• 14.10.2014, 11:40:35
  • /
  • OTS0106 OTW0106

AVISO: Quadriag 16 - "Ungarn - Quo vadis?"

Podiumsdiskussion im Palais Epstein, 14. Oktober 2014, 18.30 Uhr

Utl.: Podiumsdiskussion im Palais Epstein, 14. Oktober 2014, 18.30
Uhr =

Wien (PK) - Einen Blick über die Grenze nach Ungarn machen heute
Abend namhafte ExpertInnen und AutorInnen bei einer
Diskussionsveranstaltung im Parlament im Rahmen der Quadriga-Reihe.
Auf Einladung von Nationalratspräsidentin Doris Bures befassen sich
die TeilnehmerInnen mit den aktuellen Entwicklungen im östlichen
Nachbarland, wo Ministerpräsident Viktor Orban seine Reformpolitik
unbeirrt fortsetzt und den Staat nach seinen Vorstellungen umbaut. Zu
Wort kommen ausgewiesene Ungarn-KennerInnen, die für ihr
differenziertes Urteil bekannt sind, nämlich die renommierte
Philosophin Agnes Heller, der bekannte Schriftsteller György Konrad,
der Leiter des ORF-Osteuropabüros Ernst Gelegs sowie der Budapester
Autor Lajos Party Nagy. Die Diskussion wird vom ORF-Journalisten
Roland Adrowitzer geleitet.

Wo steht Ungarn politisch, wohin wird es sich voraussichtlich
entwickeln? Wie bedenklich sind die erkennbaren und vermuteten
Tendenzen? Und welche Auswirkungen hat deren Politik für Kunst und
Kultur, für Meinung und Bildung, für das gesellschaftliche Klima,
nicht zuletzt auch für Europa? Und: Wie verhält sich die Europäische
Union - ist sie sensibel genug oder müsste sie initiativer werden?
All diesen Fragen soll beim heutigen Diskussionsabend nachgegangen
werden, wobei als Basis vier Publikationen dienen, die sich auf
unterschiedliche Weise dem Thema Ungarn annähern.

"Die rechte Revolution im Orban-Land"

Ohne Rücksicht auf Proteste im eigenen Land, ohne Rücksicht auf die
massiven Bedenken der EU, des Europarates, der USA und zahlreicher
Menschenrechtsorganisationen setzt der ungarische Ministerpräsident
seine rechte Revolution im Land fort, lautet die Analyse von Ernst
Gelegs und Roland Androwitzer in ihrem 2013 im Styria-Verlag
erschienen Buch "Schöne Grüße aus dem Orban-Land. Die rechte
Revolution in Ungarn". Demokratische Institutionen oder
Kontrollinstanzen werden mithilfe der parlamentarischen Zwei-Drittel-
Mehrheit ausgehöhlt und unter die Kontrolle der Regierung gebracht,
also de facto unter die Kontrolle von Orban selbst. Kritiker sind
dabei unerwünscht, zeigen die Autoren auf. Wer sich Orban in den Weg
stellt, wird zumindest entmachtet, wie im März 2013 das
Verfassungsgericht. Kritische Berichte ausländischer Korrespondenten
werden nach außen als "linke Propaganda" kommuniziert. Das Buch setzt
sich eingehend mit der Politik Orbans auseinander, wobei Gelegs und
Adrowitzer die Auffassung vertreten, dass ein demokratisches Europa
die ungarische Regierungspolitik nicht mehr tatenlos zur Kenntnis
nehmen könne.

Die Welt der Vorurteile von der Antike bis heute

In ihrem letzten Werk "Die Welt der Vorurteile: Geschichte und
Grundlagen für Menschliches und Unmenschliches" (Edition Konturen
2014) greift die renommierte und vielfach ausgezeichnete Philosophin
Agnes Heller zurück bis in die Antike, um zu zeigen, unter welchen
Umständen Vorurteile entstehen können. Sie fragt nach
gesellschaftlichen und psychologischen Voraussetzungen und analysiert
die grundlegenden Vorurteile der Moderne: rassische, ethnische und
religiöse Vorurteile, Klassenvorurteile, Vorurteile gegen Frauen und
sexuelle Vorurteile. Von Sokrates bis Shakespeare, von Leibniz über
Weber bis Foucault und Luhmann führt die Grande Dame der Philosophie
vor Augen, was sie auch persönlich im 20. und 21. Jahrhundert erlebt
hat und noch erlebt: einen ganzen Kosmos von Vorurteilen.

Die Integration Europas und die Entwicklung der Nationalstaaten

In seinem Essay "Europa und die Nationalstaaten" (Suhrkamp 2013)
macht sich der bekannte Schriftsteller György Konrad Sorgen um die
Freiheit und Sicherheit in seinem Heimatland. Im Schatten der
Integrations- und Finanzkrise seien nämlich nicht nur osteuropäische
Staaten wie Russland, Weißrussland und die Ukraine, sondern auch EU-
Länder wie Ungarn und Rumänien den gefährlichen Weg der Autokratie
gegangen. Ist die absolute Mehrheit erst einmal errungen, vollziehen
sich, einhergehend mit anti- oder scheindemokratischem Nationalismus,
Führerkult und Günstlingsbourgeoisie, ein Systemwechsel und der
Ausbau des zentralistischen Parteistaates. Es liege aber an Ungarn
selbst und an Europa, mitzubestimmen, inwieweit Politiker wie
Ministerpräsident Orban die Melodie vorgeben, nach der das
postkommunistische Ungarn in Zukunft zu tanzen hat, lautet das
Resümee.

Porträts aus dem heutigen Ungarn

Eine sehr persönliche Annäherung an das Thema Ungarn stellt das Werk
des Dichters, Dramatikers und Feuilletonisten Lajos Parti Nagy "Der
wogende Balaton" (Nischen Verlag 2012) dar. Durch die groteske
Verdrehung der Gemeinplätze und Sprachspiele aus dem Milieu der
Kleinbürger zeichnet er Porträts und Situationen aus dem Alltag im
heutigen Ungarn. Bizarre Figuren, zufällige Opfer, verspottete Helden
des großen Fressens fesseln in diesen 16 Erzählungen die Leser vor
dem Hintergrund von Gier und Sexualität, von Leid und Glück.
(Schluss) sue

Für die Teilnahme an der Veranstaltung ist aus organisatorischen
Gründen eine verbindliche Anmeldung (Name/Vorname) unter
[email protected] at erforderlich.

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie im Fotoalbum auf
www.parlament.gv.at.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NPA

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel