen werden
sollten. "Irgendwo ist zwar offenbar bereits "angekommen", dass die
Lehre hervorragende berufliche Chancen eröffnet, grundsätzlich hängen
Eltern aber immer noch einem Bild nach, das allein in Matura und Uni
Karriere und Aufstieg sieht - obwohl es gerade Fachkräfte sind, die
unsere Wirtschaft dringend braucht", resümiert Zwazl.

Selbst jene Eltern, deren Kinder in Lehrausbildung stehen, beurteilen
die Möglichkeiten im Anschluss an die Lehre zwiespältig: Demnach
biete eine Lehre zwar bessere Aussichten auf einen Arbeitsplatz. Im
Hinblick auf die Arbeitsbedingungen, die beruflichen Karrierechancen
und den zu erwartenden Verdienst hingegen, ist selbst aus Sicht der
Lehrlingseltern die Schule vorzuziehen.

AKNÖ-Präsident Markus Wieser: "Diese Sichtweise mag vor vielen Jahren
zutreffend gewe-sen sein. Heute ist die Situation anders. Fast 76%
der LehrabsolventInnen sind 18 Monate nach Abschluss ihrer Ausbildung
erwerbstätig, 5% in einer weiteren Ausbildung. Im Vergleich dazu
liegt der Anteil der Erwerbstätigen unter BMS-AbsolventInnen
lediglich bei 55%. Beim Medianeinkommen liegen die LehrabsolventInnen
12 Monate nach Abschluss ihrer Ausbildung mit Euro 1.900,- gleichauf
mit AbsolventInnen der BHS und über dem Einkommen von AbsolventInnen
berufsbildender mittlerer Schulen (Euro 1.500) bzw.
allgemeinbildender höherer Schulen (Euro 1.300)."

Auch LehrerInnen empfehlen weiterführende Schulen
Ähnliche Befragungsergebnisse wie bei den Eltern liefert die Studie
in der Zielgruppe der Lehrkräfte. Auch sie äußern hinsichtlich des
Bildungsweges ihrer SchülerInnen ihre eindeuti-ge Präferenz für eine
weiterführende Schule. 85% stimmen der Aussage zu, dass - bei
ent-sprechenden schulischen Leistungen - die Matura anstatt einer
Lehrausbildung angestrebt werden sollte. Dieser Sichtweise schließen
sich selbst die schulischen BildungsberaterInnen, sowie die für die
Berufsorientierung (BO) verantwortlichen Lehrkräfte auf ähnlichem
Zustim-mungsniveau an. Und das, obwohl eine Mehrheit der befragten
LehrerInnen (72%) die Auf-fassung vertritt, dass man es mit einer
guten Lehrausbildung genau so weit bringen könne, wie mit einem
Studium.

"Regionale Drehscheiben": Berufsorientierung stärken und ausbauen
Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, bestehende Informationsdefizite
bei LehrerInnen und El-tern auszugleichen. Vorhandene Kooperationen -
wie beispielsweise bei der Schulung von BO-Lehrkräften - sollen
ausgebaut werden. Neue regionale Drehscheiben sollen das In-strument
der Betriebsbesuche und der berufspraktischen Tage weiter stärken.

"Die schulische Berufsorientierung ist vom Wissen und vom Engagement
der Lehrkräfte am jeweiligen Schulstandort aber auch von guten
Kontakten zu den Betrieben abhängig. Dort wo diese Kontakte bestehen,
entwickelt sich ein breites Spektrum der Zusammenarbeit. Gelun-gene
Betriebsbesuche und berufspraktische Tage sind für die SchülerInnen
ein Erlebnis, liefern die praktischen Grundlagen für die richtige
Berufsentscheidung und erleichtern den Berufseinstieg", so
AKNÖ-Präsident Markus Wieser.

Um die Schulen bei der Herstellung dieser Kontakte zu unterstützen,
soll in jeder niederös-terreichischen Region und in Kooperation
zwischen Schulbehörden und Sozialpartnern eine sogenannte
"Drehscheibe" eingerichtet werden. Diese regionalen Drehscheiben
sollen sich professionell und kostenlos um die Vernetzung von
LehrerInnen und SchülerInnen mit Be-trieben und Personen aus dem
Arbeitsleben bemühen. Die breite Palette an in Niederöster-reich
bestehenden Berufsorientierungsmaßnahmen wie etwa der NÖ
Begabungskompass, die WKNÖ-Plattform frag-jimmy oder die
AKNÖ-Berufsinfo-Messe Zukunft - Arbeit -Leben werden natürlich
weitergeführt - unter möglichst verstärkter Einbindung von Eltern und
Leh-rern. WKNÖ-Präsidentin Zwazl: "Denn wer selbst genauer über
berufliche Möglichkeiten in-formiert ist, der kann sich auch unseren
Kindern und Jugendlichen besser helfen, wenn es um die Berufswahl
geht."

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | HKN

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel