• 14.10.2014, 10:30:04
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  • OTS0064 OTW0064

Feind und Freund. Wie die Kulturgeschichte die Wahrnehmung der Berge beeinflusst.

Das moderne Bergbild, die Bergbegeisterung, wie man sie heute kennt, ist kulturgeschichtlich schon früher entstanden, als bisher angenommen.

Utl.: Das moderne Bergbild, die Bergbegeisterung,
wie man sie heute kennt, ist kulturgeschichtlich schon früher
entstanden, als bisher angenommen. =

Wien/Innsbruck (OTS) - Hannibals Überquerung der Alpen zeigt den Berg
als mächtigen, uneinnehmbaren Gegner, den es heldengleich unter
großen Entbehrungen zu bezwingen gilt. Diese Schilderung steht
beispielhaft für das negative Bergbild, dass erst viel später durch
ein modernes und positives Bild ersetzt wurde. Aktuelle
literaturwissenschaftliche Untersuchungen durch das Ludwig Boltzmann
Institut für Neulateinische Forschung zeigen nun, dass diese moderne
Bergauffassung, nicht wie bisher angenommen erst im 18. Jahrhundert
entstanden ist, sondern bereits 200 Jahre früher.

Seit 2011 beschäftigte sich William Barton, Junior Researcher am
Innsbrucker Ludwig Boltzmann Institut für Neulateinische Studien (LBI
Neulatein), mit der Frage, welche Änderungen sich in unserem Wissen
um das moderne neuzeitliche Bergbild ergeben, wenn man auch
neulateinische Texte, d.h. Texte, die ab dem 14. Jh. in lateinischer
Sprache geschrieben wurden, berücksichtigt. Die Ergebnisse, die er in
seiner eben in London (King's College) eingereichten
Dissertationsschrift vorlegen kann, sind verblüffend.

"Wir finden im 16. Jahrhundert vor allem im schweizerischen und
süddeutschen Raum eine Fülle von lateinischen Texten, die sich mit
dem Thema 'Berge' beschäftigen: In Gedichten, wissenschaftlichen
Traktaten, Briefen, Geschichtswerken usw. verraten die jeweiligen
Autoren eine Vorstellung, die unserer modernen Auffassung schon recht
nahe kommt", so Barton, der in den letzten Monaten zwischen London
und Innsbruck pendelte, um seine Arbeit abzuschließen. Verstärkt
wurde die Entwicklung des modernen Bergbildes in Europa durch die
Epoche der Aufklärung, in der besonders naturwissenschaftliche
Fortschritte - z.B. botanische und geologische Studien - die Bergwelt
attraktiv machten. Der Schweizer Autor Benedikt Marti (Aretius)
schreibt z.B. 1561 in seiner Beschreibung des Stockhorn: "Ich fühle
mich durch eine Art natürliche Liebe zu den Bergen hingezogen, sodass
ich mich nirgendwo lieber aufhalte als im Gebirge!"

Bartons Forschungen sind eingebettet in die Forschungsschiene
"Neulatein und Mentalitätsgeschichte" des LBI Neulatein, dessen
Aufgabe es u.a. ist, neulateinische Texte für
mentalitätsgeschichtliche Fragestellungen nutzbar zu machen und
auszuwerten. Dass gerade in Tirol das Thema 'Einstellung des Menschen
zu den Bergen' von besonderer Relevanz ist, versteht sich von selbst.

Über das LBI für Neulateinische Studien:
Als Institut der Ludwig Boltzmann Gesellschaft hat das LBI Neulatein
seinen Hauptsitz in Innsbruck und unterhält Außenstellen in Wien,
Freiburg i.Br., Rom, Oxford und Padua. Die Forscher im Bereich
"Neulatein und Mentalitätsgeschichte" sind bei zahlreichen
internationalen Kongressen zum Thema 'Bergwahrnehmung' vertreten.

Über die Ludwig Boltzmann Gesellschaft:
Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft ist eine außeruniversitäre
Forschungsorganisation mit Sitz in Wien und betreibt 20
Forschungseinrichtungen (Ludwig Boltzmann Institute) mit rund 550
MitarbeiterInnen in den Bereichen der Humanmedizin / Life Sciences
sowie der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die LBG steht
mit ihrem Motto "Nahe am Menschen" für die Behandlung
gesellschaftsrelevanter Forschungsfragen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | LBG

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